Die Nachanalyse: BMG – DSC 3:1

Die Borussia gewann ihr erstes Spiel der Saison 21/22. Im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld konnte die Elf von Adi Hütter sicherlich nicht vollends überzeugen, dennoch war der Sieg sehr wichtig und nahm zumindest bis zum nächsten Spiel in Augsburg, ein wenig den Druck weg.

Die Analyse

Adi Hütter und dessen Trainerteam starteten mit einer neuen Grundordnung.
Im 3-3-2-2 wurde ein starkes und zentrumlastiges Mittelfeld aufgestellt. Das Mittelfeld-Trio als 6er Zakaria, und den beiden Halbfeld-8tern Neuhaus und Hofmann, brachten personelle Überzahl im Zentrum gegen die beiden 6er der Bielefelder (Prietl und Schöpf) auf.

In den ersten 5-10 Spielminuten sah der Spielaufbau zwar nicht flüssig aus, dennoch griff die Überzahl im Mittelfeld. Schöpf und Prietl waren regelmäßig in Unterzahl und mussten sich oft entscheiden, welchen 6er/8ter der Borussia gedeckt werden solle und wer nicht.

Es scheiterte zunächst an technischen Fehlern bei Ballannahmen, an gedanklich langsamen Ausführungen, sodass Bielefeld dennoch Zugriff finden konnte.

In der 3. Spielminute ließ sich beobachten, wie Bielefelds Prietl vorrückte, um Neuhaus zuzustellen. Zakaria war in der Situation auf einer Linie höher positioniert.

Abbildung 1

Als Neuhaus den Ball zugespielt bekam, stand der andere 6er der Bielefelder Schöpf (gelb markiert) in Unterzahl gegen Hofmann und Zakaria und wurde somit zu einer Entscheidung gezwungen.

Abbildung 2

Die Arminia versuchte, vor allem bei Match-Breaks, wie Abstöße usw. hoch anzulaufen und mannorientiert zu pressen. Da kam die personelle Überzahl im Mittelfeld wieder zu Gute, da einer vom Mittelfeld-Trio nicht zugestellt werden konnte.

Abbildung 3

Man sieht, als Elvedi am Ball war, wie Schöpf Gladbachs Zakaria hochzustellte, Prietl hatte wieder die Entscheidungsnot, einen der beiden anderen 8ter zu decken.

Abbildung 4

Die Probleme traten, wie bereits angedeutet, im technischen Spiel / in der schnellen Entscheidungsfindung auf. Stindl wurde sauber von Elvedi angespielt, das Pressing wurde ausgespielt und die rechte Angriffsseite der Borussia war blank und hätte viel Platz nach vorne gehabt. Die Annahme Stindls und Weiterführung des Balles dauerten zu lange, um eine Seitenverlagerung zu spielen.

Abbildung 5

Immer wieder konnte die Borussia die beiden 6er Bielefelds nach außen ziehen, sodass Löcher im Zentrum der Gastmannschaft auftraten, die nach schwierigen 10 Minuten, besser bespielt worden sind.

Hofmann lockte mit seinem Positionsspiel Schöpf auf die Außen, spielte dann zurück zu Sommer, der einen präzisen Ball ins Zentrum spielen konnte, weil Neuhaus und Zakaria freistanden.

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Mit dem Pass auf Neuhaus waren auf Anhieb vier Feldspieler überspielt und hatten eine Menge Freifeld vor sich.

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Die erste Linie wurde von Anfang an gut überspielt, es scheiterte an eigenen Fähigkeiten auch die zweite Linie zu überspielen. Dies gelang nach 15 Minuten deutlich besser und öfter.

Das Spiel im letzten Drittel

Die Borussia hatte also nun wieder die Aufgabe, das letzte Spieldrittel gut aufzulösen. Man kam in der ersten Halbzeit zu 8 Abschlüssen. Davon wurde zwar keiner so richtig gefährlich, aber einer landete immerhin im Tor, wenn auch glücklich.

Die Borussia sprintete definitiv öfter in den gegnerischen Strafraum. Man war bemüht, die Zonen rund in und um die Box zu besetzen. Die Szene von Hofmann in der 36. Spielminute verdeutlichte ganz gut, was vor allem gegen Union Berlin fehlte und dieses Mal besser gemacht worden ist.

Hofmann sah, dass Plea auf die rechte Seite verlagerte und setzte zum Sprint in die Box an.

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Scally spielte an der Strafraumkante einen schönen Pass auf den 2. Pfosten, den Jonas Hofmann belief. Dieser kam zum Abschluss, leider zu ungefährlich.

Abbildung 9

Dennoch: Es zeigte, dass die Borussia erkannte, was vorher fehlte und war gewillt daran zu arbeiten. Weitere Abschlüsse folgten von Luca Netz, Lasso Plea und auch vom Torschützen Lars Stindl, der oft den Rückraum besetzte.

Die Borussia sprintete 246x in diesem Spiel, selten hatte die Borussia einen ähnlichen Wert in den letzten beiden Spieljahren.

Abbildung 10

3er-Kette mit Beyer, Ginter und Elvedi

Die 3er-Kette funktionierte sowohl im eigenen Aufbauspiel gut, sowie in der Absicherung der eigenen Vorderleute.

Besonders die rechte Verteidigungsseite mit Beyer und Scally waren in Absprache gut abgestimmt. In der 8. Spielminute ließ sich das gute Positionsspiel von Beyer beobachten, der dadurch schneller zum freien Ball stand und diesen erobern konnte.

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Beyer lief in der 16. Minute mit nach vorne, um die Außen zu besetzen. Scally sah das und ließ sich in die erste Kette zurückfallen, um den vorgerückten RIV abzusichern.

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Abbildung 14: Defensivwerte, Quelle: inStat

Erneute individuelle Fehler kosten die Halbzeitführung

In der ersten Halbzeit kam Bielefeld zu drei guten Tormöglichkeiten, die sich alle auf individuelle Fehler der Spieler berufen.

Die Borussia spielte wirklich ein solides Spiel gegen den Ball, auch im Heimspiel gegen die Arminia. Dieses wird aber durch kapitale individuelle Fehler selbst zu Nichte gemacht. Klar: Wer keine Fehler macht, der bekommt nie Gegentore. Doch es unterscheidet sich der krasse individuelle Fehler, von dem, des mannschaftlich-taktischen Fehlers. Und dieser führte in der ersten Halbzeit zu guten Chancen für den Gast.

In der 2. Spielminute versuchte Ginter einen Chipball mitten ins Zentrum, auf Neuhaus zu spielen. Die Borussia stand mit der 3er-Kette auf einer Linie, die anderen Spieler logischerweise weiter vor. Der Ball konnte problemlos abgefangen und somit der Konter eingeleitet werden. Zakaria und vor allem Neuhaus waren aus der Szene, weil diese keine Chance mehr auf Gegnerdruck hatten.

So konnte Bielefeld auf die Kette zulaufen, und typisch für Gladbach, am 2. Pfosten per Flanke zum Abschluss kommen, der sicherlich gefährlicher enden hätte können.

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Die nächsten zwei Aktionen gehörten Neuhaus. Bei der Torchance von Klos, spielte der 6er einen Fehlpass, Bielefeld konnte einen hohen Ballgewinn erzielen und den Konter im Umschaltspiel setzen.

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Bei der letzten Aktion der ersten Hälfte, spielte Neuhaus kurz vor Pausenpfiff einen Fehlpass ins Zentrum hinein, den Bielefeld im ersten Kontakt wieder zurück in die Tiefe spielen konnte. Okugawa kam ins 1-gegen-1-Duell vs. Sommer und hatte Glück, dass der zweite Ball, als Abpraller vor die eigenen Füße fiel, sodass dann das 1:1 entstand.

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Die Borussia spielte die letzte Minute der ersten Hälfte eigentlich runter, wollte das Ergebnis mitnehmen, ehe Neuhaus 10 Sekunden vor Schluss, doch noch Dynamik in den Angriff bekommen wollte.

Es sind nicht viele taktische Fehler, im Spiel gegen den Ball, zu beobachten gewesen. Doch die individuellen Fehler müssen abgestellt werden, wenn Borussia sich das Leben ein wenig einfacher machen möchte.

Die zweite Halbzeit

Bielefeld veränderte in der Halbzeit das Anlaufen der beiden vorderen Stürmer Okugawa und Klos. In der ersten Halbzeit orientierten sich die beiden Stürmer noch beim Anlaufen an Gladbachs Innenverteidigern, diese hatten dann im Rücken Zakaria oft frei gelassen. Diese sollten nun mehr auf ihren Deckungsschatten achten, um ein mögliches Zuspiel zu Zakaria zu verhindern. So konnten die übrigen 8ter Wolf und Neuhaus, durch Prietl und Schöpf im Anlaufen zugestellt werden.

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Teilweise agierte Okugawa sogar mannorientiert gegen Zakaria, mit der Absicht den Schweizer Nationalspieler aus dem Spiel nehmen zu wollen.

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Die Borussia verlor ein wenig an Struktur im Spiel mit dem Ball. Die Innenverteidiger in den Halbräumen (Beyer u. Elvedi) mussten sich auf einer höheren Linie am Spielaufbau beteiligen. Man fand im Zentrum keine richtigen Anspielstationen mehr und baute regelmäßig über die Außenverteidiger auf.

Der Wechsel auf 4-2-3-1 ab der 57´ half zunächst auch nicht

Als Adi Hütter verletzungsbedingt Luca Netz auswechseln musste, wurde die Grundordnung wieder auf das altbewährte 4-2-3-1 gewechselt. Scally und Beyer spielten die Außenverteidiger, Neuhaus und Zakaria agierten auf der Doppel-6. Wolf, Stindl und Herrmann durften zusammen mit Plea als Spitze, spielen.
Bielefeld hatte dann vor allem durch Ballgewinne von zweiten Bällen, ein paar Möglichkeiten, in der die Borussia nicht gut gestaffelt war. Das brachte den Ostwestfalen einige Ausbrüche rund um die Box.

Einwechslung von Laszlo Benes tat der Borussia gut

Die Einwechslung von Laszlo Benes für Florian Neuhaus tat dem Aufbauspiel der Borussia gut. Benes ließ sich eine Linie tiefer, als Neuhaus fallen und war öfter vor der Bielefelder Doppel-6 zu finden. So auch in der Entstehung des Tores zum 2:1 der Fohlenelf.

Die Doppel-6 der Bielefelder war es noch gewohnt, einen höherstehenden Neuhaus zuzustellen. Das gab Benes mehr Raum, durch seine tiefere Positionierung, weil die Doppel-6 nicht gleich mitging.

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Benes hatte ein gutes Timing in seinem Passspiel. Schöpf rückte raus, gab Zakaria den freien Raum, den Benes bespielte. Das war das Zeichen für die aufnehmende Dynamik im Angriff.

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Die starke Boxbesetzung belohnte die Fohlenelf mit zwei Toren

Die Besetzung der Box war vor allem gegen Union Berlin ein Thema. Diese war im Heimspiel gegen Bielefeld, über weite Teile des Spiels, sehr gut.

Bei der Flanke von Herrmann waren drei Spieler in der Box, die alle Zonen (1. u. 2. Pfosten, und eben den Rückraum) besetzten. Die Flanke von Herrmann war gut geschlagen, Plea und Wolf zogen durch tiefe Läufe die Aufmerksamkeit auf sich, sodass Stindl im Rückraum gefunden worden ist.

Abbildung 26

Auch als Denis Zakaria drei Minuten später, das Tor zum 3:1 schoss, profitierte die Borussia von einer starken Boxbesetzung.

Vorher wendete sich Zakaria wunderschön aus einer Pressingsituation heraus, in der viele schlecht ausgesehen hätten:

Abbildung 27

In einer 2-gegen-1-Unterzahlsituation befreite sich Zakaria aus dem Pressing, und nahm Dynamik auf, leitete also das Tor selber ein.

Dabei sprinteten wieder drei Spieler in die Box, machten die Wege, wieder um den Rückraum zu entlasten, den Herrmann erneut gut bespielte. Dieses Mal bekam Zakaria den Ball, den der Schweizer verwerten konnte.

Abbildung 28

Fazit

Die Borussia holte den mehr als wichtigen Heimsieg und nahm damit ein wenig Druck vom Kessel. Dies bemerkte man in den Aussagen nach dem Spiel, als viele vom „Drucklöser“ sprachen. Das Ergebnis wird dem Team rund um Adi Hütter und den wiederkehrenden Nationalspielern, eine weitere Woche Zeit geben, um spieltaktisch weiterzukommen, denn da gibt es definitiv noch entwicklungsbedürftige Bereiche. Die erste Halbzeit war kontrollierend und dominant, auch wenn keine 100%igen heraussprangen. Das Spiel gegen den Ball war ebenfalls koordiniert und deutlich verbessert im Absichern und in der generellen Restverteidigung. Die individuellen Fehler müssen tatsächlich minimiert werden, um sich für ihr solides Abwehrverhalten zu belohnen.

In der zweiten Halbzeit fand man erst spät Lösungen gegen das mannorientierte Zustellen von Denis Zakaria. Laszlo Benes fand Lösungen. Auch Herrmann belohnte seine Einwechslung mit zwei Assists. Ein gutes Zeichen für den Trainer Adi Hütter.

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