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Warum Robin Gosens Portugal solche Schwierigkeiten bereitet hat

2. Spieltag der Gruppe F. Deutschland bezwingt Portugal in einem hochattraktiven Fußballspiel mit 4:2 und hat nun das Weiterkommen, auf mind. Platz 2, in der eigenen Hand. Warum Robin Gosens ein elementarer Grund war, dass Deutschland diesen wichtigen Sieg einfahren konnte, erfahrt ihr hier.

2. Spieltag der Gruppe F. Deutschland bezwingt Portugal in einem hochattraktiven Fußballspiel mit 4:2 und hat nun das Weiterkommen, auf mind. Platz 2, in der eigenen Hand. Warum Robin Gosens ein elementarer Grund war, dass Deutschland diesen wichtigen Sieg einfahren konnte, erfahrt ihr hier.

Grundordnungen beider Teams:

Deutschland:

Abbildung 1: Grundordnung Deutschland

Portugal:

Abbildung 2: Grundordnung Portugal

Offensivstats:


Abbildung 3: Offensivstats von Wyscout

Heatmap vs. Portugal:

Abbildung 4: Heatmap Robin Gosens vs. Portugal

Robin Gosens war ein Hauptbestandteil des gestrigen Offensivspiels. Im Gegensatz zum ersten Gruppenspiel gegen Frankreich, schaffte es die DFB-Elf nun öfter den gefährlichen Flügelverteidiger im letzten Spieldrittel zu finden. Das lag a) an der besseren Raumaufteilung der Offensivleute (Havertz und Müller) und b) verteidigte Portugal im Flügelspiel nicht so zuverlässig wie Frankreich. Die Außenverteidiger Portugals (Semedo und Guerreiro) wurden regelmäßig von den Flügelspielern Silva und Jota alleine gelassen. Das nutzte Robin Gosens aus.

Das aberkannte Abseits-Tor in der 5. Spielminute ließ seine Stärken bereits aufblicken:
Tiefgang, ein Gefühl für die Box und die entsprechende Torgefahr.

Portugals Rechtsverteidiger musste in dieser Situation entweder weiter nach außen rücken, oder Flügelspieler Silva hätte den Weg konsequenter mit Robin Gosens mit gehen müssen. Die Problematik im Raum zwischen den Außenverteidiger und Flügelspieler, hatte Portugal immer wieder über die 90 Minuten. Ein Geschenk für Gosens.

Abbildung 5: Robin Gosens in der 5. Spielminute beim Abseits-Tor

Beim Ausgleichstreffer (EG Ruben Dias 35´) ließ sich das Problem der Portugiesen erneut beobachten. Es entstand wieder ein großer Raum, den Semedo durch sein zu zentrallastiges Verteidigen hergibt. Damit lädt man einen Robin Gosens förmlich ein. Wie er die Wege immer wieder suchte und fand, waren sehr stark. In dieser Form ist er seit der Spielzeit 19/20 unverzichtbar für Atalanta Bergamo, mit dem er seitdem im Schnitt 20 Scorerpunkte pro Saison sammelt.

Kimmichs punktgenaue Spielverlagerung sorgte dafür, dass der einlaufende Gosens den Ball mit einem Kontakt gefährlich in den 5-Meter-Raum bringen konnte. Die Hereingabe von Gosens kam mit Wucht und in dieser Form sind solche Bälle immer gefährlich.

Abbildung 6: Robin Gosens beim Ausgleichstreffer 1:1

In der Halbzeit nahm Fernando Santos den nach hinten schwacharbeitenden Silva raus und brachte dafür Renato Sanches ein. Er versprach sich durch den defensiven 6er mehr Dichtheit auf der rechten Abwehrseite. Doch der Effekt verpuffte ebenso, als Gosens beim 3:1 erneut in den Strafraum durchdrang.

In der 51. Spielminute führte die deutsche Nationalmannschaft einen Angriff aus dem Bilderbuch aus. Alle grundlegenden Themen waren hier gegeben. Freilaufbewegungen, Kreuzbewegungen, 1-Kontakt-Spiel, vertikales Spiel und Tiefenläufe. Das verursachte, dass die Portugiesen nie einen Zugriff auf die Offensivaktion der Deutschen hatten.

Müller und Kimmich machten den Anfang, lösten den Raum mit jeweils einem Kontakt auf.

Abbildung 7: Entstehung 3:1 – Thomas Müller und Joshua Kimmich im Zusammenspiel

Durch das Freilaufen von Müller in der Aktion, schaffte es die Elf von Jogi Löw auf die eigene linke Angriffseite zu verlagern.

Des Weiteren zog Serge Gnabry (10) mit dem Lauf in die Tiefe Verteidiger Semedo (2) auf sich, sodass Gosens noch mehr Raum bekam.
Robin Gosens suchte wieder mal den tiefen Lauf in die Box, Müller hat die Fähigkeiten den Ball sauber genug an den Mann zu bringen, um Gosens wieder den ersten Kontakt zu ermöglichen.

Abbildung 8: Robin Gosens beim 3:1 – Zuspiel von Thomas Müller

Gosens nutzte den ersten Kontakt, brachte den Ball wieder präzise in den 5-Meter-Raum und für Havertz war der Ball reine Formsache. Die Portugiesen verteidigten die Situation auch wirklich mangelhaft. Wenn man beobachtet, wo Semedo (2) und der eingewechselte Renato Sanches (16) stehen, ist es unerklärlich. Vor allem, weil Robin Gosens bereits in der ersten Hälfte frei aufspielte.

Das 4:1 durch den bärenstarken Flügelverteidiger deutet nochmal daraufhin, wie stark er die Box interpretiert. Er scheut sich nicht, bis an die Grundlinie hinein zu laufen. Durch das Erkennen von Räumen gelingt es ihm immer wieder, frei anspielbar zu sein. Vorher durch vertikales flaches Spiel auf der linken Seite und beim Tor durch Positionierung als Empfänger der Flanke zum Tor.

Abbildung 9: Robin Gosens Tor zum 4:1

Bereits gegen Frankreich war Robin Gosens einer der, die es immer wieder versuchten, gefährlich im letzten Drittel zu werden. Im Spiel gegen Portugal belohnte er sich durch sein intensives Spiel in alle Richtungen. Robin Gosens kann einer werden, der nach der EM tatsächlich einen Wechsel zu einem noch höheren Club als Atalanta Bergamo vollzieht. Bei solchen Leistungen stehen ihm wohl einige Türen offen, die er selber erstmal auch nicht schließen möchte:
Dass man durch so eine Leistung auf den Bildschirm anderer Mannschaften gerät, kommt sicher mal vor. Das schauen wir uns dann aber mal in Ruhe nach der EM an. Jetzt liegt der Fokus voll auf dem Turnier, wir wollen so weit wie möglich kommen.“

Und der Fokus auf die EM soll so lange wie möglich noch anhalten…

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