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Die Analyse zur zweiten Heimniederlage in Folge – BMG-SGE 2:3

Die Analyse zur Niederlage der Fohlen gegen die Eintracht aus Frankfurt (2:3).

Aufstellung
Die Elf von Adi Hütter musste zwangsläufig Kapitän Lars Stindl, Jonas Hofmann und Nico Elvedi ersetzen.
Für Elvedi rückte Denis Zakaria in die 3er-Kette ein, Lazlo Benes übernahm wiederrum die Doppel-6 mit Manu Kone. Florian Neuhaus ersetzte positionsgetreu Hofmann im 3-4-2-1 (5-2-3 gegen den Ball). Luca Netz kam für Stindl hinein, Alassane Plea ersetzte Marcus Thuram.

Abbildung 1: Aufstellung BMG

1. Halbzeit

Die erste Halbzeit war geprägt von Kontrolle, solider Zweikampfführung und Stabilität im eigenen Defensivdrittel.
So hatte die Borussia mit Ball einen Aufbau in einer 3er-Kette, mit meist breitstehenden Halbraumverteidigern Bensebaini und Ginter.

Abbildung 2: Aufbau 3er-Kette

Den Effekt dieser Positionierungen hatten Luca Netz und Joe Scally, die weiter hochschieben konnten.

Abbildung 3: Langer Ball von Bensebaini zu Netz

Über die linke Angriffsseite der Fohlen, konnte man Gefahr ausstrahlen und auch darüber das Tor einleiten.

Der Führungstreffer – Neuhaus 6´

Abbildung 4: Konés Raumauflösung

Die SGE hatte die Borussia in der Entstehung des Tores zu Beginn eigentlich dort, wo sie den Gegner haben wollte. Zugestellt im Zentrum, auf die Außen gelockt, Gleichzahl und kein offenes Passfenster für den Gegenspieler.
Kones Ballgeschick führte dazu, dass dieser erst an Jakic, dann an Sow vorbeizog, und den bereits in die Tiefe startenden Flügelverteidiger Luca Netz einsetzten konnte.
Starke Einzelleistung hier des Franzosen.

Abbildung 5: Konés tiefer Pass zu Luca Netz

Der Pass zu Netz war auch deshalb möglich, weil Tutas Positionsspiel dies zuließ. Der Halbraumverteidiger deckte Plea bis in die Gladbach-Hälfte durch, was richtig war. Nach Kones erstem Überlaufen an Jakic vorbei, fehlte die Absicherung der Tiefe.

Abbildung 6

Spätestens in diesem Moment, wo Tuta erkannte, dass Kones Passfenster zu Plea (Tutas Gegenspieler) gar nicht mehr offen war, und sah, dass Netz den Vorsprung auf Rechtsverteidiger da Costa hatte, hätte der Sprint zurück Schlimmeres verhindern können. Dieser kam, aber zu spät, sodass Kones Pass Netz hinter der Kette fand.

Abbildung 7

Durch Tutas Fehlen, mussten alle anderen Beteiligten der Kette durchschieben. So rückte Hinteregger aus dem Zentrum auf die halbrechte Position raus, N´dicka aus der halblinken ins Zentrum, und Kostic war gezwungen, für ihn unbequeme Laufwege nach hinten zu machen.

Abbildung 8

Dass er diese nicht gerne macht, ist bekannt. Nutzte Flügelverteidiger Joe Scally aus, der die Flanke von Netz erfolgreich auf den im Rückraum lauernden Neuhaus ablegen konnte. Erster Schuss – erstes Tor für die Borussia.

Nach dem Führungstreffer war die Borussia Herr im Haus, ohne dabei Dominanz auszustrahlen. Nach Ballgewinnen versuchte die Elf von Adi Hütter schnell umzuschalten, meist über Luca Netz. Die letzte Entschlossenheit fehlte dabei, sodass die Folgeaktion nachdem ersten Pass fehlte.

Das Spiel im Ballbesitz war jedoch zu ideenlos, gerade im letzten Drittel waren die Laufwege nicht gefährlich und vertikal genug, sodass mehr horizontal gespielt wurde.

An Stabilität im Spiel gegen den Ball verlor Gladbach in der ersten Hälfte aber nie.
Umso typischer, dass der Ausgleichstreffer quasi selbsteinladend fiel.

Der Ausgleichstreffer in der Entstehung

Gladbach befand sich im Aufbau, als Zakaria den Ball zu Yann Sommer zurückspielte. Der Pass zum Keeper zurück, war in dem Moment der einzig Richtige. Die erste Kette war noch ein wenig vorgerückt, weil die Fohlen einen Freistoß knapp über der Mittellinie hatten, Bensebaini und Ginter eigentlich für den langen Ball vorrücken wollten. Zakaria spielte ihn dann doch kurz aus, sodass beide Innenverteidiger die angefangenen Wege wieder abbrechen mussten, aber in erster Linie fehlten.

Abbildung 9: Zakarias Rückpass zu Yann Sommer

Dann kam der Pass von Yann Sommer zurück zu Denis Zakaria sehr unsauber, zwang ihn weit raus.
Lindström erkannte die Situation, presste den Schweizer sofort, dieser hatte den Ball auf dem linken, legte sich diesen auf den rechten. Der Platz vor ihm war verlockend, doch Zakaria rechnete nicht damit, dass Borre den Laufweg mitging.
So kam der zentrale Innenverteidiger in Schwierigkeiten, verstolperte den Ball, den Rode abfing.

Abbildung 10

Dann entstand im Zentrum eine 2-gegen-2 Situation. Benes agierte hier zu ballorientiert. Zwar ist in dem Standbild Stürmer Borre noch im Abseits, doch der Linksfuß hatte seinen Gegenspieler nicht im Blick, spielte möglicherweise sogar auf Abseits, indem er versuchte, auf einer Höhe mit Bensebaini zu agieren.

Abbildung 11

Florian Neuhaus versuchte zu unterstützen, erkannte die Problematik und lief zum eben angesprochenen Gegenspieler Borre.

Abbildung 12

Die letzte Entschlossenheit, der aller-letzte Schritt fehlte hier. Neuhaus ist in Mann nähe, aber nicht unmittelbar bei ihm, sodass der Pass von Lindström – unberührt- Borre finden konnte.

Möglichweise spielte Neuhaus auch hier auf Abseits. Man erkannte im Live-Bild, wie Neuhaus – bei Zeitpunkt Hereingabe – einen Step zurück machte, um auf einer Höhe mit Benes und Bensebaini zu sein.

Abbildung 13

2. Halbzeit startete furios

Während die erste Halbzeit von Stabilität geprägt war, begann die zweite Halbzeit umso furioser, leider in Richtung der Frankfurter.
Die SGE erzielte in der 50. Spielminute durch Jesper Lindström den 1:2-Führungstreffer.

Das Tor in der Entstehung:

N´Dicka dribbelte an, Kone lief zunächst halbherzig an. Ginter lief aus der 5er-Kette raus, um Kamada gleich unter Druck zu setzen. Dies war die absolut richtige Entscheidung. Noch in Leipzig habe ich ihn dafür kritisiert, dass er aus der – in der Aktion entstandenen 5er-Kette, durchs einrücken von Zakaria – 5er-Kette nicht rausrückte, um Kampl zu pressen. Wichtig bei der 5er-Kette ist, dass wenn einer der Innenverteidiger rausrückt, dass die beiden äußeren Verteidiger um ihn herum ein wenig einrücken, um die aufkommende Lücke zu schließen. In dem Fall ging es um Zakaria und Scally, aber vor allem erstgenannter hatte diese primäre Aufgabe, weil Scally auf den Außen am Gegenspieler gebunden war.

Abbildung 14
Abbildung 15

Zakaria rückte allerdings nicht hinein, blieb in seiner zentralen Position stehen, damit konnte N´Dicka den tiefen Laufweg aufnehmen, Kamada diesen bespielen.

Abbildung 16

Dennoch hatten die Fohlen in der Zentrale lediglich zwei Gegenspieler (Borre und Lindström) zu decken. Netz hatte Lindström, Bensebaini den Stürmer Borre in Manndeckung.

Abbildung 17

Allerdings orientierte sich Netz immer weiter weg vom Gegenspieler Lindström, blieb am zweiten Pfosten stehen.
In der Box angekommen, lief der Gegenspieler zum ersten Pfosten und Luca Netz konnte nicht mehr mitlaufen, weil dieser den Abstand vorher nicht verringerte.

Abbildung 18

So kam Lindström frei zum Abschluss und netzte ein.

Abbildung 19

Die Halbzeit begann furios und so ging sie auch weiter.
Bensebaini konnte in der 55. Minute den Ausgleich nach Foulelfmeter erzielen, den Manu Kone rausholte, um lediglich eine Minute später wieder den Gegentreffer zum 2:3 zu kassieren.

Der dritte Gegentreffer in der Entstehung:

Die Borussia wurde „zu emotional“. Die Ruhe war nicht mehr da in der zweiten Hälfte. Benes hatte hier die Möglichkeit, den Ball anzunehmen, zu verlagern. Ruhe im Ballbesitz ist wichtig, wenn die Mannschaft nicht umschalten kann.
So gewann die Eintracht den Ball.

Abbildung 20

Hinteregger schlug den Ball, nachdem der Pressschlag von da Costa und Netz beim Österreicher landete, lang auf Kamada.
Ähnliches Problem nun, wie beim zweiten Gegentreffer der Fohlen:

Wieder forcierte Ginter den aggressiveren Weg, attackierte Kamada sofort. Zakaria war am Mann gegen Borre.

Abbildung 21

Kamada konnte sich in seiner Bewegung gegen Ginter durchsetzen. Grundsätzlich ist der Gedanke zum offensiven Pressing der Richtige, wenn die Absicherung stimmt. Zakaria war in dieser Situation allerdings zentraler (letzter Mann), hätte zudem erkennen müssen, dass Kamada einen Vorsprung auf Ginter hatte, somit ein 1-gg-2 Unterzahlspiel für den Schweizer gegen Kamada und Borre entstand.
Die Sicherung der Tiefe (Laufweg in Blau, Abb. 22) wäre der Richtige gewesen, um den Steckpass von Borre zu Kamada zu unterbinden.

Abbildung 22
Abbildung 23

Defensive der Fohlen nach dem 2:3 vogelwild

Die Phase von der 55. Spielminute bis zur gelb-roten Karte vom Frankfurter Innenverteidiger (70. Minute) war dann endgültig vogelwild, sodass die Frankfurter zu mehreren Torchancen gelangen.
Lindström kam in der 59. Minute zum Abschluss, traf den rechten Pfosten. Eine Minute später rettete Sommer erneut eine Torchance von Lindstörm, der aus sechs Metern zum Abschluss kam.

Die gelb-rote Karte von Tuta brachte Frankfurt zum Überlegen, zogen sich zurück und trauten sich auch kaum zum Konterspiel, sodass die Fohlen ihren Druck erhöhen konnten.
Die Fohlen fanden die Räume in den Halbräumen besser, gerade Kone wurde oft vor der Box gefunden. Zu Abschlüssen kam man, jedoch parierte Trapp regelmäßig.


Fazit

Die Borussia hatte vor allem gegen SC Freiburg und RB Leipzig ein Einstellungsproblem im Spiel gegen den Ball. Die diversen Probleme wurden angesprochen, dass Laufwege nicht mehr nachgegangen wurden, Zweikämpfe – trotz Überzahl – nicht gewonnen/ nicht geführt worden sind.
Der Elf von Adi Hütter konnte man zumindest in puncto Einstellung nicht viel vorwerfen.
Die erste Halbzeit war zumindest gegen den Ball stabil, mit Ball wirkte es ein wenig träge.
Diese wurde dann durch den individuellen Bock von Zakaria zerstört. Die zweite Halbzeit begann gleich mit dem zweiten Gegentreffer. Spätestens nach dem 2:3 spürte man die Verunsicherung deutlich, aber auch, wie groß die taktischen Probleme in der Defensive sind.
Dem Trainer Adi Hütter mache ich keinen Vorwurf, als die Mannschaft sich gegen SCF und RB abschießen ließ. Dem Österreicher mache ich dann einen Vorwurf, wenn die Einstellung des Teams stimmt, und die Gegentore aus spieltaktischen Gründen entstehen. Dies ist gestern passiert.
Zakarias Verhalten in der zentralen Innenverteidiger-Position wurde zum Opfer der Niederlage.

Fragestellung lautet hier: Inwiefern wurde das Verhalten der Kette trainiert? Wie sollen die Abläufe stattfinden? Hier war kein System zu erkennen. Daran gilt es dringend zu arbeiten, liebe Borussia!

Eine Antwort auf „Die Analyse zur zweiten Heimniederlage in Folge – BMG-SGE 2:3“

Fragestellung lautet hier: Inwiefern wurde das Verhalten der Kette trainiert? Wie sollen die Abläufe stattfinden? 

Ich versuch’s mal:

Erstmal denke ich, dass der kurzfristige Ausfall von Elvedi ein Schlag uns Kontor war. Jetzt wird das „Jonas Hofmann-Phänomen“ deutlich, das zeigt, wie wichtig Nico für uns ist. Er ist der nominell zentrale Mann in unserer Dreierkette.

Zu Zak: Er ist von seiner Struktur her einfach ein box-to-box-Spieler, der auch in kleinräumigen Situationen versucht sich aus der Bedrängnis zu spielen/kombinieren, um dann „großschrittig“ Räume zu überbrücken. Der Bock ist natürlich nicht zu rechtfertigen, obwohl er diese Position zwar, seit Mainz auswärts, erst 3x gespielt hat. Trotzdem, ein Spieler seiner Qualität muss da mehr Stabilität vermitteln und taktisch disziplinierter spielen. Da fehlt mir das Bewusstsein für die Kernaufgabe, auch wenn die „Stammkette“ eigentlich aus Ginter, Elvedi und Ramy besteht.

Dies zur Einleitung.

Konkret denke ich, dass das Verhalten in der Kette natürlich trainiert wird; das steht ja außer Frage.
Ich finde, dass man durch die permanenten Ausfälle eine gewisse Sensibilität für einen Plan B entwickeln muss, indem man in den Einheiten verschiedene Besetzungen der Dreierkette trainiert, was vielleicht auch passiert. Denn Adi ist ja nicht doof.
Nochmal in aller Deutlichkeit: An ihm liegt’s nicht!
Aber jeder weiß auch, dass kein Training die Abläufe eines Spiels 1 zu 1 simulieren kann.

Ich bin mir auch sicher, dass die Spieler einen gewissen taktischen Regelkatalog haben, diesen aber momentan im Spiel einfach nicht anwenden.

Zur Ablauforganisation:
Verbesserungswürdig finde ich – und das ist anhand der Gegentore offensichtlich:

– Das Einstreuen von sog. „klaren Bällen“, statt des risikobehafteten Rauskombinierens, wenn man ins Gegenpressing gerät oder durch Pässe in tote Räume – Sommer vor dem Ausgleich – in Bedrängnis kommt. Danach hat man Zeit sich wieder neu zu stellen und Kompaktheit gegen den Ball zu zeigen.

– Es fehlt einfach das richtige Timing zum Verschieben und das sog. Durchdecken, wenn einer aus der Kette gezogen wird oder aus der Kette tritt – Ginter beim 1:2. Die schnelle Auffassung, Reaktion und Durchführung der Gefahrensituation ist stark verbesserungswürdig. Besonders fahrlässig finde ich den fehlenden Körperkontakt in der Box, den fehlenden Schulterblick für den einlaufenden Gegner im Rücken und den fehlenden Blick für den ballnahen Gegner. Außerdem werden weder der direkte Schussweg noch der direkte Passweg geblockt. Fehlende Basics, die alles ausmachen können und es aktuell auch leider tun.

– Es ist zur Regel geworden, dass wir Kopfballduelle am Mittelkreis verlieren und dann ohne Restverteidigung stehen. Nachrückende Gegenspieler können ungehindert auf Sommer zulaufen ohne ins direkte Laufduell zu müssen. In den Zweikampf kommt man dann sowieso nicht mehr, weil verzögerte Wahrnehmung für die Situation- siehe voriger Abschnitt.

Warum hat man nicht die Geduld, sich einfach mal fallen zu lassen und den Ballführenden auf sich zulaufen zu lassen? Man kann sich stellen, das Zentrum schließen, den Gegner nach Außen leiten oder der Nebenmann gibt das Kommando zu „draufgehen.“ Ein bunter Strauß von Möglichkeiten.

Kommt es allerdings zum unvermeidlichen 1 gegen 1 im Kopfballduell im Mittelkreis:
Hier muss entweder die Körperlichkeit da sein, das Kopfballduell auf jeden Fall zu gewinnen oder wenigstens den Gegner durch Körpereinsatz daran zu hindern den Ball zu verlängern, ggf. auch durch pures „in den Mann gehen“. Die Konsequenz ist allenfalls eine gelbe Karte und ein Freistoß gegen eine sich wieder kompakt gestellte Mannschaft.
Womit sich der Kreis schließt.

Zum Abschluss: Ich teile Kramers Meinung, dass es eine Leistungssteigerung war. Hoffen wir mal, dass sich die Quantität dieser Steigerung in Sinsheim möglichst gleichmäßig über das ganze Spiel verteilt und wir zumindest mal die Null halten können.

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