Nachanalyse: Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 2:1

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Unterschiedlicher können zwei Halbzeiten nicht sein. Die erste HZ war geprägt von Fehlern in der letzten Kette, fehlenden Möglichkeiten in Zweikämpfe zu kommen, offensiven Ideenlosigkeiten und vielen guten Chancen des Gegners. Die 2. HZ hingegen verlief dann ganz anders. Ein Grund dazu war die Umstellung der Formation von 4-2-3-1 auf ein 3-4-3. Die Borussia hatte endlich Zugriff, Ballgewinne und die Kontrolle über die gegnerische Tiefe!
Warum die Systemumstellung der Gamechanger in diesem Spiel war, erläutere ich euch gerne im Laufe meiner Analyse zum gestrigen Spiel.

Grundordnungen beider Mannschaften

BMG: Mit und gegen den Ball war es in der ersten Halbzeit wie gewohnt ein 4-2-3-1. Ramy Bensebaini war Gelb-gesperrt und durch Oscar Wendt ersetzt worden. Jordan Beyer erhielt den Zuschlag für die IV Position, da sich Nico Elvedi kurzfristig verletzte. Hannes Wolf durfte für Jonas Hofmann in die Startelf.

SCF: Der SC Freiburg spielte zuletzt öfter die 4-4-2 als Grundordnung. Doch auch das 3-4-3 wurde bereits in der laufenden Saison gespielt. So auch gestern:
Mit Ball orientierte sich die Mannschaft, wie bereits erwähnt, in einem 3-4-3:

Im Spiel gegen den Ball verschob sich die Formation etwas defensiver in einem 5-4-1, respektive 5-2-3, je nachdem wie hoch Höler und Sallai standen:

Die 1. Halbzeit – Kein Zugriff auf den Gegner

Die Freiburger schafften es, uns immer wieder Probleme in der letzten Verteidigungskette zu bereiten.
Das hatte seine Gründe, angefangen beim Gegentor in der 10. Spielminute:
Durch das breite 3-4-3 hatte Freiburg im Spielaufbau einen Mann mehr auf den Außen. Das machte sich bemerkbar, als bspw. Gulde den Ball am Fuß hatte und Thuram anfing zu pressen. Der Raum zwischen Thuram und Wendt und auf der anderen Seite Wolf und Lainer waren zu groß. Borussias Außenverteidiger Wendt und Lainer konnten dadurch gar nicht rechtzeitig nachschieben.

Günter hatte viel Raum, Lainer konzentrierte sich eher auf den Ball. Höler, Demirovic und Sallai hingegen konnten Tiefe erlangen.

Jordan Beyer versuchte auf Abseits zu spielen, Oscar Wendt stand dafür aber zu tief, versuchte dennoch im letzten Moment den Schritt nach vorne zu machen. Gelang leider nicht. Somit entstand dann die Situation, dass Demirovic und Sallai frei auf Sommer zulaufen konnten.

Weitere Chancen im selben Muster für die Freiburger

Der SCF hatte in dem Muster noch zwei weitere Chancen, die zum Tor hätten führen können.

Auch hier versuchte Wendt den großen Raum hinter Thuram zu schließen und nachzuschieben, das gelang nicht, weil a) der Ball vom Torwart sehr präzise gespielt wurde und b) die Lücke zwischen Thuram und Wendt zu groß war.

Schmid konnte den Ball in einem Kontakt weiterleiten. Dort stand Flügelspieler Sallai.

Der Raum für Sallai war riesig. Jordan Beyer musste rausrücken, hinter ihm entstand dadurch noch mehr Raum und Platz für den Gegner.

Hier zu sehen: ein einfacher Ball hinter die Kette, wo Höler eingelaufen war. Selbst den Ball zum Flügelverteidiger Schmid hätte er, im Raum hinter Jordan Beyer, bespielen können.

Auch die dritte Chance verlief erneut so:

Thuram griff Rechtsinnenverteidiger Lienhart an, Wendt konnte nicht rechtzeitig nachschieben und wieder entstanden Lücken und große Räume für die Freiburger.

Sallai und Demirovic konnten die Aktion jeweils mit einem Kontakt lösen. Jordan Beyer sah nicht gut aus, weil er sich zwischendurch am Ball orientierte, statt den Laufweg mit Sallai weiter aufzunehmen. Sallai lief alleine auf Sommer zu.

Formationsumstellung auf 3-4-3 brachte in Halbzeit 2 die Wende

Marco Rose opferte für sein neues System Hannes Wolf und brachte dafür Denis Zakaria. Das 3-4-3 spiegelte die Grundordnung der Freiburger.

Was genau hat sich durch die Systemumstellung verändert?
Die Abstände zwischen den Ketten der Borussia wurden kleiner. Wendt konnte, durch seine Rolle als Flügelverteidiger, nun höher schieben. Dadurch war der Weg nach vorne nicht mehr lang.

Jordan Beyer hatte dann als direkten Gegenspieler Sallai und auf der anderen Seite hatte es Ginter mit Höler zu tuen. Zakaria war für Demirovic da. Die ursprüngliche Überzahl der Freiburger war somit nicht mehr gegeben.

Die Borussia hatte von nun an deutlich mehr Zugriff, kamen in Zweikämpfe rein und konnten endlich Ballgewinne erzeugen. Das 1:1 fällt durch einen ursprünglich gewonnen Ball von Zakaria.

Lainer tauchte auch häufiger im offensiven Drittel auf. Ginter schob, ähnlich wie in seiner Rolle bei der Nationalelf, höher. Überzahl gelang dadurch auf den jeweiligen Angriffseiten immer öfter, so wie beim 1:1.

Ginter und Lainer erzeugten in der Unordnung der Freiburger Überzahl, den Raum erkannte und bespielte Kramer. Das dieses Tor danach in der Entstehung relativ glücklich zu Stande kam, sollte jedem bewusst sein.

Thuram im Sturm spritziger als Alassane Plea

Des Weiteren gelang Marco Rose durch den Positionswechsel von Marcus Thuram und Alassane Plea ein weiterer Schachzug. Der in der 1.Halbzeit unglückliche Plea bekam auf der linken Halbfeldposition deutlich mehr Spielanteile, hingegen dessen Thuram seine dynamischen Vorteile beim 2:1 der Borussia deutlich unter Beweis stellen konnte.

Durch einen erneuten Ballgewinn der Borussia konnten Stindl und Kramer die Tiefe mit 2 Pässen sofort bespielen.
Thuram lief Lienhart und danach Torwart Müller davon und schob zum 2:1 ein.

Fazit:

Die erste Halbzeit war tatsächlich sehr ernüchternd. Man hatte sich erhofft, dass nach der Länderspielpause die Formkurve weiter nach oben zeigen wird. Die 4er-Kette hatte deutliche Probleme mit dem breiten Überzahl-Spiel der Freiburger. Die Formationsumstellung war der Gamechanger. Borussia hatte mehr Zugriff, folgerichtig mehr Ballgewinne. Mit jedem Ballgewinn merkte man den Fohlen das ansteigende Selbstbewusstsein an. Das in der Entstehung glücklich gefallene 1:1 durch Thuram trug diesem sicherlich nicht negativ bei.
Das Gesicht in Halbzeit 2 war das, welches es sich nun zu bewahren gilt. Das Thema 3er-Kette könnte nun ein primäres Thema werden, denn die nächsten Gegner lauten: Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim. Allesamt spielen, wie die Freiburger, die 3er Kette. Vor allem ist die SGE in ihrem System seit Jahren gefestigt. Es bleibt weiterhin spannend zu beobachten, wohin uns die Reise in dieser komplizierten Saison 20/21 führt.

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