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BorussiaExplained Analysen

Die Fohlen im 5-3-2 gegen ein dynamisches Aufbauspiel der Freiburger – Taktikanalyse

Der VFL holte ihren 38. Punkt in der laufenden Saison und verabschiedete sich mit einem Remis aus Freiburg.
Dabei war spannend zu beobachten, wie der SC auf die Änderung von Gladbach reagierte. Denn die Fohlen standen relativ tief im 5-3-2 und hatten kleine Anpassungen im Anlaufen. Darauf reagierte die Elf von Streich und blieb flexibel.

Der VFL holte ihren 38. Punkt in der laufenden Saison und verabschiedete sich mit einem Remis aus Freiburg.
Dabei war spannend zu beobachten, wie der SC auf die Änderung von Gladbach reagierte. Denn die Fohlen standen relativ tief im 5-3-2 und hatten kleine Anpassungen im Anlaufen. Darauf reagierte die Elf von Streich und blieb flexibel.

Die Grundordnungen beider Teams

Wie erwähnt agierten die Fohlen gegen den Ball im 5-3-2 und waren im Mittelfeld bemüht für Kompaktheit zu sorgen. Während der SC klassisch im 4-2-3-1, mit in Halbräumen einrückenden Flügel, überlaufenden AV und zwei 6ern + einem Zehner, agierte.

Gladbach lernte aus den vorherigen Spielen, als man besonders gegen Fürth und Köln den 10er-Raum nicht geschlossen bekam. Mit zwei zentral-anlaufenden Stürmern und drei 8tern dahinter, war man bedacht die Abstände zwischen den Linien kompakt zu gestalten.

Neuhaus’ Rolle im Anlaufen

Die Gastgeber bauten besonders am Anfang der Partie häufig aus einem 2+1 Block auf, in der die zwei IV vom 6er Höfler zentral unterstützt wurden.
Zwar war die Mittelfeldkette der Gladbacher durch eine Raute des SC (Höfler + einrückende Flügel + 10er) gebunden, allerdings schoss Neuhaus aus seiner Position raus, wenn es z. B. einen Pressingauslöser gab. Höfler stand mit dem Rücken zum eigenen Tor, spielte einen Rückpass zu Lienhart. Neuhaus presste darauf hin, schloss dabei das Passfenster zum RV Kübler, sodass Lienhart gezwungen wurde, über Gladbachs rechte Seite aufzubauen.

Mein persönlicher Wunsch den Gegner zu pressen, nachdem man diesen zwang einen gezielten (also geplanten) Pass zu spielen, der in diesem Fall sogar unsauber ausgeführt wurde, war nicht Teil der Spielidee.
Das wird am Matchplan, tiefer als sonst zu stehen – auch um Kompaktheit zwischen den Linien zu erzeugen – gelegen haben.

Allerdings entstanden Probleme, wenn Neuhaus rausrückte und die Kompaktheit, durch die letzte Kette von BMG, nicht aufrechterhalten werden konnte.
Denn, wenn Neuhaus attackierte und den SC auf die Seite zog, presste Lainer nicht Günter, sondern blieb auch hier matchplanabhängig in der Kette. So musste also Embolo den weiten Weg nach Außen bestreiten. Damit gab man Schlotterbeck die Möglichkeit, wenn Günter Embolo rauszog, frei aufzubauen.

Freiburgs dynamische und flexible Anpassung im Aufbau

Kübler schob meist nicht mehr hoch, sondern rückte in die Kette ein und stellte also eine Asymmetrie mit Günter her. Der Aufbau im 3+1 wurde flexibel von Kübler, oder vom abkippenden Eggestein hergestellt.
Während Sallai und Günter die Wingbacks der Fohlen und jeweils zwei Spieler in letzter Linie die Gladbach-Innenverteidiger banden, konnten Jeong und Grifo sich in zentralen Bereichen aufhalten.

Häufiger sah das ansonsten so aus:
3er Aufbau, Raute im Mittelfeld und zwei Angreifer in den Halbräumen, die Tiefe geben sollten.
So wurde Neuhaus in der Mittelfeldkette gehalten, gleichzeitig musste Luca Netz weite Wege gehen, um Kübler zu pressen und öffnete dabei auch den longline Pass für diesen, der Sallai finden wollte.

Persönliche Vermutung: Streich wollte mehr Tiefe in letzter Linie, die Demirovic nicht geben kann/konnte.
Durch Hölers Einwechslung, der sich zwischen den Linien – als 10er – bewegte, kam zusätzlich erst Weißhaupt, dann Schmid für Jeong rein. Beide Einwechslungen sorgten für mehr Tiefe.
Dabei blieb der Aufbau flexibel. Wenn der SC über links aufbaute, rückte Eggestein wieder auf die 8, Kübler hoch.
Günter blieb konstant hoch. Die Raumaufteilung wurde für BMG zum Problem, weil die Kompaktheit im Mittelfeld veloren ging. Sallai und Schmid – wie eben erwähnt – besetzten die Tiefe und banden die Wingbacks Lainer und Netz. So musste bei Zuspiel von Schlotterbeck zu Günter, Hofmann aus dem Halbraum auf diesen rausschieben, während Grifo sich dann im Halbraum diagonal anbieten konnte.

Generell bewegte sich Grifo in der zweiten Halbzeit, als er vom Flügel ins Zentrum einrückte, freier.
So stellte der Mittelfeldakteuer ballnah Überzahl her, in dem er sich im linken Halbraum auffand. Sallai band Beyer, Lainer und Hofmann agierten somit in Unterzahl gegen drei Freiburger.

Bauten die Breisgauer über ihre rechte Seite auf, so rückte Kübler wieder ein und Eggestein raus.
Gladbach wollte zwar die letzte Verteidigungslinie nicht freigeben und ließ nun die 8ter (i. d. F. Conor Noß), statt Netz & Lainer, anlaufen, allerdings gewann man dadurch auch keinen Zugriff, weil Noß den Rücken freigeben musste, in dem sich Eggestein aufhielt.

Klassisches Muster, wenn Risse entstehen: Einer aus der Kette muss verspätet rausschieben, dahinter belaufen die Gegner die Tiefe.

Fazit

Die Umstellung und auch die Anpassung im tatsächlichen Matchplan waren plausibel und erklärbar. A),weil die Derbyniederlage weh tat und das Selbstvertrauen fehlte, und B), da sich die Probleme im Schließen des 10er-Raums in Vergangenheit öfter auftaten.
Dieses Problem wollte man im 5-3-2 beheben, welches oft gelang.
Andere Schwierigkeiten taten sich auf, wenn Schnittstellen zu groß wurden, weil der SC besonders durch ihre dynamische 3er-Kette und das Spiel über die Halbräume (teils Außen), die Mittelfeldkette der Fohlen auseinander zogen.

Die Borussia schaffte es allerdings nicht ihre Konter zu spielen. Während man das zweite Tor durch Breel Embolo nach diesem Prinzip erzielte, gab es danach kaum mehr Konterszenen, in denen die Gladbacher rein kamen. Zu viel Personal, die sich tief in der eigenen Hälfte befanden, weil die Elf von Adi Hütter sich immer weiter nach hinten zog. Spieler suchen nach emotionaler Sicherheit, wenn Pressing- und Anlaufverhalten vom Gegner überspielt werden. Bälle, die man selbst zu schnell verlor. Folge: Spieler und Mannschaft rücken mit jeder zunehmender Minute tiefer ein, Wege nach vorne werden länger und die personelle Anzahl an tatsächlichen Offensivakteuren werden weniger.

Die mentale Stärke, die Dinge zu korrigieren und es „richtig“ auszuüben, statt sich Sicherheit zu „erkaufen“, indem man (nicht beabsichtigt) vom Plan abweicht, muss man der Fohlenelf in der neuen Saison eintrichtern. Denn:
Das Selbstvertrauen, die Dinge auszuüben, sollten nach der zwischenzeitlichen 0:2 Führung da gewesen sein. So spielte die Mannschaft aber nicht.

Nächster Step: Heimspiel RB Leipzig.


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