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Mit Kramer als Freigeist RBL geschlagen! – Spieltaktische Analyse

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum).

Daten

BMGRBL
Ballbesitz47%53%
Schüsse21 (10)13 (6)
Pässe420 (82%)506 (85%)
davon vertikale Pässe148147
davon lange Pässe4132
Laufdistanz115,1 km113,6 km
Sprints224259
Zweikampfquote57%43%
Ecken83
xGoal3,241,27
Quellen: Bundesliga.de und Wyscout

„Wir waren nicht pressbar“ – Daniel Farke: Borussia´s Aufbau in der Analyse

BMG im 2-1+1; und 3-1 Aufbau

Wie unter Daniel Farke gewohnt, baute die Borussia in Aufbaumechanismen flexibel heraus auf:
Im 2-1+1 agierte Weigl zentral vor den beiden Innenverteidigern, während Kone den halblinken-, oder -rechten Raum auf der Linie dynamisch besetzte.
Durch die hohe personelle Besetzung in der dritten Linie (Bensebaini, Stindl, Kramer, Hofmann und Scally) war anfangs der Zwischenraum hinter dem ballnahen Sechser der Leipziger, der auf Kone rausschob, groß.
Die Borussia bespielte das, indem Thuram Orban und Gvardiol band, die demzufolge nicht auf die Halbzehner Stindl und Hofmann rausschieben konnten. So war Haidara vor die Wahl gestellt, ob dieser auf Kone oder Stindl im Rücken reagiert.

Die Elf von Daniel Farke hatte das Thema Anlocken erneut auf der Tagesordnung und nutzte das ballnahe und hohe Verschieben der Kette aus, um Tiefe hinter den Innenverteidigern (die im Pressing auf Stindl und Hofmann rausschoben) zu bespielen.

RBL verteidigte unter Rose gewohnt im 4-2-3-1 (hier im Vorbericht detailliert beschrieben). Die Gäste versuchten gewohnt Gladbach auf die Außen zu lenken, sie dort zu pressen und im Zentrum keine Anspielstationen zu ermöglichen.
Die Borussia schaffte es durch ihre hohe letzte Linie, den Zwischenraum hinter Haidara und Kampl groß zu gestalten (RBL kann dies mit der Kette in der Theorie höher verteidigen und somit Thuram und Co. zwingen, tiefer zu stehen; jedoch ist die Gefahr für direkte Tiefe zu hoch, um das Risiko einzugehen).
Im unteren Beispiel schafften es die Fohlen (aufrund des schlampigen Stellungsspiels von Nkunku) den Halbraum direkt zu bespielen, meist konnte die Fohlenelf jedoch über die Außen und dynamisches Eindringen in Zwischenlinien das Pressing dort auflösen.

Oft hatte man im 3-1 Aufbau (Kone zwischen den IV, oder neben diesen; Weigl zentral davor) eine gute Staffelung, sodass eine Verlagerung über diese oder gar über Sommer gespielt werden konnte.

Borussias (hohe) lange Bälle im Anlocken

Die Borussia hatte vor allem durch lange und teils hohe Bälle (Zielspieler Thuram) Mittel, in denen sie das Pressing zunächst über das Anlocken und final im langen Ball brechen wollten.
Dass die Fohlen gerne ihre Gegner ins Pressing locken wollen, dabei Zwischenräume vor der gegnerischen Kette öffnen möchten, ist ein bekanntes Mittel (klicke hier für den Link, um mehr darüber zu erfahren).

Die Fohlen locken durch viel Personal, welches dem ballführenden entgegen kommen, an, um in zentralen Bereichen mit zwei Spielern (Thuram und meist Hofmann) entweder Tiefe zu finden, oder sich in den angesprochenen Zwischenraum fallen zu lassen.

Besonders Marvin Friedrich spielte diesen Ball oft in Richtung Marcus Thuram, der sich als eine gute Ablage für seine Mitspieler erwies.

Die Fohlen spielten insgesamt 86 Pässe weniger als RBL, dafür aber mit 148 vertikalen und 41 langen Pässen einen bzw. neun mehr als die Gäste (RBL mit 147 vertikalen und 32 langen Pässen).

Kramer und Thuram „jagen“ RBL; Dessen Kontrolle begann mit der Integration von Kampl in der ersten Linie; Borussia konterte mit dem zweiten Treffer

Kramer gab nachdem Spiel im Fohlen.TV an, mit Thuram vorher gesprochen und das Ziel ausgerufen zu haben, die Verteidiger der Gäste im Ballbesitz zu „jagen“.
Dies machte sich besonders in den ersten 20 Minuten bemerkbar, als die Fohlen sehr früh und hoch in 4-4-2 / 4-4-1-1 Staffelungen anliefen und pressten.
Kramer stellte, nach dem Lenken des Pressings, Leipzigs ballnahen Sechser zu, sonst waren Mannorientierungen auf dem Feld zu beobachten.

Die Elf von Marco Rose konnte selten über das Zentrum auflösen, wurde durch das zuverlässige Anlaufen von Thuram und Kramer stets erfolgreich nach Außen gelenkt.
Diese wollten mittels Chipbällen hinter Kone und Weigl einen der Zehner (Forsberg oder Szoboszlai; Nkunku sollte Tiefe geben) finden. Jedoch hatte besonders Julian Weigl ein starkes Spiel abgeliefert und ein Gefühl für das Zustellen der einzelnen Personen gehabt.

Weigl bemerkte, wenn sein direkter Gegenspieler (Sechser: Haidara oder Kampl) nicht anspielbar war und orientierte sich im Rückwärtsverhalten zu den angesprochenen Zehnern.

Die Gäste begannen erstmals Spielkontrolle im Ballbesitz auszuüben, als sie ab der 25. Minute Kampl früher im Aufbauspiel integrierten, als dieser sich zentral in die erste Linie fallen ließ und die Innenverteidiger das Spiel breit machten, sodass Kramer und Thuram weitere Wege zu schließen hatten.

Kampl hatte eine schnelle Besetzung der Zwischenlinien, der über die Außen in den Halbräumen gefunden wurde.
Borussias Sechser wurden von Haidara und einem der fallenden Zehner (Forsberg/Szoboszlai) gebunden, sodass diese die vertikale Kompaktheit nicht bewahren konnten, wenn Thuram und Kramer anliefen.

In der Phase, in der RBL 4-5 Minuten den Ballbesitz kontrolliert pflegte, schoss die Borussia das zweite Tor im Konterspiel, als Thuram den technischen Patzer von Raum ausnutzte und Hofmann folgerichtig bediente.
Für die Moral der Gäste ein herber Schlag.

Die zweite Halbzeit: RBL startet aggressiv und frisst erneut ein Gegentor

Gladbach stellte sich – wie zu erwarten – tiefer rein, verteidigte im 4-4-2 kompakt.
Die ballfernen Flügelspieler (Hofmann/Stindl) rückten ein, um das Zentrum bzw. den Halbraum zu kontrollieren.
Die dritte Linie der Leipziger wurde in der zweiten Halbzeit in zentralen Zonen mit Nkunku, Werner und Szoboszlai gefüllt, um die Schnittstellen der Fohlen in der Linie zu besetzen.
Mit Kampl in der Linie und dem eingewechselten Schlager davor, agierten die Leipziger im 3-1 Aufbau. Raum und Henrichs schoben hoch in die dritte und ballfern letzte Linie.

Die Kette der Fohlen hatte in den Anfangsminuten mit der Breite und der Aggressivität im Bespielen der Tiefe auf dem Flügel Probleme, da diese noch eng gestaffelt war. Besonders Raum attackierte die Tiefe oft, sodass Scally gefragt war, auf diesen zu reagieren.

Gegen den Ball sortierten sich die Gäste in 4-1-2-1-2 Staffelungen, um einerseits die Zentrale zu kontrollieren, andererseits, um mit Nkunku und Silva aggressiver anzulaufen.

Die Fohlen bestraften RBL erneut im Umschaltspiel, als Werner im mittleren Drittel den Ball verlor und Thuram + Hofmann konterten. Hofmanns Abschluss im Eins-gegen-Eins vor Gulacsi wurde zur Ecke abgewehrt. Stindl konnte diese im zweiten Ball rein bringen und Bensebaini traf zum 3:0.

Fazit

Die Fohlen kontrollierten das Geschehen. So auch nach dem dritten Treffer, als die Borussia die Räume, die sich anboten, fleißig bespielten.
Die ersten 25 Minuten waren im Ballbesitz sehr stark und folgerichtig auch im Gegenpressing. Die Staffelungen stimmten, so auch im Anlocken, als die Borussia schnell überbrückte.
Zur Wahrheit gehört auch, dass die Borussia mit dem zweiten und dritten Treffer nahezu perfekte Zeitfenster fand, um Tore zu erzielen (Gibt es Momente, in denen Tore nicht gelegen kommen?). RBL gewann in Mitte der ersten Hälfte langsam an Spielkontrolle (kein Vorwurf an BMG, eher Lob, dass die Gäste erst dann die ersten Ballbesitzphasen verzeichnen konnten) und kassierte im Anschluss das – aus RBL Sicht – 0:2. Die zweite Halbzeit begann furios und mit einer gefährlichen Kopfballchance von Silva, und diversen anderen Torschüssen. Diese fünf bis sechs Minuten wurden im direkten Konterspiel und im Anschluss dessen, mit dem dritten Treffer bestraft.
„Spielglück“, welches den Fohlen gegen Mainz und auch in Freiburg fehlte.
Vor allem ist dies Qualität, welche die Elf von Daniel Farke bewies.
Durch die zeitlich gefallenen Tore entfalteten sich die Leipziger nahezu gar nicht im Spiel, und die Fohlen kontrollierten den Großteil des Spiel und auch die Anzahl an Tormöglichkeiten, wie z.B. die xGoal-Statistik verrät.

Eine Leistung, die absolut beeindruckend war.
Sieben Spiele, zwölf Punkte – Länderspielpause. Die Borussia darf ein erstes, starkes Fazit ziehen.

PS: Christoph Kramer, Du bist genial.

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Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum).

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Eine Antwort auf „Mit Kramer als Freigeist RBL geschlagen! – Spieltaktische Analyse“

Kurz gesagt: Wir haben Leipzig quasi mit deren Mitteln geschlagen.

Zu Kramer:
Kramer steht für mich schon seit langem auf einer Stufe mit Toni Kroos, was das Verständnis für das Spiel und dessen Abläufe angeht.

Zu Weigl:
Er tut Koné mentorenmäßig sehr gut und schickt ihn in die richtigen Räume, so dass dieser schon frühzeitig unterband, dass RB ihr Vertikalspiel aufbauen konnte. Stattdessen verlor RB entweder früh den Ball oder musste abbrechen, wozu ihnen aufgrund ihrer Spielauffassung einfach die Geduld fehlt. Weigl ist ein richtiger „Schwimmer“ im 6er-Raum.

Unsere Spielstruktur war wieder dem Gegner angepasst, was ich schlauer finde, als dass man versucht, die eigene Struktur unbedingt durchdrücken zu wollen wie bei Hütter.

Kritikpunkte, wenn auch auf hohem Niveau: Thuram hatte nach dem Anspiel ins vorderste Drittel zu wenig Passoptionen, weil nicht schnell genug nachgerückt wurde – lag aber auch daran, dass die Wege zwischen Sicherung und Umschalten lang waren. Er musste daher entweder selbst abschließen oder verzögern. Ein Musterbeispiel, wie es gehen sollte, war das 2:0. Im weiteren Verlauf fehlte dadurch auch öfter das richtige Timing beim Abspiel, wodurch der Passwinkel ungünstig wurde, der abschließende Spieler zu nah am Ball stand, – Hofmann ! – und Druck und Präzision beim Abschluss verloren ging.
Insgesamt wieder eine taktisch reife Leistung mit den richtigen gegnerbezogenen Anpassungen.

Bin gespannt auf Ole Werner’s Matchplan gegen uns, wobei wir aufgrund deren dünner Besetzung auf der 6 und einer Dreierkette viel Speed im vorderen Drittel haben werden, so mein Spoiler.

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