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Daniel Farke: Taktikanalyse Defensive – Norwich City vs. ManCity 3:2 – 19/20

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum)

Seit Samstag Mittag steht fest:
Daniel Farke ist bis 2025 der neue Coach der Fohlen.
BorussiaExplained freut sich über diese Personalentscheidung und begrüßt diese.

Die erste Analyse über den neuen Cheftrainer wurde bereits Mitte Mai veröffentlicht, als es um eine Profilbeschreibung des Trainers ging und spieltaktische Elemente in seinem Spiel im Ballbesitz.

Dass der Trainer nicht nur für das Spiel mit Ball steht, sondern selbstverständlich – wie jeder andere Trainer auch – für gewisse Defensivprinzipien steht, ist logisch.

In der Analyse möchte Deniz (@DenizimHalbraum) diese anhand des Ligaspiels von Norwich gegen Manchester City in der Saison 19/20 aufzeigen, als die Elf von Daniel Farke am 5. Spieltag Pep Guardiola 3:2 schlug.

Defensivverhalten: Kompaktes 4-2-3-1

Gegen Manchester City agierte Norwich gegen den Ball im 4-2-3-1 und im Abwehrpressing.
Pep ließ im Spiel aus einer relativ flachen 4er-Kette aufbauen, in der Walker zwar wie gewohnt ins Halbfeld einrückte, um die Flügel für den direkten Pass zu öffnen, aber Cantwell (LF im Norwich Spiel) ließ sich nicht rausziehen.

Im Zentrum agierte Pukki gegen die zwei Innenverteidiger Otamendi und Stones, während Zehner Stiepermann Rodri als Solo-Sechser mannorientiert zustellte.
Generell ließen sich Mannorientierungen der Doppel-Sechs Tettey und McLean im Zentrum von Norwich beobachten, die die Achter D. Silva und Gündogan zustellten.

Verlagerte ManCity auf die andere Seite, so rückte Stiepermann raus um anzulaufen und Pukki rückte im Kettenmechanismus ein, um Rodri zuzustellen.
Norwich wollte City nicht über das Zentrum kommen lassen, sondern frühzeitig auf die Außen lenken.

Das Halbfeld war für Manchester City ebenfalls geschlossen, dadurch dass die Flügelspieler in dieses einrückten. So ist in folgender Abbildung zu erkennen, wie Sechser Mclean und LF Cantwell den Halbraum für Gündogan verdichten.
Otamendi spielt dadurch den Ball auf die Außen.

Für die Pep Elf ist das im Regelfall kein Problem, da das Kreieren der Eins-gegen-Eins-Duelle auf der Außenbahn, die durch technisch starke und meist dynamische Flügelspieler ausgestattet sind, ein übliches Mittel ist, um an die Grundlinie / in die Box zu gelangen.

Farke und Norwich waren darauf vorbereitet:
Cantwell verschob mit auf die Ballseite, ließ sich, wie vorhin beschrieben, nicht von Walkers Positionierung rausziehen, sodass dieser die Flügel doppeln konnte.

Die Tiefenläufe der Achter sind wichtig für City, um den Sechser von Norwich McLean nicht die Möglichkeit zu geben, B. Silva auf den Flügeln zusätzlich zu attackieren, der in der Theorie von ManCity die einzige Möglichkeit für Norwich wäre, diesen zu doppeln (Wir erinnern uns: Walker sollte eigentlich Cantwell rausziehen, dies ist aber nicht passiert, also konnte McLean die Tiefenwege mitgehen, während Cantwell und LV Lewis die Flügel doppeln konnten).

So blieb meist nur der Rückpass, da Norwich auf den Außen 3-gegen-2Überzahlsituationen schaffte.

Für Cantwell und auf der anderen Seite Buendia, bedeutete dies, dass sie läuferisch viel nachgehen mussten. Nicht zwingend intensiv, doch eben viele Laufwege.

Mannorientierungen im Mittelfeldzentrum

Guardiola reagierte auf die Mannorientierungen im Zentrum und den damit verbundenen Angriffen, die sie früh über die Außenbahnen gestalten mussten.
Rodri kippte hablinks neben den Innenverteidigern ab, um Stiepermann mit raus zu ziehen.
D. Silva und Gündogan positionierten sich in den jeweiligen Zonen breit, sodass auch dort die Doppel-Sechs Tettey und McLean auseinander gezogen werden.
City wollte damit da Zentrum frei bekommen, in das Rodri mit Ball reinstoßen sollte.

Das klappte zwar gelegentlich, jedoch schafften es Tettey und McLean sich im Zentrum wieder zusammen zu ziehen und für Kompaktheit zu sorgen.

Cantwell rückte aus dem Halbfeld weiter ein, stellte Gündogan zu.

So schaffte City zwar im ersten Moment im Zentrum aufzulösen, dabei aber nicht die Box zu erreichen.
Durch das Prinzipverhalten der Kette im Mittelfeld, musste City erneut auf die Außen lenken.
Für Cantwell hieß dies erneut zu verschieben.
Dabei erreichte City immerhin, dass sie Gleichzahl auf den Außen schafften (2-gegen-2, weil Cantwell zunächst einrücken musste).

Es gab dabei Muster, wie sie das 2-gegen-2 verteidigen wollten:
Bernardo Silva als Linksfuß hat den natürlichen Dran eher nach innen zu ziehen, als über die Außen auf die Grundlinie zu laufen.
Walker übernahm durch sein überlaufendes Spiel die Rolle, während McLean im Halbraum weiter mannorientiert Gündogan zustellte.

Cantwell hatte auch hier eine bedeutende Rolle:
Er verteidigte den Halbraum, ließ sich nicht vom Rechtsverteidiger mitziehen, was das Öffnen des Halbraums und vor allem das 1-gegen-1 für Bernardo Silva bedeutet hätte.
Lewis übernahm die Schnelligkeit und Dynamik von Walker, der dieses Tempo mitgehen konnte.

Halbraum schließen, Gegner auf die Außen lenken

Wie wichtig das Zentrum, sowie die Halbräume für Norwich sind, erkennt man in der folgenden Abbildung.
Wenn Cantwell raus schob, rückte Lewis ein.
Im Halbfeld schaffte man dort, zusätzlich mit dem verschobenen Innenverteidiger und Sechser McLean, Überzahl.
Außerdem sind für Walker mögliche Passwinkel nicht gegeben, die einen progressiven Pass ermöglichen würden.
Für Walker generell eine Gemengelage, weil Stiepermann mannorientiert Rodri Halbfeld zustellt und Pukki des Weiteren ballnah verschiebt.

City zieht mit ihren beiden Flügelspielern die Kette auseinander.
Zwar orientiert sich Lewis etwas breiter, befindet sich allerdings in der Schnittzone zwischen dem Halbfeld und der Außenbahn, um eben Räume im Halbraum nicht zu vergrößen.
Cantwell rückt weiter ein, schließt dabei die Schnittstelle zwischen dem linken Innen-, sowie dem Linksverteidiger.

Bei Zuspiel auf die Außen, verschiebt Lewis hin, während Cantwell wie gewohnt den Halbraum schließt. McLean stellt mannorientiert D. Silva zu.
Durch die Zuteilung gibt es für die Guardiola Elf keine effektive Möglichkeit, einen raumgewinnenden Pass zum Mitspieler zu spielen.
McLeans Mannorientierung zu D. Silva verhindert den tiefen Pass in der Praxis, da dieser für den Spanier (Winkel zum Tor, mit dem Rücken zum Zentrum) nicht Sinn ergibt.

In der obigen Abbildung ist außerdem zu erkennen, wie Pep die Flügelspieler wechselte. Während Sterling bis zum Zeitpunkt auf der linken Seite spielte, so übernahm der Engländer nun die rechte Seite und B. Silva die Linke.
Dies hatte effektiv den Zweck, Situationen zu vermeiden, in der Silva (Linksfuß auf rechts) die 1-gegen-1 Duelle nicht auflösen konnte, weil er nach innen zog, was Norwich verdichtete.
Walker blieb nun im Halbraum, um Cantwell von Sterling zu befreien, die durch eine überlaufende Rolle von Walker kontraproduktiv für ihn wäre.
Sterling hat als Rechtsfuß die Interpretation, über die Außen vorbei zu dribbeln.

Verteidigung der Box

Durch Sterlings Rolle auf der rechten Seite wurden mehr Flanken geschlagen.
In der Boxverteidigung sind auch hier Muster zu erkennen:
Die Sechser Tettey und McLean gingen mit den einlaufenden Achtern mit, sicherten somit die Rückräume ab.
Für die beiden Innenverteidiger bedeutete dies, dass sie sich in den Zonen (erster Pfosten und Zentral vor dem Torhüter) positionieren können, egal ob tatsächlich Gegenspieler vorhanden sind oder nicht.
Gerade in dem Fall kann der linke Innenverteidiger am ersten Pfosten wohlmöglich eine zu flach getretene Flanke vorzeitig abfangen / klären, bevor diese die nächste Zone in der Box erreicht.


Fünf Spieler in der Box, sowie zwei weitere um den Strafraum, um für Balldruck und Absicherung zu leisten.

Fazit

Das Defensivverhalten wird natürlich gegen Gegner wie Manchester City extrem gefordert und wohlmöglich Teams darstellen, die tiefer verteidigen, als sie es sonst machen.

Dennoch zeigt dieses Spiel, insbesondere in der ersten Halbzeit, welche Muster zu erkennen sind und auf welche Prinzipien Daniel Farke setzt.

Es ist viel Laufarbeit gefordert.
Gute Beispiele dafür sind zum Beispiel die Außenspieler (Flügelspieler, wie Außenverteidiger), die viel verschieben und dementsprechend Räume schließen und verdichten müssen.

Es sind nicht immer intensive Läufe, die getätigt werden müssen, aber eben taktisch viele Läufe, die es zu machen gilt.

Daniel Farke und seine Mannschaften möchten das Zentrum verdichten (wer mag das schon nicht besonders gern?). Dabei lassen sie bewusst die Außen frei, um den Gegner eben dorthin zu lenken. Durch das eben läuferische Pensum versucht man dann numerische Überzahlsituationen ballnah herzustellen.
Dabei kommt es im Verhalten gegen den Ball gar nicht so entscheidend auf Zweikämpfe ein, wie es zum Beispiel unter Adi Hütter der Fall gewesen ist.
Der Ex-Trainer versuchte pro-aktiv durch Mannorientierungen teils auf dem ganzen Feld, den Gegner permanent in Zweikämpfe zu verwickeln.
Der Ansatz des 45-Jährigen neuen Cheftrainer ist es, den Gegner zu Fehlern zu zwingen, sie in Räume zu bewegen, die vom eigenen Team kontrolliert werden können.

Teils erinnerten die Ansätze in diesem speziellen Spiel gegen Manchester City an Lucien Favre und dessen Prinzipien im defensiven Drittel.
Dabei setzt Daniel Farke allerdings im Zentrum mehr auf einzelne Mannorientierungen, nicht um im Zentrum in Zweikämpfe zu kommen, sondern um Passoptionen zu schließen.
Diese Mannorientierungen werden auch eher im Raum ausgefüllt, als es tatsächlich in höherliegenden Zonen weiterhin praktiziert wird, bedeutet:
Verlässt ein Gegenspieler beispielsweise den Achter-Raum, kippt neben die Innenverteidiger ab, so lässt sich der Norwich Sechser wieder in die Mittelfeldkette fallen und verteidigt den Raum und sichert ggbfs. den Sechser-Kollegen ab, wenn dieser rausschießt.

Eine Analyse von Deniz (@DenizimHalbraum)

3 Antworten auf „Daniel Farke: Taktikanalyse Defensive – Norwich City vs. ManCity 3:2 – 19/20“

Liest sich super! Manchmal fehlen mir durchgängig die „Namensetiketten“ ;-). Aber es wird deutlich, dass wir mit läuferisch starken Typen wie Kramer oder Neuhaus auf einmal die passenden Spieler, statt Verkaufskandidaten haben. Hoffentlich weiß ein Embolo dann noch, wo er hinlaufen muss 😉 ?
„Stand jetzt“ freu ich mich auf die neue Saison 🙂 !

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