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Was fehlte den Fohlen im Testspiel gegen RKC Waawijk?

Die Müdigkeit in den Beinen, aber vor allem auch in den Köpfen war zu erkennen.
Viele (einfache) Fehlpässe, die ins Seitenaus gingen, oder zu weit/kurz kamen, usw.
Zu viele (unnötige) Ballkontakte, die das Pressing des Gegenspielers vereinfachten und eigene Ballverluste produzierten.

Jedoch können alle durchatmen:
Das ist normal.

Daniel Farke monierte bereits während des Spiels immer wieder: „Lauft intensiver“, „Luca [Netz], reiß´ Lücken auf“, „Thorben [Müsel], geh in die Tiefe, wir können chippen“, „Eröffnet schneller“…

Die Müdigkeit in den Beinen, aber vor allem auch in den Köpfen war zu erkennen.
Viele (einfache) Fehlpässe, die ins Seitenaus gingen, oder zu weit/kurz kamen, usw.
Zu viele (unnötige) Ballkontakte, die das Pressing des Gegenspielers vereinfachten und eigene Ballverluste produzierten.

Jedoch können alle durchatmen:
Das ist normal. Auch Trainer Daniel Farke erinnerte die Journalisten an die vierte Vorbereitungswoche. Zufrieden war er dennoch nicht, denn die Mannschaft ließ im Spiel mit dem Ball paar Dinge vermissen, die sie vorher zeigen konnten.

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum)

Aufbaumechanismen BMG

BMG baute üblich mit einer 3+1 Staffelung auf, in der Itakura sich zwischen den Innenverteidigern Bensebaini und Friedrich fallen ließ. Neuhaus übernahm die zentrale Sechser-Rolle ein, wurde dabei von Lainer im Halbraum unterstützt, der im Ballbesitz in die zweite Linie einrückte, um in der Spielentwicklungsphase in zentralen Bereichen für Überzahl gegen die 5-2-1-2 Staffelung des Gegners, zu sorgen.

Lainers Rolle

Lainers Grundposition befand im sich im Ballbesitz im Halbraum in zweiter Linie.


Im Aufbauspiel hatte seine Rolle gar keine primär wichtige, die ihn in Ballbesitz hätte bringen sollen. Eher sind es klassische Spielprinzipien unter Daniel Farke, die ballferne Seite so breit wie nötig zu positionieren.
Bauten die Fohlen über ihre linke Angriffseite auf, so rückte Lainer weiter ins Zentrum ein.
In der obigen Abbildung ist zu erkennen, wie Lainer auf einer vertikalen Linie mit dem stark einrückenden linken Flügelverteidiger steht.
Damit gibt Lainer an relativer Breite und stärkt seine Rolle als Verbindungselement.

Als Verbindungselement agiert Lainer in höheren Spielfeldzonen ballfern, wie ein zweiter Sechser, neben Neuhaus.
Die Doppel-Sechs des Gegners (gelb verbunden) muss zu Plea rausschieben, welches in der Verlagerung Raum für BMG bedeutet. Um diesen schnellstmöglich zu bespielen, benötigt es an kurzen Verbindungsdistanzen.

Des Weiteren dient seine Rolle als Konterabsicherung, in der er mit Neuhaus das Zentrum stärkte und somit eine 3+2 Restverteidigung aufbaute.
3+2 Staffelungen in der Restverteidigung sind klassische Muster, um Halbräume (mit den Halbverteidigern) und zentrale Bereiche (mit den Sechsern) abzusichern.

Pendel- Stindl & -Herrmann

Auch die Zuspiele auf den rechten Flügel sollten sich mit somit öffnen, welchen Herrmann besetzte.

Diese Linie füllten außerdem Stindl und Plea, die im rechten und linken Halbraum agierten, und Luca Netz, der die linke Außenbahn besetzte. Müsel als Mittelstürmer sollte zwei Verteidiger binden.


Herrmann hatte in diesem Spiel, anders als in den vorherigen Spielen, eine pendelnde Positionierung, die sich zwischen dem Halbraum und Flügel befand. Seine Rolle war jedoch klar: Tiefe geben.
Der Grund dafür war, dass sich Stindl dynamisch von der letzten Linie löste, um im Zwischenraum hinter den Sechsern Passoption zu bieten.
Dadurch ergaben sich 3+3 Staffelungen auf, in der Plea den linken Halbraum besetzte.

Plea tief

Auch zu beobachten war, wie Plea sich im tiefen Aufbauspiel integrierte.
Im halblinken Raum, wie eben im 3+3 mit Stindl erwähnt, ließ sich der 29-Jährige regelmäßig fallen.
Netz band in letzter Linie den rechten Flügelverteidiger, schaffte somit Raum für Plea, der von seinem direkten Gegenspieler (Halbrechter Verteidiger der 5er-Kette) nicht begleitet wurde, da sie den Raum in der Kette nicht hergeben wollten.

Stattdessen konnten Plea und Stindl in den Zwischenräumen ihr Kombinationsspiel aufziehen.
Pleas Chance in der 5. Spielminute war ein Sinnbild für dieses Muster.

Gladbachs Probleme im Offensivspiel

Die Elf von Daniel Farke hatte speziell in der ersten Halbzeit des Testspiels im letzten Drittel mit fehlenden gegenläufigen Bewegungen und Tiefenläufen zu kämpfen.

  • In der 13. Spielminute ein Beispiel dazu (gegenläufige Bewegungen):

In der ersten Abbildung sind zunächst Pleas und Müsels Positionierungen zu erkennen.
Während Plea zum tiefen Lauf ansetzt, um diagonale Passfenster ins Zentrum frei zu bekommen, oder selbst den Tiefenball zu erhalten, wäre Müsels gegenläufige Bewegung (kommt kurz, während der andere tief geht) eine, die dafür gesorgt hätte, gegnerische Linien zu brechen, und die Option zu haben, durch eine direkte Wiedergabe Plea in der Tiefe einzusetzen.

Durch die fehlenden gegenläufigen Bewegungen wurden zu selten Räume geschaffen, die die Zwischenlinien des Gegners attackiert hätten.

  • Zu wenige Tiefenläufe

Ein Beispiel aus der 4. Minute zeigt, wie selten Tiefenläufe (wie beim Ausgleichstor von Plea 30.´) gemacht wurden, um die Kompaktheit des Gegners zu brechen.

Der RKC stand kompakt, aber nicht tief. Im 5-2-1-2/5-3-2 waren Zwischenräume kaum vorhanden, auch weil die Fohlen durch ihre Lethargie dazu beitrugen.
Im obigen Beispiel ist eine Szene wiederzufinden, in der zwar sogar der Pass in die rote Zone gespielt werden könnte (Stindl im Zentrum – diagonales Fenster für Plea), jedoch die Kette nicht gedrückt wird, weil Müsel (rot eingekr.) keine Tiefe schafft.
Öffnet sich der Zwischenraum nicht, weil der Innenverteidiger den Lauf nicht mitgeht, kann die Tiefe mittels Chipball bespielt werden.

Einordnung

Die zweite Halbzeit verlief ein wenig anders. BMG hatte noch mehr Kontrolle, der Gegner stand nun tiefer.

Die Testspiele liefen bisher positiv.
Bereits am vergangenen Wochenende gegen Duisburg und Bilbao ließ sich erkennen, dass die intensive Vorbereitung schwere Beine und müde Köpfe macht.
Die Lethargie ist logisch zu erklären.
Auch ist es wichtig, dass man trotz der fehlenden Frische und der schweren Beine, an den Spielprinzipien festhält. Daran hat die Mannschaft gearbeitet. Nicht jede Ballbesitzphase gelang, aber man war trotz den Umständen im mentalen Bereich da, die Muster und Abläufe auszuführen.
Daniel Farke erklärte in den Anschlussinterviews, dass an der Frische ab der kommenden Woche, wenn die Pokalrunde ansteht, regenerativ gearbeitet wird.
Gleichzeitig warnte der neue Cheftrainer voraus, auch gegen Real Sociedad keine neue Frische zu erwarten. Ähnlich schwere Beine werden zu erkennen sein, jedoch gilt auch dann eines zu zeigen:

Widerstand.

Oder wie Daniel Farke zu sagen pflegt: Resilienz.

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum).

*Alle Screenshots von Fohlen.TV

BorussiaExplained Caster-Class Podcast.

2 Antworten auf „Was fehlte den Fohlen im Testspiel gegen RKC Waawijk?“

Gehe voll mit, was du geschrieben hast.

Berücksichtigt man den aktuellen Vorbereitungsstand, sehe ich hier noch Entwicklungspotenzial – stichpunktartig:

– mehr Tempo im letzten Drittel durch mehr Tiefenläufe bzw. gegenläufige Bewegungsmuster, dann könnten auch mehr Chipbälle gespielt werden;
– gutes Maß zwischen Flügelspiel und Zentrumsfokus finden;
– Möglichkeiten des Bespielens vorhandener Räume schneller erkennen und nutzen;
– daher schneller gegnerfern verlagern und Breite mehr nutzen;
– aggressives Gegenpressing ab Spielbeginn, um Gegner Grenzen aufzuzeigen;
– 9er muss viel Laufarbeit leisten, um das Pressing einzuleiten, Dreierreihe dahinter fehlt noch die Abstimmung, wer in den ballnahen Raum mitgeht – Hofmann eigentlich unersetzlich.

Positiv, u.a.:

– viel Geduld bei Ballbesitz gegen tiefstehenden Gegner;
– Spiel „hintenrum“ sehr ausgeprägt, um Ballbesitz zu sichern;
– Mannschaft braucht mentale Resilienz, wenn das Stadion deswegen ungeduldig wird und das Raunen und Murren beginnt;
– gutes Positionsspiel, da wirklich jede Position, vor allem in Ballbesitzphasen und bei folgendem Ballverlust, besetzt ist;
– dadurch schon gute Gegenpressingmuster, vor allem, wenn Zentrumsfokus da ist.

[…] Spätestens mit der Stindl-Auswechslung hatte sich die Statik etwas verändert, aber bereits vorher war zu erkennen, dass die Positionen auf der linken Seite in der Höhe angepasst worden sind.Während Bensebaini in der ersten Halbzeit zwar höher stand, aber selten in letzter Linie, änderte sich dies in der darauffolgenden Hälfte.Durch seine konstante Besetzung auf dem hohen linken Flügel, wurde Pleas Position etwas tiefer, um für Verbindungen in der Verlagerung zu sorgen.Ein gravierender Unterschied war nicht vorhanden, auch weil Plea bereits in der ersten Halbzeit tiefe Positionswinkel hatte, wenn Neuhaus/Kramer diagonal verlagerten.Herrmann gab als Gegenpendant die Breite auf dem rechten Flügel, während sich Scallys Rolle nun konstant eingerückt im Halbraum befand.Welchen Zweck diese hat, wurde bereits in den Vorbereitungsspielen analysiert. […]

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