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Warum die geführte Intensität gegen Mainz auf den Schultern des fehlenden Offensivspiels lastet

Max Eberl sagte nach dem Remis in Mainz (1:1):
Wir haben die hohe Intensität der Mainzer mitgehalten und das ist für uns schon eine Entwicklung. Dagegenzuhalten haben wir in der Vergangenheit oft nicht geschafft. Deswegen haben wir verdient mit 1:0 zur Halbzeit geführt.“

In der nun folgenden BorussiaExplained Analyse, gehe ich auf die angesprochene Intensität ein, und stelle einen Zusammenhang mit dem fehlenden Offensivspiel her.

Thema: Wieso kam es dazu, dass die Borussia so intensiv gegen den Ball spielen musste?
Geplant oder verschuldet? Nach der Reihe.

Zunächst der Blick auf die Daten:

Laufbereitschaft: 119,12 km – 115,2 km (Quelle: Kicker.de)
Sprints: 222 – 228 (Bundesliga.de)
Zweikampfquote: 47% – 53% (Quelle: Kicker.de)

Die ersten Daten belegen, dass die Elf von Adi Hütter tatsächlich in Puncto ´Intensität´ mithalten konnte. Zwar ist man ca. 4 km weniger gelaufen, doch dafür konnte der VfL mehr Sprints absolvieren als der Gegner.
Auch die Zweikämpfe konnte man in Überzahl für sich gewinnen.

Nun lässt sich das Fazit schnell ziehen, dass die Borussia der Intensität nachgegangen istt, und solche Spiele annimmt.
Die Art und Weise, wieso sie so intensiv spielen mussten, ärgert einen, da man im Auswärtsspiel in Mainz, vom spielerischen einiges hergegeben haben.

Die Borussia hatte eine positive Zweikampfquote von 53%. Allerdings lässt sich in folgender Grafik erkennen, dass diese in der hinteren Spielfeldzone hauptsächlich stattgefunden haben.
Die meisten Zweikämpfe wurden im eigenen Spieldrittel geführt, weil die Fohlenelf immer wieder tief eingeworfen wurde, sodass diese viel mehr Zweikämpfe im eigenen Drittel führen mussten, als der Gegner in ihrem.

Abbildung 1: Zweikampfführungen der Borussia aus der ersten HZ
Abbildung 2: Zweikampfführungen der Mainzer aus der ersten HZ

Auch PPDA-Werte zeigen, dass die Borussia im Angriffsdrittel nicht zu Zweikämpfen kam.
Selten hatte die Borussia in dieser Saison einen höheren (also schlechteren) PPDA-Wert (z.B. in Augsburg 7.6, gegen Dortmund 10.2, in Wolfsburg 8.7).

Der PPDA Wert sagt aus, wie viele Pässe der gegnerischen Mannschaft zugelassen werden, ehe es zu einer defensiven Aktion (Zweikampf, Grätsche, Abfangen eines Balles, Foul, usw.) kommt.

Mit 13.4 (in der zweiten Halbzeit 19.2 (!)) lässt sich ablesen, dass die Borussia vorne nicht in die Zweikämpfe kam. Vor allem in den letzten 15 Minuten, hatte die Borussia überhaupt keinen Zugriff mehr, als man im Schnitt 41 gespielte Pässe des Gegners zuließ.

Abbildung 3: PPDA Werte beider Teams; Wyscout

Warum kam die Borussia nicht in offensivere Positionen, um höhere Ballgewinne zu erzielen?

Als die Borussia in der ersten Halbzeit noch öfter mit bisschen mehr Zeit am Ball aufbauen konnte, schaffte man es noch in gewohnter Manier über das Kurzpassspiel zu eröffnen.
Auch, weil die Mainzer in der zweiten Hälfte, früher und noch intensiver anliefen, musste die Borussia deutlich öfter den langen Ball schlagen, sodass sich der prozentuale Anteil an langen Pässen zur ersten Halbzeit auf 12% verdoppelte.

Abbildung 4: Anteil an lang-gespielten Pässen beider Teams; Wyscout

Im Auswärtsspiel in Wolfsburg hatte man sogar 13% lang-gespielte Bälle. Der Unterschied zum jetzigen Auswärtsspiel war, dass diese sehr gewollt und präzise gespielt wurden, sodass die Positionierungen rund um eine Ablage des Stürmers Breel Embolo, auch gegeben waren.

Das war in Mainz deutlich zu erkennen, dass diese nicht immer gewollt gespielt wurden, weil Marcus Thuram sehr weite Bälle bekam, und selbst wenn diese ankamen, dieser kaum Möglichkeiten für Ablage zu Mitspielern hatte.

Beispiel:
Ginter schlug in der 49. Spielminute – notgedrungen, weil Mainz hoch und mannorientiert anlief – einen langen Ball aus der ersten Kette, den Thuram als Zielspieler ausmachte.

Abbildung 5; Wyscout

Man sieht, dass der Ball auf Brusthöhe kam, Thuram aber mit einem tiefer gespielteren Ball gerechnet hatte. Das die Abstimmung mit einem lang-ausgefallenen Spieler noch nicht zu 100% funktioniert, ist okay.

Das Problem an diesem Abend war aber vor allem der Abstand des Zielspielers und dem nächsten ballnahen Mitspieler zur Ablage.
Durch den großen Abstand war Thuram gezwungen, den Ball festmachen zu müssen. Das allerdings oft gegen zwei Innenverteidiger, oder einem gescheiterten Versuch, den langen Ball zu erlaufen. 

Abbildung 6; Wyscout

Auch in folgender Szene, aus der 54. Spielminute, wird deutlich, wie ausbaufähig die Positionierungen rund um den langen Ball waren.

Wieder der Abstimmungsfehler zwischen Bensebaini und Thuram. Der eine spielt den Ball auf Brusthöhe, zur Abnahme, der andere möchte den tiefen Ball.
Auch hier: Selbst, wenn Thuram es geschafft hätte, diesen Ball anzunehmen, so wäre die Ablage wieder nicht möglich gewesen. So wie in der vorherigen Situation, ist auch hier ist der Abstand zu allen anderen Mitspielern zu groß.
Luca Netz sah in seiner Positionierung relativ ballnah aus, was allerdings täuscht, da er in seiner Bewegung bereits zum Pressing angesetzt hatte.

Abbildung 7; Wyscout
Abbildung 8; Wyscout

Fazit

Ja, die Borussia nahm die Intensität an und ging diese weitgehend mit.
Doch inwiefern hatte das mit dem Verschulden der Offensive zu tun? Wie ich finde, eine Menge!
Die angesprochenen Abstimmungsfehler zwischen Thuram und den jeweiligen Verteidiger/Passgeber wurden angesprochen, doch auch die Problematik, sich rund um den zweiten Ball zu positionieren.

Die fehlenden Lösungen gegen das höher-anlaufende Mainz, haben gefehlt.
Die Problematik des „Festmachens“ der langen Bälle, sind auch gegen Bochum vergangene Woche aufgefallen, da hatte allerdings Thuram UND Embolo gleichzeitig auf dem Feld.
Dass die Borussia nicht nur spielerisch rausspielen kann und möchte, ist legitim, und tatsächlich manchmal nicht anders lösbar, als den langen Ball zu spielen.
Doch an den eben genannten Problemen sollte man schnellstmöglich arbeiten, denn die Folge von schwachen langen gespielten Bällen, sind das Aufsammeln dieser und der dadurch entstehenden Angriffswellen des Gegners.

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