Joe Scally – Borussias Talent aus Amerika in der Analyse

Im Fohlenstall schwärmt man bereits vom jungen Amerikaner. Roland Virkus (Direktor Nachwuchsleistungszentrum) im Fohlen-Hautnah.de-Interview: „Seine ersten Spiele hat er gemacht, als die U23 in einer schwierigen Phase war und er hat auf Anhieb überzeugt. In dieser Form hatte ich das nicht erwartet – das muss ich zugeben. Normalerweise bedarf die Integration eines jungen Spielers aus dem Ausland etwas mehr Zeit. Es ist beeindruckend, wie sich der Junge bisher hier verkauft hat.

Bemerkenswert ist auch, dass Joe Scally bereits im Alter von 15 (!) Jahren sein Profidebüt in der MLS gab. Sein Trainer damals: Patrick Vieira. Eingewechselt für: David Villa. Kann man mal machen.

Joe Scally ist in den BorussiaExplained Fokus gerückt, da die Stimmen bei Borussia über den jungen Amerikaner immer lauter werden. Mit einer Art „Umbruch“ in der nächsten Saison ist es auch für den talentierten Kicker eine reale Chance, Bundesliga-Profi zu werden.

Daten – Joe Scally:

Alter: 18
Größe; Gewicht: 1,84m – 80kg
Positionen: RV, Rechter Flügelverteidiger, LV (Ausweichposition)
Fuß: rechter
Einsätze U23: 15
Tore/ Vorlagen: 1/0
Gelbe/ rote Karten: 3/0
Marktwert (Transfermarkt.de): 2 Mio.

Stärken:

Abbildung 1: Heatmap – Joe Scally 20/21; Wyscout

Seine Heatmap zeigt bereits, in welchen Räumen er sich gerne befindet. Die rechte Außenbahn beackert der Rechtsverteidiger, auch gerne als rechter Flügelverteidiger (z.B. im 3-4-2-1), wie kein anderer in der Regionalliga. Dabei wird deutlich, wie er seine Art zu spielen interpretiert:

Ich renne die Seitenlinie hoch und runter, ich liebe das physische Spiel. Aber auch die Technik mit dem Ball kommt bei mir nicht zu kurz, weshalb ich ganz gut zum Spielstil in Deutschland passen sollte.“

Sein Offensivspiel ist geprägt von Läufen in die Tiefe. Dabei versucht er immer hinter die letzte Kette zu kommen, dass wird einem Trainer wie Adi Hütter sicherlich gefallen.

Abbildung 2: Sprintwege, Steilpässe von Joe Scally; Wyscout

Seine Sprintwege verdeutlichen, wie oft und gerne Joe Scally tiefe Laufwege aufnimmt.

Im folgenden Beispiel erkennt man den Drang nach vorne, welchen der 18-Jährige immer wieder forciert. Joe Scally erkannte den Raum vor sich, nahm Tempo auf und bekam den Ball kurz vor dem Strafraum angespielt, sodass Scally den Weg mit Ball direkt in den Strafraum machen konnte.

Abbildung 3: Joe Scally – Tiefenläufe; Wyscout
Abbildung 4: Joe Scally – Tiefenläufe; Wyscout

Mit Tempo, Dynamik und Beschleunigung sucht er diese Wege nach vorn.
Seine Beschleunigung, gepaart mit der soliden Technik am Ball, sind definitiv Vorteile für das Spiel von Joe Scally, welches er präferiert. Im Beispiel unten, schaffte der Amerikaner mit Ball am Fuß, einen tiefen progressiven Lauf bis in die gegnerische Hälfte hinein. Dabei ist er, auch dank seiner Körperlichkeit, schwer vom Ball zu trennen.

Abbildung 5: Joe Scally – Progressiver Laufweg; Wyscout
Abbildung 6: Joe Scally – Progressiver Laufweg; Wyscout

Dribblingmomente und Offensivduelle

Das Joe Scally, als nominell defensiv-Spieler, im Ranking der „Ausführungen von Dribblingmomenten je 90 Min“ den 13. Platz belegt, sagt viel über den Spieler aus.

Abbildung 7: Joe Scally – Dribblingfrequenzen; Wyscout
Abbildung 8: Joe Scally – Stats im Dribbling; Wyscout

Die Statistik zeigt, dass er sich nicht scheut, auch in tiefen Spielbereichen ins Dribbling zu gehen. Dabei hat er, für einen rechten Außenverteidiger, eine gute Erfolgsrate mit 3,19 gewonnen Dribblingmomenten pro Spiel (51,16%).

Außerdem schafft der 18-Jährige es, auch enge Spielsituationen aufzulösen. Im Beispiel tunnelte er seinen Gegenspieler und löste die Situation. Direkt im Anschluss suchte er den Doppelpass und den tiefen Laufweg (im 2. Bild zu sehen).

Abbildung 9: Joe Scally – Auflösung vom engen Raum; Wyscout
Abbildung 10: Joe Scally – Auflösung vom engen Raum; Wyscout

Stats Offensivduelle – Joe Scally:

Abbildung 11: Joe Scally – Offensivduelle, Stats; Wyscout

Die Offensivduelle (Duelle mit Ball am Fuß), welche Joe Scally überdurchschnittlich oft führt, zeigen erneut, dass er das Selbstbewusstsein mitbringt, um diese Duelle zu führen. Wenn man bedenkt, dass in dieser Wertung beinahe nur Offensivspieler vorhanden sind, ist dies eine bemerkenswerte Quote mit 12.32 Offensivduellen pro Spiel.

Vergleich: Offensivstats mit Stefan Lainer 20/21 (Liga-Vergleich; ohne CL-, und Pokal-Auftritte bei Lainer)

Abbildung 12: Joe Scally im offensiven-statistischen Vergleich mit Stefan Lainer; Stats von Wyscout

Defensive Stärken

Roland Virkus gerät auch in der Beurteilung des Defensivspiels vom jungen Amerikaner ins Schwärmen:
Ich habe noch nie einen so jungen Spieler gesehen, der so hart, aber dennoch fair in der Zweikampfführung ist. Er ist richtig bissig, athletisch und in einer hervorragenden Verfassung.“

Die Bissigkeit in den Zweikämpfen hat Joe Scally alle Male. Durch seine Körperlichkeit (1,84m lang, 80kg schwer) schafft er es immer wieder Zweikämpfe für sich zu gewinnen. Dabei hat er die grundlegende Aggressivität im Spiel gegen den Ball.
In folgender Situation erkennt man, wie Scally am Gegenspieler dranblieb und ihm keine Ruhe am Ball gelassen hat. Beim versuchten Rückspiel des Gegenspielers, sprintete Joe Scally den Passweg nach und schaffte durch die Grätsche, den Ballgewinn zu erzeugen.

Abbildung 13: Joe Scally – Defensivverhalten; Wyscout
Abbildung 14: Joe Scally – Defensivverhalten; Wyscout

Joe Scally führte pro Spiel 7.1 defensive Zweikämpfe im Spiel gegen den Ball, dabei hat er eine Erfolgsquote von 57,14% gewonnen Zweikämpfen. In beiden Belangen ist dieser Wert leicht-überdurchschnittlich.

Abbildung 15: Joe Scally – Statistiken zu defensiven Zweikämpfen; Wyscout

Durch seine Größe von 1,84m, ist der 18-Jährige Rechtsverteidiger für seine Position groß. Die Größe hilft ihm natürlich Kopfballduelle für sich zu entscheiden. Dabei führte er in der abgelaufenen Saison 2,9 Kopfballduelle pro Spiel und hat eine gewonnene Quote von 58.3%.

Abbildung 16: Joe Scally – Statistiken zu Luftduellen; Wyscout

Vergleich: Defensivstats mit Stefan Lainer 20/21 (Liga-Vergleich; ohne CL-, und Pokal-Auftritte bei Lainer)

Abbildung 17: Joe Scally im defensiven-statistischen Vergleich mit Stefan Lainer; Stats von Wyscout

Noch vorhandene Schwächen im Passspiel

In Punkto ‚Pässe ins letzte Drittel´ und ‚Vorwärtspässe´ (Pässe in die offensive Spielrichtung) hat Joe Scally Verbesserungspotenzial in der Passgenauigkeit. Oft ist der Pass nicht sauber genug und kommt nicht beim Mitspieler an. Dabei hat er eine Passquote ins letzte Spieldrittel von 58,5% bei 4,53 Pässen (ins letzte Drittel), pro Spiel.
Oft traut sich der junge Amerikaner noch nicht, den entscheidenden Pass zu spielen. Wenn er hoch steht und sich vom Ball trennt, dann oft als Rückpass. Scally spielt pro Spiel 9 Rückpässe.

Dabei generiert der Flügelverteidiger relativ viele Ballverluste pro Spiel. Mit 12.32 Ballverlusten je 90 Min, liegt Scally im überdurchschnittlichen Bereich. Auffällig ist, dass der Spieler die Bälle oft in der gegnerischen Hälfte verliert, was die fehlende Passgenauigkeit ins letzte Spieldrittel unterstreicht.

Das ist dem 18-Jährigen natürlich gestattet. Die Arbeit mit ihm wird Adi Hütter eine Menge Spaß bereiten. Wohlwissend, an welchen Stellschrauben noch zu drehen sind.

Abbildung 18: Joe Scally – Ballverluste; Wyscout

Fazit

Rund um den Borussia-Park sind viele und laute Stimmen zu hören, die Joe Scally eine hervorragende Zukunft prognostizieren. Das gab es im Fohlenstall, in den letzten paar Jahren, nicht allzu oft. Joe Scally lebt vor allem von seinem physischen, dynamischen und auch bissigen Spiel. Die tiefen Laufwege, die er ständig sucht, werden Adi Hütter gefallen. Auch die 1-gegen-1 Duelle sind vor allem ein offensives Element, das ihn kennzeichnet.

Daher würden seine Stärken, in der Rolle als Flügelverteidiger eher zur Geltung kommen, als auf der RV Position in einer 4er-Kette.

Abbildung 19: Mögliche Aufstellung mit Joe Scally im 3-4-2-1, als rechten Flügelverteidiger

Das sich Joe Scally unter den genannten 4-5 Jugendspieler befindet, ist ein offenes Geheimnis. Die Borussia wird den jungen Amerikaner als Back-Up No.1, hinter Stefan Lainer, einplanen. Zurecht.
Schön wäre es gewesen, wenn die Borussia mit der Conference League die nötige 3-fach-Belastung gehabt hätte, um einen Scally noch häufiger auf den Platz zu sehen. So oder so, der talentierte 18-Jährige wird seine Chance erhalten und versuchen, sich als Bundesliga-Spieler zu etablieren.

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