Die Borussia punktet im Heimspiel gegen den Rekordmeister: Die Nachanalyse

Adi Hütter und seine Elf haben einen großen Fight gegen den FCB geliefert. Eine Leistung, die von allen Fans im Stadion sehr honoriert wurde. Zurecht, denn: Die Energie, die Leidenschaft und das Miteinander auf dem Feld waren zu spüren. Endlich wieder, neigt man zu sagen. Ein wenig fühlte es sich aber so an. Das ist die Basis, für die Saison 21/22.
BorussiaExplained hat sich nochmal mit dem Spiel beschäftigt. Die Analyse folgt nun.
Die 4. Podcast-Folge der Max Eberl Caster-Class ist jedoch schon online, da bekommt ihr bereits einen Einblick von @maetthimoped und mir, was wir zum Spiel gesagt haben.

Hört gerne rein:

Statistiken:

 BMGFCB
Ballbesitz42%58%
Pässe (% – davon angekommen)323 (74%)621 (85%)
Schüsse (davon auf d. Tor)11 (5)20 (10)
Laufdistanz121,8 km119,1 km
Sprints229258
Meistgelaufener SpielerKramer (12,7 km)Kimmich (13,1 km)
Zweikampfquote45%55%
xGoals1,773,19

Aufstellungen beider Mannschaften:

Beide Trainer setzten auf die 4-2-3-1 Grundordnung. Zwar vermischte die Formation vor allem bei den Bayern im eigenen Ballbesitz, meist in ein 4-3-3, in der Müller und Goretzka sich immer wieder in den Halbräumen befanden (Dies habe ich bereits bei der Gegnervorbereitung analysiert, hier der Link: https://borussiaexplained.de/gegnercheck-einschaetzung-zur-elf-von-julian-nagelsmann-zum-saisonauftakt/). Bei der Borussia war es dann schon eher und tatsächlich ein 4-2-3-1, in der meist Wolf, Stindl und Plea die erste Linie im Anlaufen besetzten. Näheres später dazu.

Abbildung 1

Starke erste 15 Minuten in der neuen Bundesliga-Saison

Die Borussia startete wirklich hemmungslos in die neue Saison. Die Elf von Adi Hütter war bedacht, im Angriffspressing frühestmöglich Ballgewinne zu verzeichnen. Dies gelang oft. Zwei von den hohen Ballgewinnen sorgten für zwei dicke Chancen, von der eine davon genutzt werden konnte. Alassane Plea sei Dank.

Pressingmuster BMG:

Die Borussia lief früh an und attackierte auf Pressinglinie 1, agierte also im Angriffspressing. Dazu bildete sich bei der Fohlenelf eine 3-Mann-Linie, die dafür sorgten, jegliche Abwehrspieler des Gegners früh zu attackieren. Durch die vordere 3-Mann-Linie, bildete sich im Zentrum hinter dieser Linie, ebenfalls ein Block mit 3 zentralen Spielern (Stindl, Neuhaus und Kramer). Diese sorgten für Gleichzahl im Mittelfeld, mit dem einen 6er (Kimmich) und den zwei 8tern (Müller und Goretzka).

Abbildung 2
Abbildung 3

Der Plan ging voll auf, denn die Fohlen spielten sich in der ersten Viertelstunde 3 große Möglichkeiten heraus. Die Bayern hätten sich nicht beschweren dürfen, wenn es zumindest 2:0 nach 15 Minuten gestanden hätte.

Direkt zu Beginn, in der 3. Spielminute, als Patrick Herrmann die erste Chance hatte, ließ sich das Pressingmuster verfolgen.

Die Borussia lenkte den FCB auf die linke Seite, dort wurde der Gegner dann auf die Außen gelenkt. Unter Druck spielten die Bayern einen Fehlpass, den Wolf ergattern konnte. Das Spiel war klar: Ballgewinn -> Umschalten -> direkte Tiefe bespielen. In dem Muster versuchte Borussia Mönchengladbach über 90 Minuten gefährlich zu werden. Gelang in dieser Situation, in der Patrick Herrmann mit links knapp das Tor verfehlte.

Abbildung 4
Abbildung 5
Abbildung 6

Das Tor als Paradebeispiel für aggressives Pressing und direktes Umschaltspiel

Das 1:0 war dann das Paradebeispiel dafür, wie Borussia dem FCB weh tun wollte.
Man erkennt in der Ausgangssituation wieder die vordere 3-Mann-Linie, diesmal mit Herrmann statt Wolf, weil der Angriff der Bayern auf der rechten Seite der Fohlen stattfand. Man sieht gut, dass IV Süle nur die Möglichkeit blieb, den Ball auf Außenverteidiger Davies zu spielen, weil das Zentrum gut verdichtet wurde. Patrick Herrmann hatte mit seinem Deckungsschatten den Halbraum gedeckt und gleichzeitig Handlungsdruck durchs Anlaufen gegen Niklas Süle erzeugt.

Nach dem Pass auf Davies, war für Lainer das Pressingsignal gegeben.

Abbildung 7

Lainer lief direkt an, Herrmann sprintete zurück und Kramer kam aus zentraler Position, sodass Davies in der Pressingfalle hing.

Abbildung 8

Als der Ball schließlich erobert worden ist, sind Stindl und Plea direkt in die Tiefe gestartet. Durch die unvorteilhafte Positionierung von Süle, konnte Herrmann den Pass in die Schnittstelle spielen. Stindl und Plea lösten die Situation auf, und letzterer schoss das Tor zum 1:0.

Abbildung 9

Der Plan ging dahingehend auf, dass im Zentrum durch die Gleichzahl an Spielern, die Elf von Julian Nagelsmann einzig der Pass auf die Außenverteidiger möglich war. Als dieser Pass dann gespielt worden ist, attackierte die Fohlenelf.

Die Bayern zogen das Tempo an, die Borussia stand zwangsweise tiefer

Die ersten 15 Minuten waren geprägt von Ballgewinnen und schnelles Umschaltspiel der Borussia. Das Problem begann, als die Bayern anfingen sich zu ordnen und höher zu stehen. Als BMG etwas Tribut für die intensive Anfangsviertelstunde zollte, wurden die Bayern aktiver und aggressiver in ihrem Pressing. Die Borussia fand vorher zwar Lösungen im Umschaltspiel, doch keine im eigenen Ballbesitz, wenn das Umschaltspiel nicht möglich war.

Pressingmuster FCB:

Eine Szene aus der 14. Spielminute verdeutlicht, wie aktiv Bayern wurde. In dieser Szene standen 7 von 10 Feldspielern in der Hälfte der Borussia. Im Beispiel hatte der junge Außenverteidiger Joe Scally den Ball auf den Außen. Die Bayern liefen Bogenförmig an und wollten, dass die Fohlen über Scally aufbauen mussten. Das hatte den Grund, dass der junge Amerikaner als Rechts-Fuß auf der linken Außenverteidiger Position agieren musste. Dies erschwerte ihm die Handlungsoptionen ungemein.

Abbildung 10

Der lange Ball von Scally verpuffte, auch weil Plea nicht der kopfballstärkste Spieler ist, aber vor allem auch darum, weil Upamecano im Verbund mit Süle die Bälle einsammelten wie sonst was. So verpuffte jeder lange Ball der Borussia.

Abbildung 11

In der Grafik sieht man, wie der FCB Überzahl auf der rechten Seite herstellte (5 rote gegen 4 weiße). Joe Scally hatte nicht mal mehr die Möglichkeit, einen Rückpass Richtung Elvedi zu spielen.

Abbildung 12

Die ersten dicken Chancen für den FCB folgten, kurz vor der Halbzeit dann auch der Ausgleich

Folgerichtig kamen dann auch die ersten Chancen des FCB. Auffällig wurden sie zwei Mal per Chipball hinter die Abwehrkette der Borussia. Oft erkannten die Bayern eine Schnittstelle zwischen den Innenverteidigern Elvedi und Ginter, oder zwischen Elvedi und Scally. Diese Lücke bespielten sie punktgenau.

Hier war die Lücke zwischen Scally und Elvedi ein wenig zu groß, sodass Gnabry diesen per Chipball bespielen konnte.

Abbildung 13

Goretzka lag per Kopf den Ball zurück, Lewandowski war einschussbereit, doch Sommer konnte parieren. Nicht das letzte Mal in diesem Spiel… 😉

Abbildung 14

Auch beim 2. Chipball, dieses Mal von Davies gespielt, war die Lücke in der letzten Kette zu groß.
Diesmal konnten Innenverteidiger Elvedi und Ginter die Lücke nicht schließen. Der Ball von Davies kam punktgenau auf den Polen, dieser konnte aus 6-7 Metern nicht verwerten… Yann Sommer sei Dank.

Abbildung 15

Das Tor fiel dann verdient, als Lewandowski sich beim Eckball gegen Nico Elvedi durchsetzen konnte und per Direktabnahme traf. Somit ging es 1:1 in die Halbzeitpause.

Die Bayern wieder drückender aus der Halbzeit gekommen, die Borussia wehrte sich

Der FCB kam wieder drückend aus der Halbzeit. Die Borussia schaffte es zwar hin und wieder einen Ball vorne fest zu machen, aber wiederum nicht, rechtzeitig nachzurücken. Plea opferte sich oft, vor allem gegen Innenverteidiger Upamecano rieb sich der Stürmer auf und versuchte alles.

Ab der 60. Spielminute wurde die Borussia wieder aktiver im Spiel gegen den Ball. Man versuchte wieder höher und früher anzulaufen. Dies gelang zunächst aber gar nicht. Die Abstände zwischen den Ketten waren zu groß, sodass sich die Borussia in der Phase von der 55. – 65. Minute im dauerhaften Risiko befand, auseinander gespielt zu werden.

Ein Beispiel aus der 60. Spielminute verdeutlichte dies:

Wie am Anfang der Analyse beschrieben, die Borussia lief in der 3-Mann-Linie wieder an. Jedoch stimmten die Abstände der Stürmer- und der Mittelfeldkette nicht mehr. Aus der fehlenden Kompaktheit entstanden Löcher, die Bayern bespielen konnte.

Süle konnte zwischen Herrmann und Stindl, den 6er Kimmich finden.

Abbildung 16

Dieser bespielte sich mit Davies und Goretzka aus dem vermeintlichen Pressing der Borussia aus.

Abbildung 17

Lainer war zwischendrin auch wieder aufgerückt, denn wir erinnern uns: Das Pressingsignal unserer Außenverteidiger war gegeben, wenn die gegnerischen Außenverteidiger (in diesem Bsp. Davies) angespielt worden waren.

Dies wurde, anhand des fehlenden Zugriffs im Zentrum zum Problem, weil Goretzka den Chipball auf Davies bis tief in Gladbachs Hälfte hinein spielen konnte.

Abbildung 18
Abbildung 19

Dieser löste noch das 1-gegen-1 auf, brachte die Hereingabe, die unglücklich von Ginter abgefälscht worden war, und fand Lewandowski einschussbereit (8 Meter vor Yann Sommer, dieser konnte wiederholt parieren).

Abbildung 20

Hier nochmal in der Grafik die Ausgangssituation verdeutlicht. Das Zentrum war zu lückenhaft, weil die Abstände zwischen Sturm und Mittelfeld nicht gestimmt haben.

Abbildung 21

Ab der 70. Minute wurde die Borussia wieder für ihr mutiges Anlaufen belohnt

Ab der 70. Spielminute wurde die Borussia nicht nur aktiver, sondern auch wieder genauer in ihrem Anlaufen. Die Abstände stimmten, der Zugriff auf den Gegner war wieder gegeben.
Dies wurde direkt belohnt, indem man wieder Ballgewinne verzeichnete, so wie in Minute 70´:

Die 3-Mann-Linie ist wieder zu erkennen. Durch den Deckungsschatten von Wolf, konnte der Ball nicht mehr zurück ins Zentrum gespielt werden. Der Pass auf die Außen war nicht mehr gegeben, weil die Körperhaltung bei der Ballannahme von Stanisic, keinen sauberen Pass gewähren konnte. Diese Situation nutzte Wolf durch sein aggressives Spiel gegen den Ball aus. Nach Ballgewinn ging es, wie schon in der 1. Halbzeit, direkt ins Umschaltspiel.

Abbildung 22

Thuram lief direkt in die Tiefe, dieser bekam den Ball auch von Wolf. Der Franzose ließ den Ball klatschen, Stindl kam im Bogen angelaufen und zog direkt im ersten Kontakt ab. Neuer parierte gerade noch so.

Abbildung 23

Zwei Elfmetersituationen sorgen für Unverständnis

Die Borussia war wieder so richtig da. Der Ballgewinn und die darauffolgende gelungene Aktion war der Indikator, für weitere starke 20 Minuten im Spiel. Die Elf von Adi Hütter war wieder im Spiel. Belohnte sich für ihr Spiel durch zwei gute Chancen, die knapp nicht verwertet werden konnte. Thuram rutschte am Ball vorbei, nach Hereingabe von Lainer (Minute 77´).
Vier Minuten später wurde es dann hitzig im Stadion. Wieder spielte sich die Borussia auf der rechten Außenbahn frei, Hofmann stand an der Strafraumkante, brachte die Hereingabe, doch Stindl verpasste knapp den Ball. Währenddessen wurde aber Stürmer Thuram eindeutig von Upamecano zunächst unten am Fuß getroffen und anschließend am Arm festgehalten, sodass die Nummer 10 gefallen ist. Kein Elfmeter. Auch vier Minuten später, als die Fohlenelf erneut einen hohen Ballgewinn, in Person von Marcus Thuram, verzeichnen konnte, gabs im Anschluss keinen Elfmeter. Thuram ging in die Box, wurde erneut von Upamecano gezogen und an sämtlichen Körperteilen getroffen. Auch hier: Kein Elfmeter. Wieso? Weshalb? Warum? Das wissen nur Marco Fritz und der VAR-Keller, der in Köln beheimatet ist.

Fazit

Das Spiel gab viel mehr her, als nur die zwei strittigen Entscheidungen von Schiedsrichter Marco Fritz. Das Spiel gab dem Borussia-Park wieder seine Fans zurück. Auch wenn es „nur“ 23.000 Zuschauer waren, es fühlte sich an wie 54.000. Das Stadion war getrieben von der leidenschaftlichen Leistung der Mannschaft, die sich um keinen Meter zu schade waren. Dies belegen die Laufwerte auch statistisch: 121,8 km lief die Elf von Adi Hütter.

Das Spiel zeigte auch, welchen Fußball wir unter dem neuen Trainer erwarten dürfen. Intensive Zweikampfführung in allen Spielfeldzonen, mit blitz-schnellem Umschaltspiel. Die Borussia tat dem Rekordmeister regelmäßig weh, indem man ganz schnell die Tiefe fand. Aber natürlich war nicht alles perfekt und auch gibt es Sachen, die man verbessern muss. Die Borussia definierte sich im Spiel gegen den Rekordmeister ausschließlich über das Umschaltspiel. Bei eigenem Ballbesitz fand man zu selten eine Möglichkeit, sich aus dem Pressing des FC Bayerns, zu befreien. Doch: Nach dieser Leistung sollte man nun dem Trainerteam rund um Adi Hütter das Vertrauen schenken, dass in Zukunft diese Dinge auch besser laufen werden. Zumal auch nicht jedes Wochenende der Gegner „FC Bayern München“ lautet.

Das Spiel hat definitiv Lust auf mehr gemacht. Wir dürfen gespannt verfolgen, wie sich die Mannschaft in den nächsten Wochen entwickeln wird. BorussiaExplained wird begleiten!

  • Alle Abbildungen sind von der Scoutingplattform Wyscout
  • Ein großes Danke an @WaveDZN, für das Beitragsbild, welches ich verwenden durfte!

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