Die Defensiv-Analyse der ersten drei BuLi-Spielen unter Adi Hütter

Twitter: @BorussiaExpl

In der neuen BorussiaExplained Analyse geht es um den Saisonstart und die ersten drei Bundesligaspiele. Gegner lauteten: FC Bayern München (U-1:1), Bayer Leverkusen (N-4:0) und Union Berlin (N-2:1).
Die Borussia hatte gute, wie auch weniger gute Szenen. Nach drei Spieltagen bin ich weit davon entfernt Sachen zu bewerten, sondern lediglich eine sportliche Analyse zu betreiben. Dafür beschäftigte ich mich mit Daten, Statistiken und selbstverständlich auch mit Spielanalysen.

Beginnend mit dem Spiel gegen den Ball:
Was lief gut? In welchen Bereichen gibt es noch Entwicklungsbedarf? Los geht´s!

Die Defensive

Die Elf vom Niederrhein hat in nun drei Ligaspielen sieben Gegentore hinnehmen müssen. Im Pokalspiel gegen Kaiserslautern gelang das „zu-Null“ spielen.
Das sieben Gegentore in drei Spielen zu viele sind, erscheint allen logisch. Doch dabei verteidigt die Borussia über weite Strecken solide.
Die Fohlen ließen 39 Schüsse zu, der Liga-Durchschnitt befindet sich bei 37,22 zugelassenen Schüsse, nach den drei Ligaspielen.
Das Manko: In den entscheidenden Szenen, verlieren wir Aktivität und Zweikampfhärte. Näheres dazu später.

Intensität

Adi Hütter versucht die Borussia intensiver spielen zu lassen. Das belegen Wyscout-Daten:

Der PPDA-Wert (Passes per defensive action – „Pässe pro Defensivaktion“) sagt viel über die Intensität des Pressings aus. Die Pässe, die ein Gegner spielt, bis es zu einer Defensivaktion der verteidigenden Mannschaft kommt (z.B. Zweikampf, abgefangener Ball, Foul) werden gezählt. Daher: Umso niedriger der PPDA-Wert ist, desto intensiver spielt die eigene Mannschaft, da sie versucht, so wenige gegnerische Pässe wie möglich zu erlauben.
Wichtig dabei ist: Beim PPDA werden nur die Pässe im Angriffsdrittel gezählt, da man davon ausgeht, dass man im eigenen Verteidigungsdrittel verteidigt.

Hier hat die Borussia derzeit einen PPDA-Wert von 9.13 und belegt Rang 7 im Liga-Ranking. Zur Vorsaison hat sich der Wert (im Moment) um 3,4 Pässe verbessert (der durchschnittliche Wert lag bei 12.53 Pässen und somit Rang 11).

Auch die Herausforderungsintensität (in Englisch „challange intensity“) ist in Ordnung und belegt ebenfalls im Ranking den 7. Rang mit 6,8. Die challange intensity sagt aus, wie viele Defensivaktion die verteidigende Mannschaft pro Minute des gegnerischen Ballbesitz praktiziert. Sprich: Wie aktiv versucht die Mannschaft den Ball zu erobern? Umso höher der Wert, desto aktiver verteidigt das Team, da sie viele Aktionen in Gang setzt, um den Ballgewinn zu forcieren.
Der Liga-Durchschnitt befindet sich zwar bei 6,54, aber dieser Wert kommt vor allem aus den Daten in Frankfurt und Leipzig (8,5 u. 8,1) zustande. Die Bayern auf Rang 6 haben einen Wert von 7,1.
Unser Wert von 6,8 hat sich im Moment auch zur Vorsaison verbessert, denn dieser betrug 5,9.

Adi Hütter arbeitet an den richtigen Stellschrauben und hat in Sachen „Intensität“ im Spiel gegen den Ball bereits was bewirkt.
Doch auch der Österreicher konnte erkennen, dass die Mannschaft Dinge praktiziert, die sich in Statistiken nicht ablesen lassen: die Passivität in den ENTSCHEIDENDEN Zweikämpfen und Spielsituationen.

Denn die Mannschaft presst zwar oft und aktiv, vor allem im Mittelfeld presst nur Union Berlin öfter, aber in den Situationen, in denen sich die Borussia vermeintlich in Überzahl befindet, fehlt die Aktivität und schlägt um in Passivität. Die einzelnen Situationen bahnen sich meistens nicht an und sind nicht allzu schwierig zu verteidigen gewesen.
Das Paradebeispiel dafür lieferte das Spiel am 3. Spieltag gegen Union Berlin. Das 1:0 und 2:0 erklären das Problem der Borussia. Das erste Gegentor entstand zwar zunächst durch einen kapitalen Fehler von Jordan Beyer im Aufbauspiel, dennoch waren wir zwischenzeitlich so schnell hinter dem Ball, dass wir im 3-gegen-2 Überzahlspiel waren. Die Passivität ließ sich im Zweikampf Kramer gegen Kruse beobachten. Kramer stellte den Spielmacher nur, griff nicht aktiv an. Folgerichtig drehte sich Kruse auf und konnte auf die Seite verlagern, auf der die Flanke zum 1:0 der Unioner entstand.

Abbildung 1

Auch das 2:0 liefert Argumente für die These, in der sich Borussia im Überzahlspiel zu wohl fühlt und die nötige Aggressivität vermissen lässt.

In der Situation als Kruse den Steckpass spielte, war die Borussia im 4-gegen-2 Überzahlspiel. Auch hier stand Christoph Kramer nur dabei, statt aktiv in den Zweikampf zu gehen. Auch verpassten Scally, und vor allem Hannes Wolf, den tiefen Laufweg des Stürmers mitzugehen.

Abbildung 2

Pressvorgänge im defensiven Drittel zeigen: Die Borussia wird passiv

Allgemeine Pressvorgänge459xRang 6) in der BuLi
Pressvorgänge im offensiven Spieldrittel108xRang 6) in der BuLi
Pressvorgänge im mittleren Spieldrittel243xRang 2) in der BuLi
Pressvorgänge im defensiven Spieldrittel108xRang 16) in der BuLi
Tabelle 1

Allgemein presst die Mannschaft von Adi Hütter und dessen Trainerteam oft.
Gerade im Mittelfeldpressing sind die Fohlen gewillt, den Gegner unter Druck zu setzen. Thema challange intensity undPPDA hatten wir bereits. Doch im defensiven Pressing wird die Borussia passiv. Die Zweikampfhärte und das aktive Verteidigen lassen sich nicht messen, doch in den einzelnen Situationen ist dieser ein Grund dafür, dass wir trotz Überzahl Tore bekommen, die vermeidbar waren.

Jeder einzelne Spieler, den wir haben, ist ein guter Spieler. Jetzt geht es darum, die Mischung aus schönem Fußball zu finden und der Zweikampfführung, die du brauchst, um ein Bundesligaspiel zu gewinnen.

Wenn wir es schaffen, die fußballerische Qualität mit dem Unangenehmen zu paaren, dann werden wir ganz viele Spiele gewinnen. Aber wenn wir glauben, nur schön Fußball spielen zu können, wird es schwieriger. Wir müssen auch fighten. Am liebsten habe ich die Mischung aus fußballerischen und kämpferischen Qualitäten, dann bist du ein Top-Top-Spieler.“

Eine weitere Statistik, die diese These stützt, lässt sich in den Wyscout-Daten ablesen:

Keine Mannschaft in der Bundesliga führt momentan so viele Zweikämpfe gegen den Ball (224x, gefolgt von Frankfurt 221 und Union Berlin 215x), doch auch hat keine andere Mannschaft eine schlechtere prozentuale Quote von gewonnenen defensiven Zweikämpfen (50,4%, danach: Bochum 55,6%)

TeamAnzahl def. ZweikämpfeGewonnene Zweikampfquote von def. Zweikämpfen
Borussia M´gladbach224 (Rang 1)50,4% (Rang 18)
Eintracht Frankfurt221 (Rang 2)60,2% (Rang 12)
Union Berlin215 (Rang 3)62,3% (Rang 7)
Tabelle 2

Grundsätzlich ist der Hebel, den Hütter versucht anzusetzen, der Richtige. Es wird Zeit benötigen, diesen Prozess weiter voranzutreiben. Denn die Problematik, in bestimmten Spielsituationen passiv zu werden, ließ sich gerade in letzter Saison beweisen, nachdem man 29 Ligapunkte nach Führungen verspielte.

Adi Hütter sprach im Interview mit @fohlenfutter über die Passivität und betonte:

Wenn wir allein das 0:2 (in Berlin) nehmen: Das ist ja nicht schwierig zu verteidigen. Ihr Verhalten zeugt davon, dass die Spieler sich in manchen Situationen vielleicht der Gefahr nicht bewusst sind. Sie denken, dass genügend hinter dem Ball sind, und werden zu passiv, weil sie denken, dass nichts passieren kann. Gerade dann passieren die meisten Fehler, du musst aktiv verteidigen. Zu viele Torchancen haben wir ja nicht zugelassen.“

Gute (offensive) Antizipationen bringen viele abgefangene Pässe hervor

Was in letzter Saison mit vorzeitig abgefangenen Pässen gut lief, wird auch in dieser Saison weiter fortgesetzt.
Mit 135 abgefangenen Bällen, belegt die Borussia in diesem Ranking Platz 6. Der Liga-Durchschnitt liegt bei 126 abgefangenen Bällen.
Vor allem Joe Scally mit 17, Nico Elvedi mit 16 und auch Hannes Wolf mit 14 abgefangenen Bällen, sind Vorreiter in der Mannschaft.
Gerade offensiv konnte Hannes Wolf Bälle klauen, die oft zu Torchancen führten.

Abbildung 3
Abbildung 4

In den ersten drei Bundesligaspielen ließen sich einige Dinge beobachten. Zusammengefasste Themen im bisherigen Artikel:

Positive EntwicklungEntwicklungsbedürftige Bereiche
Borussia presst öfter und intensiverDie Borussia verliert noch zu viele Zweikämpfe
Gerade im Mittelfeldpressing starkIn entscheidenden Spielmomenten zu passiv, im Spiel gegen den Ball
Führen viele Zweikämpfe für BallgewinneZu wenige Fouls: 23 Fouls bisher, sind zsm mit Bayern, die wenigsten in der BuLi
Tabelle 3

*Alle Abbildungen sind von der Scoutingplattform Wyscout

Schreibe einen Kommentar