William Pacho in der Spielanalyse

Mit dem 19-Jährigen Ecuadorianer steht Borussia Mönchengladbach kurz vor der Verpflichtung eines Abwehrtalents. William Pacho ist Links-Fuß und hat in der abgelaufenen Saison sowohl in einer 4er-Kette, als auch in einer 3er-Kette gespielt. Bekanntlich hat Adi Hütter bisher nur zwei Verteidiger im Kader, die einen starken linken Fuß haben: Ramy Bensebaini und Mamadou Doucouré, der derzeit verletzt ist und noch weiterhin ausfallen wird.

BorussiaExplained hat sich mit dem Abwehrtalent William Pacho beschäftigt und festgestellt, dass dieser alle Anlagen für das moderne Spiel eines Abwehrspielers mitbringt: Dynamik, offensives Verteidigen und Stärken im Spiel mit dem Ball.

Daten – William Pacho:

  • Geburtsdatum- und Ort: 16.10.2001, Ecuador
  • Größe und Gewicht: 1,86 Meter, 81 Kilogramm
  • Starker Fuß: Links
  • Marktwert: 2,5 Mio.
  • Spielerberater: Kancha Agency
  • 15/15 Liga-Spiele „Serie A Primera Etapa“ über volle Distanz bestritten
  • 10/10 Spiele in der Südamerikanischen „Champions League“ – „COPA LIBERTADORES“ über die volle Distanz bestritten.

Analyse – William Pacho:

Die Spielstärke

William Pacho ist ein Verteidiger, der in der abgelaufenen Saison alle Spiele über die volle Distanz absolviert hat. Dabei kam das Talent jeweils in einer 3er- sowie 4er-Kette zum Einsatz. Meist als linker, aber auch als zentraler Innenverteidiger in der 3er-Kette.

Der Links-Fuß überzeugt mit seiner Spieleröffnung. Pacho spielte je 90 Minuten 64,39 Pässe und hat dabei eine erfolgreiche Passquote von 91,31%. Zum Vergleich: Sven Bender hat als passsicherster IV der abgelaufenen Saison, eine Quote von 93,46%, hat dabei aber deutlich weniger Pässe nach vorne gespielt.

Beim Ecuadorianer fällt die offensive Ausrichtung seiner Pässe auf. William Pacho spielte in der abgelaufenen Saison 8,42 Pässe in das letzte Spieldrittel, mit einer angekommenen Quote von 71,77%. Matthias Ginter, der in der Bundesliga bekannt für seine „linienbrechenden Pässe“ ist, hat 8,36 Pässe (Quote: 71,5%) in das Angriffsdrittel gespielt.

Dabei glänzt der 19-Jährige mit verschieden Stilmittel:

Seitenverlagerungen, die diagonal zum ballentfernten Flügelspieler kommen, sind z.B. ein Mittel.

Abbildung 1: Seitenverlagerung von Pacho; Wyscout
Abbildung 2: Seitenverlagerung von Pacho; Wyscout

Aber auch Chipbälle, die hinter der letzten Kette ankommen, hat William Pacho drauf:

Man erkennt, auf welcher Höhe der Innenverteidiger angespielt wurde. Mit Ball traut er sich den freien Raum vor sich anzudribbeln, um dann im richtigen Timing den Chipball zu spielen.

Abbildung 3: Anspielsituation Pacho; Wyscout
Abbildung 4: Pacho´s Chipball hinter die Abwehrkette; Wyscout
Abbildung 5: Pacho´s Chipball vom Stürmer verarbeitet; Wyscout

Offensives Verteidigen

Der Linksfuß aus Ecuador hat ein „offensives Verteidigungsdenken“, welches Adi Hütter sicherlich gefallen würde. In Frankfurt forderte er von seinen drei Innenverteidigern immer wieder offensives Antizipieren der Passwege, um vor dem Gegenspieler an den Ball zu kommen. Genau dieses Muster zeichnet Pacho in seinem Verteidigungsstil aus.
Er ist bedacht, den Ball vor Annahme des Gegenspielers zu gewinnen, um einen darauffolgenden Zweikampf erst gar nicht zu ermöglichen.

In der folgenden Szene spielte der Gegenspieler (in hellblau) einen Pass ins Zentrum.

Abbildung 6: Pacho´s Antizipation Teil 1; Wyscout

Als der Ball im Zentrum beim Mitspieler ankam, antizipierte Pacho den direkten Pass, im ersten Kontakt, auf den Stürmer.

Abbildung 7: Pacho´s Antizipation Teil 2; Wyscout

Durch seine frühe Antizipation, hatte der Ecuadorianer den zeitlichen Vorteil, um vor dem Gegenspieler an den Ball zu kommen. Somit gelang dem 19-Jährigen der Ballgewinn.

Abbildung 8: Pacho´s Antizipation Teil 3; Wyscout

Auch in einer anderen Szene ist das Muster deutlich zu verfolgen:

Abbildung 9: Erneutes Antizipieren v. Pacho; Wyscout
Abbildung 10: Ballgewinn v. Pacho; Wyscout

Die Verteidigung der Tiefe

William Pacho hat neben seiner offensiven Antizipation auch das Verständnis, wann er sich zurückfallen lässt, um die Tiefe des Gegners unter Kontrolle zu haben. Dafür erkennt er gefährliche Situationen und agiert dementsprechend.

In einer Szene erkannte das Abwehrtalent – nach dem Doppelpass des Gegners auf den Außen, dass der freie Raum hinter dem Rücken des Mitspielers zu groß ist.

Abbildung 11: Pacho´s Verteidigen der Tiefe Teil 1; Wyscout

Pacho lief den Raum zu und sicherte die Tiefe des Gegners.

Abbildung 12: Pacho´s Verteidigen der Tiefe Teil 2; Wyscout

Im richtigen Timing fand Pacho noch das Tackling für den Ballgewinn.

Abbildung 13: Pacho´s Verteidigen der Tiefe Teil 3; Wyscout

Defensivstatistiken – eine hohe PAdj Abfangquote (Possession-adjusted)

Die defensiven Statistiken sind nicht ganz so einfach einzuordnen, denn die Logik zum Anpassen der Defensivstatistik ist folgende: Die Verteidiger können nur dann einen defensiven Beitrag leisten, wenn sie nicht in Ballbesitz sind. Wenn man also nach hohen Defensivwerten sucht, trifft man normalerweise nur auf die Verteidiger, dessen Mannschaft ihren Spielfokus auf die defensive Arbeit, statt dem Spiel mit Ball fokussiert haben.
Verteidiger, die von einer ballbesitzstarken Mannschaft dominiert werden, sind zu mehr Aktionen gezwungen (Abwehrduelle, Abfangen, Tacklings, usw.). Die Verteidiger von ballbesitzbasierten Teams machen natürlich weniger defensive Aktionen.

Das Team CSD INDEPENDIENTE DEL VALLE, in der William Pacho in der abgelaufenen Saison spielte, hatte über die Saison hinaus ca. 63,36% Ballbesitz.

Ansonsten hat William Pacho eine solide gewonnene Zweikampfquote von 64,89% und pendelt sich in eine Reihe ein, mit Matthias Ginter (65,93%), Jerome Boateng (65,29%), Kevin Schlotterbeck (64,96%), Emre Can (64,86%) und N´Dicka (64,68%).

Auffällig ist jedoch, die Quote der abgefangenen Bälle. Dabei entwickelte Wyscout ein System, welches die reine Ballbesitzzeit des Gegners in Betracht zieht und somit eine Formel entwickelt, die sich auf abgefangene Bälle pro gegnerischer Ballbesitzdauer fokussiert.

Als Beispiel: Im Spiel AFC Bournemouth – Manchester City (0:1, 2. März 2019) hatte ManCity 80 % Ballbesitz (42:37 reine Ballbesitzzeit), während Bournemouth nur 20% (10:35 reine Ballbesitzzeit) hatte.

Aké, der das gesamte Spiel für Bournemouth spielte, hatte 10 abgefangene Bälle. Sein PAdj-Abfangwert wäre: 10 / 42,5 * 30 = 7,06.

Walker, der das gesamte Spiel für Man City spielte, hatte 5 abgefangene Bälle. Sein PAdj-Abfangwert wäre: 5 / 10,5 * 30 = 14,3.

Während Walker nur die Hälfte der abgefangenen Bälle von Aké machte, erhöht der große Unterschied im Ballbesitz, seinen Wert um das Doppelte.

William Pacho hat hierbei einen PAdj-Wert-abgefangene-Bälle von 7,71. In der deutschen ersten Bundesliga ist dies im oberen Drittel des Rankings!

Der hohe Wert der abgefangenen Bälle ist ein weiteres Indiz dafür, wie stark William Pacho antizipiert.

Abbildung 14: Pacho im Vergleich mit den Innenverteidigern der BuLi im PAdJ-Abfang-Bereich; Wyscout
Abbildung 15 Pacho im Vergleich mit den Innenverteidigern der BuLi im PAdJ-Abfang-Bereich; Wyscout

Fazit: Mit William Pacho würde die Borussia einen jungen Innenverteidiger bekommen, der sicherlich – trotz seiner guten Spielanlagen – Zeit benötigen würde. Das Tempo ist zwar vor allem in der COPA LIBERTADORES nicht zu unterschätzen, dennoch herrscht in der Bundesliga nochmal ein anderes Spieltempo, auch ein körperlicher robusterer Stil. Selbstverständlich würde der 19-Jährige auch mit anderen Stürmerkalibern in Kontakt geraten, als er es bisher in Ecuador hatte, aber die Spielanlagen, die vor allem Adi Hütter primär von seinen Abwehrleuten sehen will, hat William Pacho definitiv. Gerade der Aspekt, dass er Links-Fuß ist und dabei sehr spielstark erscheint, macht ihn für die Zukunft sehr interessant. Das finanzielle Thema scheint ebenfalls kein allzu hohes Risiko zu sein, wenn man den Medien Glauben schenken darf, ist mit einer Ablöse von bis zu 3 Mio. Euro zu rechnen.

Schreibe einen Kommentar