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Spielanalyse: FCA – BMG 1:0

Gutes Spiel, bis zum letzten Spieldrittel. Dann wurde es ungefährlich. Im eigenen Defensivverhalten solide und kaum Fehler gemacht. Ein Individueller Fehler führte zum Gegentor und somit zur dritten Niederlage, im dritten Auswärtsspiel. Erinnert stark an das Spiel bei Union Berlin. So sah es über weite Strecken auch aus.

Das Aufbauspiel

Die Borussia agierte flexibel im Aufbau. Zeitweise baute man in einer flachen 4er-Kette auf. Zwischendurch kippte Beyer in die Kette von Ginter und Elvedi ab, Scally schob hoch, dann sah es nach einer 3er-Kette, bzw. einer asymmetrischen 4er-Kette aus.

Abbildung 1

Als die Borussia mit drei Mann aufbaute, hatte man auf der ersten Linie genug Ballsicherheit, doch im Zentrum meist ein Unterzahlspiel.

Abbildung 2

Neuhaus und Zakaria waren im Missmatch, gegen die 3er-Kette im Zentrum, mit Caligiuri, Dorsch und Hahn. Daher weichte die Borussia auf die Außen, und startete da oft ihre Spieleröffnung.
Meist geschah diese auf der linken Seite der Borussia, in Person von Elvedi und Scally.

Abbildung 3

Denn auf der rechten Seite wurde Beyer – egal auf welcher Spielfeldhöhe – bei Zuspiel sofort vom LAV Iago gepresst, sodass dieser immer wieder abdrehen musste, um neu aufzubauen.

Abbildung 4

Jordan Beyer war für den FCA das Pressingsignal, wenn dieser angespielt worden ist. Dazu passt die Statistik, dass Jordan Beyer der meistgepresste Gladbach-Spieler war (33x).

Als die Borussia, wie eben erwähnt, auf den Außen eröffnete, versuchten diese auf der linken Seite zu überladen. Auch, weil Hahn (als rechter 8ter im 5-3-2) sich immer wieder früh rauslocken ließ und Elvedi im Ballbesitz anlief. So entstand oft ein 2-gg-1-Überzahlspiel mit Scally und Netz gegen Augsburgs RAV Framberger.

Abbildung 5

Spiel im Mittelfeld

Die Fohlen bauten immer wieder über die Außen auf, und versuchten dort die Spieleröffnung weiter voranzutreiben.

So konnte man zu Beginn des Spiels zwar Dorsch, Caligiuri und Hahn raus locken und direkt in der 3. Minute tiefes Spiel forcieren.

Beyer konnte mit dem Zuspiel an Zakaria den mittleren 6er der Kette rauslocken, sodass im Zentrum ein Loch entstand.

Abbildung 6

Dieses bespielte Beyer und fand Plea im Zentrum.

Abbildung 7

Durch einfaches Klatsch-Steil-Spiel von Plea und Stindl, fand man in der Szene die Tiefe.

Abbildung 8

Wäre der erste Kontakt von Plea sauber gewesen, so wäre das direkt die erste Großchance für die Fohlenelf gewesen.

Abbildung 9

Die Folge dessen war, dass Augsburg sich noch tiefer fallen ließ, um das Zentrum nicht nochmal so herzugeben.

So liefen die Stürmer Vargas und Zeqiri die 6er Zakaria und Neuhaus in eigener Hälfte, immer wieder mit an, sodass Dorsch (gelb markiert) sich nicht mehr rauslocken ließ.

Abbildung 10

Die Borussia konzentrierte sich im Aufbau immer mehr auf die eigene linke Seite.
Wie eben beschrieben, überladeten Scally und Netz die linke Seite, um Anspielsituationen zu kreieren.
So schaffte es die Borussia immerhin ein paar Mal auf die rechte Seite zu verlagern, um eine Art Torgefahr zu erzeugen, die leider kaum bis gar nicht erfolgte.

Abbildung 11
Abbildung 12

Die Elf von Adi Hütter konnte die Ausbrüche am rechten Flügel selten nutzen. Mal scheiterte es an der Flanke, mal an der Boxbesetzung. Insgesamt war die Power im letzten Spieldrittel nicht genug, um echte Torgefahr zu erzeugen.

Die Boxbesetzung war gegen Bielefeld gut und sorgte für die Tore, um das Spiel zu gewinnen. In diesem Bereich ließ die Borussia wieder, gegenüber dem vorherigen Spiel, nach.

In folgenden Beispielen war die fehlende Boxbesetzung zu beobachten. 1-2 eigene Spieler gegen teilweise 5-6 gegnerische Spieler der Box reichen nicht aus, um Torchancen nach Hereingaben zu erzwingen.

Abbildung 13
Abbildung 14

Wenn die Boxbesetzung mal stimmte, fehlte es deutlich an Präzision der Hereingaben, die regelmäßig im Seitenaus auf der anderen Seite wieder zu finden waren, wie z.B. in der 12. Abbildung. Vor allem hatte Patrick Herrmann einige Möglichkeiten für Flankenhereingaben, die er ungenutzt ließ.

Zu selten ins Gegenpressing gekommen, um echte Druckwellen zu erzeugen

Die Borussia schaffte es kaum, im letzten Spieldrittel gefährlich zu werden. Das lag auch an der tief- und kompaktstehenden Heimmannschaft. Auch ließ sich der FCA nicht oft auf Gegenpressing-Momente ein und schlug viele lange Bälle. 22% ihrer Pässe waren in Form von langen Bällen.

Abbildung 15

Die Elf von Adi Hütter schaffte es nicht, ihre Drehzahl an Angriffen wirklich hochzuhalten und anzukurbeln. Die Borussia hatte in der ersten Halbzeit nur 0,17 Balleroberungen pro Minute. Diese verzeichneten sich meist in tiefen Spielfeldbereichen, in der letzten Kette der Fohlen.

Abbildung 16

Denn, wenn die Mannschaft es schaffte ins Gegenpressing zu kommen, so gab es Potenzial für Torgefahr.
Ginter spielte einen Fehlpass, den Oxford abfangen konnte.

Abbildung 17

Die Borussia versuchte aggressiv nachzusetzen und schaffte den Ballgewinn. Erfolgreiches Gegenpressing hat immer den Vorteil, den Gegner in Unordnung zu erwischen.

Abbildung 18

So war der LAV Iago im angeblichen Umschaltspiel vorgerückt, der dann beim Ballverlust weit fehlte. Den Raum konnte Herrmann nutzen.

Abbildung 19

Doch es scheiterte an der Boxbesetzung, siehe Abbildung 14 (Anschlusskation an Abbildung 19).

Die zweite Halbzeit

Adi Hütter wechselte in der Pause und brachte Hannes Wolf für Luca Netz. Die Statik veränderte sich ein wenig. Wolf rückte in den Halbraum, Scally schob weiter nach außen.
Auch Beyer stand nun höher, sodass Ginter und Elvedi das Duo im Aufbau bildeten.

Beim Abseitstor der Borussia in der 50. Minute, zeigte das Einrücken von Herrmann (weil Beyer die Breite besetzte) Wirkung.

Abbildung 20

Im Zentrum entstand ein 4-gg-4, welches Neuhaus, Herrmann, Stindl und Plea gut ausspielten. Von diesen Szenen gab es deutlich zu wenig.

Auch im Gegenpressing wurde es in der 2. Hälfte zwar insgesamt besser, aber nicht gut genug. Der bessere Wert in Abbildung 16 wird deutlich angehoben, durch die letzte Viertelstunde, als die Borussia zurücklag und deutlich offensiver agierte und Augsburg kaum noch Entlastung hatte.

Für die zweite Halbzeit gilt dasselbe, wie für die erste. Wenn man ins Gegenpressing kam, hätte es mit einer besseren Boxbesetzung gefährlich werden können.

Plea setzte nach Ballverlust nach, gewann den defensiven Zweikampf und eroberte den Ball.

Abbildung 21

Plea und Zakaria lösten den Raum gut auf, letzterer sah Herrmann durchstarten, weil der aufgerückte LAV hinten wieder fehlte.

Herrmann bekam zwar den Ball und lief in die Box, doch nur Stindl besetzte annährend die Zone rund um die Box, sodass auch dieser Konter nach Ballgewinn verpuffte.

Abbildung 22
Abbildung 23

Spiel gegen den Ball

Die Borussia spielte ein solides Spiel gegen den Ball. Man ließ aus dem Spiel heraus keine Chance zu, bis es mit dem ersten Schuss auf das Tor von Yann Sommer, klingelte. Die Borussia war im defensiven Umschaltspiel gut geordnet. Hatte die Sprintbereitschaft nach eigenen Standards oder Ballverlusten, hinter den Ball zu kommen.

Abbildung 24
Abbildung 25
Abbildung 26
Abbildung 27

Auch im Zustellen im Mittelfeld war es besser. Im Leverkusen Spiel gab es einige Lücken zwischen den Ketten, die es nun kaum noch gibt. Jenes hat auch was mit der Person Zakaria zu tun, der eine gute Zustellung hat.

Abbildung 28

Individueller Fehler sorgt erneut für Gegentor

Nico Elvedi war es, der den langen Ball von Gouweleeuw unterschätzte und somit Vargas und Niederlechner das Zusammenspiel in der Box ermöglichte. Ein klarer individueller Fehler, wegen eines langen Balles, der eigentlich überhaupt keine Gefahr ausstrahlte.

Auch kann man sich darüber streiten, ob einer der Innenverteidiger (Ginter o. Elvedi) den Rückraum besser im Blick haben müsste.

Ginter wollte zunächst Vargas anlaufen, sah dass Elvedi dies aber schon im Sprint versuchte, und setzte sich wieder ein wenig ab. In dem Tempo ist es zwar schwierig, aber machbar zu erkennen, dass der Rückraum frei war, in den Niederlechner stößt.

Abbildung 29

Fazit

Die Borussia spielte wieder eine Partie, von der man dachte, dass diese in der Art und Weise eigentlich nicht mehr passieren könnte. A), weil man bereits diese Art von Spiel bestritt (bei Union Berlin – 2:1 Niederlage), und b), weil man gegen Bielefeld eigentlich schon an ein paar Stellschrauben gedreht hatte.
Die Boxbesetzung ist ein elementares Thema, wenn Mannschaften wie Augsburg und Co. die Defensive zur Chinesischen Mauer erklären. Das Spiel gegen Bielefeld war sicherlich kein Zuckerschlecken über 90 Minuten, doch ein Fortschritt gegenüber dem Spiel in Berlin.

Die Statistik der Ballbesitzphasen, in der es eine Mannschaft schaffte, diesen in den gegnerischen Strafraum zu praktizieren, verdeutlicht das beschriebene Problem der Borussia:

34:39 Ballbesitz-Minuten zu 17:06 Minuten für die Fohlenelf standen gegenüber. 108 Ballbesitzphasen, in denen 76-mal die gegnerische Hälfte erreicht wurde und lediglich 14-mal die Box des Anderen. Der FCA, der deutlich weniger Minuten im Ballbesitz hatte, schaffte es sogar 1-mal mehr (insgesamt 15-mal), in die Box der Fohlen zu gelangen.

Abbildung 30

Die Konstanz ist das Stichwort, das Erarbeitete auch als erarbeitet anzusehen und nicht zum erneuten Thema zu machen.

Der Elf von Adi Hütter muss es gelingen ihr Stempel deutlicher aufzudrücken. Das Gegenpressing ist eines, welches sich diese Saison kaum entwickelte. Man hört aus Interviews, dass man unter dem Österreicher das Umschaltspiel weiter fokussieren möchte. Das Gegenpressing ist der absolute Baustein für dieses. Vereinzelt gab es Momente, Balleroberungen, die auch bis rund um die Box bespielt wurden. Thema Boxbesetzung mache ich an dieser Stelle nicht erneut auf.

Die individuellen Fehler machen zudem das wirklich solide Spiel gegen den Ball zu Nichte. Die Borussia ließ quasi nichts zu und fängt sich dennoch das Tor. Es ist bitter, wie man sich derart selber bestraft. Im Artikel in der Spielanalyse gegen Arminia Bielefeld war dies schon ein größeres Thema. Gegen den BVB und VfL Wolfsburg hat die Mannschaft die Chance, es besser zu machen, ehe die Länderspielpause sich meldet.

*Alle Abbildungen sind von der Scoutingplattform Wyscout

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