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Der erste Auswärtssieg in Wolfsburg nach 18 Jahren! – Die Taktikanalyse


Die Borussia und die jeweilige Auswärtsfahrt nach Wolfsburg… in der Regel eine Fahrt zum Vergessen. Dieses Mal nicht. Die Borussia legte nach dem Sieg gegen den BVB direkt nach, und gewann nach 18 Jahren ein Auswärtsspiel in Wolfsburg.
Die Elf von Adi Hütter verfolgte einen klaren Plan: Mannorientiertes Spiel über dem ganzen Feld, Ballgewinne und Konterchancen nach Umschaltsituationen. Embolo war ein Faktor für das Aufbauspiel der Fohlenelf. Näheres nachher…


Grundordnungen

Adi Hütter schickte seine Elf, die gegen Dortmund bestand (mit Ausnahme Jantschke), auf das Spielfeld. Hofmann agierte offensiver, im rechten Halbraum. Gegen den BVB ließ sich Hofmann oft in die Mittelfeldkette, neben Zakaria fallen, um im Aufbau unterstützend zu wirken. Die Idee mit Ball war nun eine andere, sodass mehr Personal auf letzter Linie nötig war.

Abbildung 1

Taktik-Analyse

Die Borussia schaffte es erneut in die Zweikämpfe zu kommen. Der Kampf um jeden Ball war da, die Einstellung zum komplizierten Auswärtsspiel in Wolfsburg war gegeben.

Die Borussia nutzte dazu, wie bereits im Heimspiel zuvor, ein mannorientiertes Anlaufen. Gerade im Mittelfeld war es Adi Hütter wichtig, Mann gegen Mann zu stehen.

Gegen den 2-1 Block im Mittelfeld der Wolfsburger (Doppel-6 Arnold & Guilavogui + ein Zehner, meist Waldschmidt), reagierte Borussia mit einem 1-2 Block.

Abbildung 2

Kone und Hofmann liefen die 6er der Wölfe an.  Zakaria verschob als einziger 6er auf den ballnahen Zehner Lukebakio. Auch auf den anderen Spielfeldzonen wurde Mann gegen Mann gespielt.
Linker Flügelverteidiger Netz lief Gegenspieler Mbabu (Rechtsverteidiger) an, Beyer sicherte durch, wenn der jeweilige Flügelspieler sich tiefer anbot. So auch auf der anderen Seite mit Scally und Ginter. Elvedi durfte sich gegen Stürmer Weghorst beweisen.

Abbildung 3

Somit hatte die Borussia oft 1-gegen-1-Duelle, die es zu gewinnen galt. So konnte die Fohlenelf gerade in den ersten 15 Minuten 60% ihrer Zweikämpfe gewinnen. Zudem konnte die Mannschaft in der ersten Viertelstunde die meisten Balleroberungen verzeichnen, welche elementar für das forcierte Umschaltspiel waren.

Abbildung 4: Werte von Wyscout

Dadurch, dass die Borussia überall Zugriff hatte, konnte sie, auch in offensiv schwächeren Phasen, Bälle gewinnen. Wolfsburg blieb nichts anderes übrig, als sich auf den langen Pass zu verlassen.

Halbzeit: Umstellung von Mark v. Bommel sorgte für Entlastung in ihrem Aufbauspiel

Der Niederländer stellte um, und sorgte für eine veränderte Raumaufteilung im Aufbauspiel, um im Zentrum Anspielstationen zu schaffen, welche gelang.

Abbildung 5

Der VfL Wolfsburg, der bereits in Phasen der ersten Hälfte in ein 4-3-3 kippte, hatte nun klare Strukturen in ihrer neuen Grundordnung.

Abbildung 6: Screenshot Fohlen.TV

Der vorherige Block im Mittelfeldzentrum 2-1, wurde umgestellt auf ein 1-2. Damit zwang man Kone (ab der 60´ Kramer), sich eine Linie tiefer fallen zu lassen, damit dieser noch Zugriff auf den neuen 8ter der Wölfe hatte.

Abbildung 7

Dazu rückte Arnold in den rechten Halbraum raus, Guilavogui ließ sich beinahe in die erste Kette fallen und Waldschmidt sorgte für die diagonale Anspielstation.
Hofmann war von der äußeren Positionierung von Arnold verwirrt, der ihn dann versuchte zuzustellen, obwohl Kramer bereits da war. Hier wäre die Kommunikation durchaus wichtig gewesen. Durch Zakarias zu passivem Stellungsspiel, wurde die Anspielstation im Zentrum frei.

Und wenn die Wölfe doch in ihrem alten 4-2-3-1 System aufbauten, dann schaffte man es im Zentrum Überzahl zu schaffen, sodass man Zakaria zur Entscheidungsnot zwang.

Abbildung 8

Borussias Gegentor

Die Borussia fang sich ein „Ping-Pong“ Tor, welches zwar sicherlich glücklich in der Entstehung, aber kein Zufall war. Denn die Fohlen taten ihr übriges, mit der Besetzung der eigenen Box, dazu bei.

Die eigentliche Besetzung sah so aus:

Abbildung 9

Netz deckte den zweiten Pfosten, die danach positionierenden Innenverteidiger deckten die Zonen zentral vor der Box, und nahmen den jeweiligen Gegenspieler in Manndeckung.

Beim Gegentor fielen mehrere Dinge zusammen.
Luca Netz´ fehlende Rückwärtsbewegung ist definitiv ein Punkt, siehe Abbildung 10. Dessen fehlende Besetzung am zweiten Pfosten, zwang Beyer, aus dem Zentrum raus zu rücken, um Weghorst zu decken. So entstand ein 2-gegen-1-Unterzahl Spiel zentral vor Elvedi am Elfmeterpunkt.
Beyer hätte in der Situation das kleinere Übel wählen können (müssen), und den nach außen schlechterem postiertem Gegenspieler außer Acht lassen, um zentral die wichtigere Zone in Gleichzahl zu stellen (Abbildung 11).
Zakaria musste den Raum dort decken, um a) eine Rückraumbesetzung des Gegners zu verhindern und b) einen möglichen Konter, nach Abpraller z.B., einzuleiten.

Abbildung 10: Screenshot Fohlen.TV
Abbildung 11: Screenshot Fohlen.TV

Borussias lange Bälle sorgten für die Tore

Die Borussia begann furios ins Spiel und konnte nach 7 Minuten 0:2 führen. Die Entstehung der Tore fiel beide Male nach dem gleichen Schema, welches sich noch durch das komplette Spiel gezogen hat.

Wolfsburg presste hoch, in nahezu identischen Abläufen, wie unter Oliver Glasner. Die Borussia reagierte auf das hohe Anlaufen der Wölfe clever. Dadurch, dass die Außenverteidiger hochschoben und die Innenverteidiger durchsicherten, gab es auf der letzten Linie des VfL Wolfsburg nicht mehr allzu viel Personal.  Das kam Embolo zu Gute, der durch lange und hohe Bälle von seinen Mitspielern eingesetzt worden ist.

So auch das Muster bei beiden erzielten Toren der Fohlen. Netz wurde vom Rechtsverteidiger Mbabu gepresst, dieser fackelte nicht lange, und spielte sofort den langen Ball, der somit Embolo zu einem Laufduell gegen Bournaw führte.

Abbildung 12
Abbildung 13
Abbildung 14: Hier zu sehen, dass nur noch Bournaw hinter dem Ball stand.
Embolo war ein effektives Mittel, um das hohe Anlaufen der AV und IV zu brechen.

Das zweite Tor nur zwei Minuten später

Auch hier entstand das Tor aus demselben Muster im Aufbauspiel.
Wieder zu sehen, wie der Rechtsverteidiger Mbabu hochschob, der Rest der Wölfe sicherte durch.

Abbildung 15

Dieses Mal spielte Netz den Ball zurück zu Beyer, der nun den langen Ball zu Embolo spielte.

Abbildung 16

Wolfsburg sicherte nun mit dem 6er Guilavogui durch, damit beide Innenverteidiger der Wolfsburger auf der letzten Linie absichern können. Doch in dieser Situation war der Abstand zwischen Bournaw und Linksverteidiger Gerhardt zu groß, sodass Hofmann in diesem Raum durchstarten konnte.
Wie Breel Embolo sich an der Außenlinie gegen zwei physisch starke Gegner durchsetzte und den Schnittstellenpass spielte, war pure Weltklasse.

Abbildung 17

Dass die Borussia ungewöhnlich oft den langen Pass wählte, ließ sich auch in den Daten belegen:

Die Borussia spielte lediglich 381 Pässe, davon einen prozentualen Anteil an langen Pässen von 12%.

Zum Vergleich die Passwerte und deren lange Bälle, in den Spielen gegen den BVB und FCA.

 WOBBVBFCA
Gespielte Pässe381525576
Davon %-lange Pässe12%5%6%
Abbildung 18: Werte von Wyscout

Vor allem Embolo war bei den langen Bällen der Zielspieler. Oft versuchten die Borussen, die zwei vorderen Linien durch einen Chipball auf Embolo zu überspielen, um vor die letzte Kette der Wolfsburger zu gelangen.

Abbildung 19
Abbildung 20

Borussias Umschaltspiel sorgte für Tore und Platzverweis(e)

Die Borussia war gewillt durch Balleroberungen und die dementsprechend kreierten Umschaltmomente für sich zu nutzen.
Nachdem Elvedi eine missglückte Ballannahme von Lukebakio auffangen konnte, ging es vertikal nach vorne. Stindl bekam den Ball, das Gegenpressing der Wolfsburger war in der Bildszene in Abbildung 17 nicht verkehrt, doch Hofmann konnte durch die – in der Einleitung erwähnt – offensivere Position, in zentrale Räume stoßen, den Stindl dort stark bespielte.

Abbildung 21

Danach wurde im schnellen Tempo gespielt. Hofmann und Embolo legten sich die Bälle gegenseitig hin, sodass erstgenannter am Ende vor dem Kasten der Wölfe stand. Der etwas schwächere erste Kontakt verhinderte eine noch bessere Schussposition.

Abbildung 22
Abbildung 23

Auch die gelb-Rote Karte an Lacroix in der 76. Spielminute, entstand durch schnelles Umschaltspiel, welches Embolo am Ende durch das Foulspiel im Strafraum für sich nutzen konnte. Den Ballgewinn konnte Kramer schaffen, indem er Guilavogui tief in eigener Hälfte störte und in einen Zweikampf verwickelte.

Abbildung 24

Der eigentliche Platzverweis von Roussillon war ebenfalls ein Endergebnis vom schnellen Konterspiel, der Elf von Adi Hütter.
Der eingewechselte Alassane Plea gewann im Gegenpressing den Ball, legte sich diesen am nächsten Gegenspieler sauber vorbei, um dann Hofmann erneut in den Raum zwischen dem Innen- und Linksverteidiger, zu schicken. Hofmann wurde gefoult, die ursprüngliche rote Karte danach zurückgenommen.

Abbildung 25
Abbildung 26

*Alle Abbildungen sind von der Scoutingplattform Wyscout
*Abbildungen 6,9 und 10 vom Fohlen.TV

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