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Yann Sommer verlässt die Borussia – Wie sieht die Zukunft aus?

Ein Kommentar von @ZonalMarc

Sommer 2014: Borussia verkauft das Eigengewächs Marc-André ter Stegen an den FC Barcelona für 12 Millionen Euro. Ter Stegen ist absoluter Fanliebling und Gladbach gibt einen absoluten Leistungsträger ab.
Doch wie soll es bloß weiter gehen?
Die Borussia verpflichtet den damals nicht allzu bekannten Yann Sommer vom FC Basel und investiert mit 9 Millionen einen Großteil der eingenommenen Ablöse, Sommer liefert ab und wird die neue Nummer 1 der kommenden 8,5 Jahre bei Borussia.

Er entwickelt sich zu einem der besten Torhüter weltweit, übernimmt Verantwortung und wird Führungsspieler einer Mannschaft, die einige hohe Höhen aber auch schmerzvolle Tiefen hatte. Sommer ist während dieser Zeit ein starker Rückhalt, obwohl er verhältnismäßig klein für einen Torwart mit seinen 1,83m ist.
Während seinen Jahren bei Borussia wächst er als Spieler in dem ein oder anderen Spiel gar über sich hinaus und bringt zB. die Bayern in der Hinrunde der Saison 2022/23 zum Verzweifeln mit einem neuen Bundesligarekord von 19 abgewehrten Schüssen innerhalb eines Spiels. Zudem entwickelt er sein Spiel am Fuß immer weiter und wird mehr als zurecht auch einer der Kapitäne der Fohlenelf.

Champions League Achtelfinaleinzug, gute Spiele gegen Barcelona oder Manchester City sind beinahe Randgeschichten in den überragenden Leistungen des Yann Sommer in Mönchengladbach.
Doch spätestens seit heute, Mittwoch, dem 18. Januar 2023 ist eines klar: Yann Sommers Zeit in Mönchengladbach findet ein Ende. Der Wechsel zu einem Topklub, mit dem er die Chance auf Titelgewinne hat, wird wahr, er schließt sich dem FC Bayern an.

Besonders zu erwähnen an der Stelle ist das Feedback aller Fans auf Social Media, liest man dort doch häufig wenig Positives sofern ein Spieler den geliebten Verein verlässt. Die Borussia Fans wünschen Yann Sommer alles Gute und drücken die Daumen, dass er sportlichen Erfolg hat, kaum ein negatives Wort ist dabei- Chapeau an uns alle, gerne mehr davon!

Doch wie geht es nun weiter?

Die Borussia musste bereits zum Ende der Hinrunde auf Yann Sommer aufgrund einer Knöchelverletzung verzichten. Damals wurde er von Tobi Sippel und in der Folge von Jan Olschowsky nach der Verletzung von Sippel ersetzt. Beide hatten nicht unbedingt die souveränsten Einsätze dabei und zeigten doch ihre Wichtigkeit für Borussia, bedenkt man bei Sippel zum Beispiel, dass er trotz wenig Einsatzzeit die letzten Jahre und ewiger Reservistenrolle, stets da war, sofern gebraucht, und meist mehr als souverän abgeliefert hat.

Betrachtet man die Auftritte von Jan Olschowsky, so muss man eine gemischte Bilanz erstellen. Debüt in Bochum bei einem sehr schwierigen Spiel, mit 2 äußert unglücklichen Gegentoren, wo er vor allem beim zweiten sehr unglücklich aussah. Im darauffolgenden Heimspiel zum Jahresabschluss gegen Dortmund zeigte er eine sehr gute Partie mit ein, zwei Big Saves und dennoch muss er sich seine etwas misslungene Abwehraktion beim zweiten Gegentreffer der Dortmunder ankreiden lassen.

Viele Anhänger der Fohlen wünschten sich in diesem Winter im Falle eines Abgangs von Yann Sommer, dass Olschowsky die neue Nummer 1 wird, doch wie sinnvoll ist das?

Was bringt Jan Olschowsky sportlich mit?

Betrachtet man das Ganze rein emotional, dann ist Olschowsky vermutlich die beste Lösung. Eigengewächs aus dem Fohlenstall, alle Jugendteams durchlaufen und dann Sieg bei der Heimpremiere gegen den BVB. Doch sollte man eine so wichtige Entscheidung nicht auf Basis emotionaler Werte treffen, sondern vielmehr aufgrund von sportlichem Mehrwert und Leistung, denn das zählt am Ende mehr als die Sympathie bei den Fans.

Betrachtet man Olschowskys bisherige Karriere, so wird eins deutlich: es fehlt an einem wichtigen Detail, was Daniel Farke des Öfteren in seiner bisherigen Amtszeit erwähnt hat, nämlich der Qualität.


„Qualität ist Leistung über einen längeren Zeitraum auf höchstem Niveau“

Das soll nicht bedeuten, dass Jan Olschowsky keine Qualität besitzt, jedoch sollte man eher noch von Talent sprechen.
Neben seinen beiden Bundesligaeinsätzen sammelte Jan Olschowsky Einsätze in der Regionalliga West im Team der U23 von Eugen Polanski, länger Zeitraum auf höchstem Niveau ist bei allem Respekt in der Regionalliga West nahezu unmöglich gemessen an der Bundesliga.
Seine Stärken auf der Linie konnte er dabei manches Mal unter Beweis stellen und entwickelte sich vor allem im Spielaufbau mit Ball am Fuß, auch unter Druck, sehr gut. Nüchtern betrachtet muss man allerdings auch erwähnen, dass er in der Strafraumbeherrschung und Kommunikation Defizite hat. Man muss hierbei die Euphorie rund um ihn nicht zwingend bremsen, sollte aber auch so ehrlich sein und konstatieren, dass er riesiges Potenzial trotz seiner 1,84m mitbringt und (noch) nicht unbedingt die Qualität für die Nummer 1 im Borussen Tor.

Der Weg muss hier nicht enden, aber sollte vermutlich anders zum Ziel, Gladbachs Nummer 1 zu sein, führen. Eine Vertragsverlängerung, die anscheinend bereits verhandelt wird, und eine anschließende Leihe in die 3. Liga oder höher wäre vermutlich die beste Lösung für beide Seiten, da das Gladbacher Eigengewächs so Spielzeit auf einem höheren Niveau als bisher sammeln könnte.

Doch was kann Borussia dann tun?

Zuletzt verdichteten sich Gerüchte, dass Borussia sich um einen Transfer von Jonas Omlin von Montpellier bemüht. Der 29-jährige Schweizer wechselte 2020 vom FC Basel zum Montpellier HSC. Kumuliert mit seinen Einsätzen beim FC Luzern, seiner ersten Profistation, kommt er auf über 200 Einsätze.
Ein Transfer an den Niederrhein würde für die Borussia einige Veränderungen im Torwartspiel bringen. Nicht zuletzt aufgrund seiner Größe ist Omlin mit knapp 7% abgefangenen Flanken sehr stark und würde sich mit diesem Wert zu den Toptorhütern der Bundesliga zählen dürfen. Zum Vergleich: Yann Sommer liegt mit knapp 4,5% deutlich dahinter. Die Daten lassen sich simpel erklären:
Omlin ist auf der Linie ein aggressiver Keeper, der offensiv und pro-aktiv versucht, Hereingaben und Flanken vorzeitig abzufangen, während Sommer dahingehend konservativ auf der Linie stand und mit Stellungsspiel, Reflex und Fangsicherheit den Ball hielt.
Im Spielaufbau ist Omlin jedoch schwächer als der nahezu beidfüssige Sommer, gerade unter Druck sind Sommers technische Sauberkeiten ein anderes Niveau. Doch wer kann schon auf diesem Niveau, welches Sommer mit Ball besitzt, konkurrieren? Wir finden maximal 4-5 Torhüter auf der Welt.

Von Seiten der Schweizer Nationalmannschaft und ehemaligen Mitspielern Omlins hört man fast ausschließlich positives Feedback, jedoch wird auch Omlin seine Qualität bei Borussia erst unter Beweis stellen müssen.

Doch seine Statistiken machen Hoffnung:
Trotz ausbleibendem sportlichen Erfolg von Montpellier kommt Omlin auf einen „Prevented Goals“-Wert von 4,77 ; Platz 2 in der Ligue 1 ( Zum Vergleich: Sommer mit 2,57 ebenfalls 2. der Buli). Dieser Wert zeigt auf, wie viele Torchancen ein Keeper zu Nichte gemacht hat. Omlin kann also auch ein entscheidender Faktor für das Spiel der Borussia werden, wenngleich man sagen muss, dass sich die Anhänger der Borussia auf ein anderes Torwartspiel einstellen müssen.

*Der „Prevented-Goals„-Wert ist die Differenz der „expected Goals against“ minus der tatsächlich eingefangenen Gegentore, also die „verhinderten Tore“

Ist es nun aus Gladbach Sicht gut gelaufen?

Die Borussia hat in Yann Sommer einen 34-jährigen Torwart 6 Monate vor Vertragsende für wahrscheinlich knapp 10 Millionen verkauft. Gemessen an Alter und Restlaufzeit ein Top Transfer von Roland Virkus und seinem Team, Hut ab!
In Omlin würde man für voraussichtlich etwas weniger eine neue Nummer 1 holen, die dann weder einen auslaufenden Vertrag hat, noch ein hohes Fußballeralter.

Sollte das alles so durch gehen, dann hätte die Borussia eine Verjüngung auf der Torwartposition ohne zusätzliche Investition geschaffen und gleichzeitig das Torwartspiel etwas modifiziert.
Tobias Sippel, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, könnte nun den Verein in Richtung seiner Heimat verlassen und würde den Weg frei machen für einen offenen Kampf um die Nummer 2 hinter Omlin öffnen zwischen Olschowsky, sofern er nicht verliehen wird, und den wiederkehrenden Moritz Nicolas und Jonas Kersken, die derzeit beide ausgeliehen sind.

Abschließend bleibt nur eins zu sagen:

Danke Yann Sommer für 8,5 Jahre vollen Einsatz für die Borussia. Mehr Worte wollen wir hier nicht verlieren, da wir sonst Zwiebeln schneiden.

Sein Abschied bringt Veränderung und das ist oft interessant und spannend, hoffen wir, dass es gut wird. Ähnlich wie bei seiner Ankunft 2014 nach dem Abgang von ter Stegen.


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