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Daniel Farke: Nicht nur Ballbesitz – Auch Umschaltspiel! Norwich – Huddersfield 7:0 – 20/21

Die ersten beiden Analysen um Daniel Farke handelten von dessen Offensiv– und Defensivprinzipien.
In dieser Analyse vertieft Deniz (@DenizimHalbraum) beide Prinzipien und geht auf das Umschaltspiel und dessen Pressingschemata ein. Dazu dient das Ligaheimspiel der Canaries am 40. Spieltag der Saison 20/21 gegen Huddersfield (7:0), um gewisse Dinge aufzuzeigen.


Eine Analyse von Deniz.

Spielaufbau

Norwich City traf auf Huddersfield, die gegen den Ball im 5-3-2/ 5-2-1-2 auftraten.
Typisch für Championship Mannschaften traten diese sehr physisch und im Verteidigungsmittel stark mannorientiert auf. Intensität und Physis waren Kernelemente im Anlaufverhalten der Gäste.
Während es gegen Teams, die eher im Raum verteidigen, darum geht, dass der Ball gut läuft, zählt es gegen Mannorientierungen des Gegners, dass sich die Mitspieler im eigenen Ballbesitz gut und strukturiert bewegen.

Üblich für ballbesitzorientierte Teams sind Rautenbildungen im Aufbau elementar.
So bilden im ersten Clip die beiden breitstehenden Innenverteidiger mit dem Torwart und dem Sechser eine Raute, sodass sich bereits eine numerische Überzahlsituation in erster Linie befindet.

Wie eben erwähnt, ist es wichtig, sich von den Mannorientierungen des Gegenspielers zu lösen.
Dazu wählt Daniel Farke einen Ansatz, der in zentralen Spielfeldbereichen gerne Zonen überlädt, um den Gegner ebenfalls in diese Zone zu bewegen. Ziel ist es, ballferne Räume in der Verlagerung zu finden.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Während gleich drei Spieler im Zentrum (Buendia, McLean und Pukki) vier gegnerische binden, kann in den Halbräumen der Spielübergang gefunden (Dowell ballnah) und weitergepielt werden (Cantwell ballfern).
Durch die Positionierung von Secher Skipp wird der erste gegn. Achter gebunden, während Hogg und Bacuna durch ihre Mannorientierungen im Zentrum gehalten werden. Das hatte bereits zur Folge, dass der linke Halbverteidiger Sarr aus der Kette schießen musste, um Balldruck gegen Dowell zu erzeugen. Die ballferne Verlagerung in den Halbraum zu Cantwell konnte effektiv niemand verhindern, auch nicht Duhaney (rechter Flügelverteidiger), der von Linksverteidiger Giannoulis gebunden wird.

So auch im folgenden Clip ein ähnliches Muster.
Rautenbildung im Aufbau – über den Torwart, Innenverteidiger und Sechser (der bereits den ersten gegnerischen Achter auf sich zieht), Spieler bewegen sich flexibel (Sechser Skipp lässt sich auf die Flügel bewegen, was den zweiten Achter raus zieht) und Zonen werden überladen.


Durch Buendias Positionierung muss erneut Sarr aus der Kette rausschieben, was für die restliche Kette bedeutet, einzurücken, um Räume und Gegenspieler zu schließen.
So musste der rechte Flügelverteidiger Duhaney einrücken, sodass Giannoulis auf dem Flügel per Seitenverlagerung gefunden werden konnte.


Wichtig hierbei ist, wie im letzten Drittel Stürmer Pukki bewusst weite Verbindungspunkte zu den Ballführenden schafft, um seinen direkten Gegenspieler zu binden. Eine Bewegung in ballnahe Zonen wäre für viele ein typisches Verhalten.

Durch die Bindung im Zentrum können Cantwell und Giannoulis eine Zwei-gegen-Zwei Situation aufgrund der Dynamik lösen und zu einer Torchance kommen.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Spielübergang

Auch in höheren Spielfeldzonen möchte Daniel Farke aus dem selben Muster aufbauen. Allerdings fällt der Torwart in diesen Feldern weg, sodass der einer der beiden Sechser die Kette füllt und der andere die Raute komplettiert.
Die Außenverteidiger schieben hoch, die Flügelspieler rücken in die Halbräume.

Agierte der Gegner in tiefen Zonen in flachen 5-3-2 Strukturen, so war die Elf von Daniel Farke in den ersten Minuten zu „ungeduldig“ mit den Zuspielen in die Halbfelder.
Durch die Struktur des Gegners konnte der rechte Halbverteidiger, sowie der rechte Achter Cantwell im Halbraum doppeln, welches ihn zu Aktionen zwang, die das Spiel verlangsamten.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Schnell adaptierten die Gastgeber die Situation und spielten mit Geduld Seitenverlagerungen, zwangen den Gegner zu verlagern.
Besonders die seitlichen Achter der Mittelfeldkette des Gegners mussten viele und weite Wege auf die Außen gehen.

Bei Zuspielen in Halbräume erzeugte Norwich Druck auf die die Halbverteidiger, sowie den Achtern.
Die Stürmer liefen die Innenverteidiger Norwichs an, während der seitliche Achter im Sprung zwischen dem Sechser und dem Zehner im Halbraum stand.
Folgte also der Pass dorthin, zog sich der Achter und der Halbverteidiger zusammen, sodass Buendia auf Skipp klatschen lassen konnte. Das beschriebene Prinzip nennt man „Das Spiel über den Dritten“, um den eigentlichen Zielspieler zu finden.

Durch das Verschieben der Mittelfeldkette auf Ballseite, musste diese wieder in die andere Richtung schieben, weil Norwich schnell und gut verlagerte.
Des Weiteren zwang man Huddersfield dazu, dass die Achter schnell nachschieben mussten, denn nur diese konnten echten Balldruck erzeugen. Rechts Flügelverteidiger Duhaney wurde erneut von Norwichs Linksverteidiger gebunden, was Cantwell in der Verlagerung den Freiraum gab.

Ein weiteres Offensivprinzip von Daniel Farke ist es, dass sich durch Läufe in die Tiefe Räume davor öffnen.
Im Zentrum läuft Buendia tief, zieht somit den zentralen Sechser Hogg mit, was Dowell dazu bringt, sich fallen zu lassen. Cantwell kann diesen anspielen und nimmt mit dem Zuspiel den pressenden Achter aus dem Angriff.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Spiel im letzten Drittel

Situationen auf dem Flügel sind meist Auslöser für Offensivdynamiken aus dem Spiel heraus.
Dazu entstehen grundsätzliche Muster, die immer wieder kehren.
Zwischenlinien, die immer besetzt sind, sind wichtig, um im Zentrum für Druck zu sorgen.
Durch Anspiele ins Zentrum zieht sich die gegnerische Mannschaft enger zusammen, was für die eigenen Flügel mehr Raum bedeutet und eine einfachere Seitenverlagerung auf diesen.

Auf den Flügeln angekommen und die Eins-gegen-Eins Situation kreiert, ist es für das Positionsspiel und der Vermeidung, dass der Gegner auf den Außen doppeln kann, wichtig, dass Zonen besetzt werden.
So ist die Präsenz im Halbraum, wie im Zentrum elementar. Durch die Positionierung im Halbraum wird der gegnerische Halbverteidiger gebunden, der damit die Außen nicht doppeln kann.
Der Achter wird von Buendia gebunden, während der Sechser zentrale Zonen absichert.
Die Bewegung dessen sind ebenso wichtig, wie die Positionierung.
Denn auch hier geht es darum, Räume zu schaffen, durch tiefe Laufwege des anderen.
Buendia kann in den öffnenden Halbraum in der Box rein sprinten und den Pass dort empfangen.
Wie in der Eingangssituation von Pukki und dessen ballfernen Position, ist auch hier das Binden im Zentrum von zwei gegnerischen Verteidigern wichtig, um den eigenen Raum personell nicht durch Gegenspieler zu überfüllen.

Im Moment der Situationsdynamik löst sich Cantwell im Rückraum, während Pukki inkl. direktem Gegenspieler zum zweiten Pfosten tendiert.
Ersterer erhält den Ball nach einem Dribbling von Buendia und erzielt das Tor (siehe Clip).

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip inkl. Torerfolg

Im Kombinationsspiel ist es von Vorteil kurze Verbindungspunkte zu Mitspielern zu haben, um Passwege so kurz wie möglich zu halten.
Im folgenden Clip ist zu beobachten, wie fünf Norwich Spieler sich in (halb-)linken Zonen des Spielfelds befinden und dort die Dynamik für den Angriff kreieren.
Auch hier die Muster, die für Daniel Farke´s Offensivprinzipien stehen:
Tiefe Laufwege um Räume zu öffnen, schnelles Kombinationsspiel, Doppelpässe, erneuter Tiefgang (siehe Clip).

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Pressingschemata

Steht die Farke Elf tief in ihrer Defensivformation, so ließ sich beobachten, wie die 4er-Kette eng einrückte und die Außenverteidiger in den Halbräumen, teils im Zentrum ihre Gegenspieler deckten.
Um in der Breite nicht geschlagen zu werden, positionierte sich vor allem der ballferne Flügelspieler tiefer, da auch der Außenverteidiger enger einrücken musste.
Dazu zwang vor allem die letzte Linie Huddersfields, die durch ihre Wingbacks und beiden Stürmer vier Spieler aufweisen konnten.

Im Zentrum ergeben sich lose Mannorientierungen, die maximal im Raum begleitet werden.
Gegen die 3er-Kette im Aufbau des Gegners, versuchte man nicht mit zwei anlaufenden Stürmern zu agieren, sondern durch Pukkis Positionierung im Zentrum, das Pressing vorzubereiten und zu lenken.
Durch seine Positionierung im Block, kann eine direkte Seitenverlagerung vom Halbverteidiger zum anderen, nicht gespielt werden. Höchstens per Chipball, der aber durch eine relativ harmlose Verschiebung eben gelenkt worden wäre.
Der in der Abbildung forcierte linke Halbverteidiger muss also über den zentralen Innenverteidiger verlagern.

Die Vorbereitung des Pressings hat hier den Sinn und Zweck erfüllt, dadurch, dass Pukki den rechten Halbverteidiger anlaufen kann, dabei eine weitere Verlagerung zurück zum zentralen Innenverteidiger schließt.
Dies bedeutet, dass der Gegner somit gelenkt werden konnte und das Pressing ausgelöst werden kann.

Cantwell schiebt höher, presst vertikal den rechten Halbverteidiger und lenkt den Ball auf die Flügel. Der Halbraum ist durch Cantwell selbst zugestellt und wird durch McLeans Mannorientierung zusätzlich abgesichert. Linksverteidiger Giannolius schiebt folglich ebenfalls raus und presst Huddersfield Flügelverteidiger.
Die Folge? Ein longline Ball, den Norwich kontrollieren kann.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Pressing – Ballgewinn – Konter – Tor

Läuft man höher an, und der Gegner spielt lange Bälle in tiefe Zonen, so sind klare Defensivmuster zu erkennen, wie das Team von Daniel Farke Ballgewinne erzielen möchte.

Das Ziel wird in folgender Abbildung klar:
Ballnah Überzahl herstellen und den Raum so eng wie möglich verdichten, um den Gegner zu Fehlern zu zwingen.
Buendia und Dowell pressen als RF und Zehner rückwärts, die Doppel-Sechs verschiebt und verengt, während Rechtsverteidiger Aarons presst.

Nach Zuspiel ist zu erkennen, wie der Raum enger wird und McLean presst. Absicherungsmuster sind hier ebenfalls zu erkennen:
Skipp lässt sich fallen, sichert den Raum hinter McLean, falls der Gegenspieler die Eins-gegen-Eins/Zwei auflösen kann.

Nach weiteren Ballgewinnen in der Zone konnte die Mannschaft kontern.
Der erste Blick geht im Ballgewinn nach vorne:
Wie stehen die Chancen für ein Konterspiel, wie sind meine Mitspieler positioniert?
Pukki konnte sich absetzen und in die Tiefe starten, sodass Buendia mit seiner Technik diese Situation mit einem Tiefenpass lösen konnte.
Folge: Pukki steht vor dem Tor und der Eins-gegen-Eins Situation und kann versenken (siehe Clip).

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Angriffspressing und Konterspiel

Die Mannschaft von Daniel Farke presst aus der Organisation und Struktur auch situativ im Angriffsdrittel.
Dazu ergeben sich Mannorientierungen im Zentrum:
Zehner Dowell stellt Secher Hoog zu, während Sechser Skipp Achter Holmes deckt.
Die jeweiligen Mannorientierungen erfüllen nicht den Zweck, diese in Eins-gegen-Eins Duelle zu verwickeln.
Diese helfen Gegner unter Druck zu setzen, wenn diese angespielt werden.

Wichtig hierbei ist das eben beschriebene Defensivprinzip ballnah für Überzahl zu sorgen, um den Gegner im engen Raum zu Fehlern zu zwingen.
Buendia, der vorher den Ball nach innen lenkt, weil er im äußeren Bogen anläuft, presst rückwärts und untersützt Aarons und Skipp, stellt eine Drei-gegen-Zwei Überzahlsituation her, in der der Raum für den Gegenspieler zu eng und der Ballgewinn erzielt wird.

Das Konterspiel lässt sich im Clip flüssig ansehen.
Umschaltprinzip: Erster Blick nach vorne.
Wie stehen die Chancen, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für Torgefahr im Konterspiel?
Durch die großen Räume in der letzten Linie, welche der nicht guten Ballbesitzstruktur des Gegners im Positionsspiel geschuldet sind, können diese durch mehrere Tiefenläufe vertikal attackiert werden.
So folgt also der tiefe Pass.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Auch im folgenden Clip sind die beschrieben Prinzipien im Pressing zu beobachten:
Anlaufen, Pressing, Mannorientierungen, die sich nach Zuspiel in Zonen zu einer Art Spinnengewebe wandeln und Gegenspieler in diesem halten.

Die Situations-Analyse in Schrift und Abbildung nochmal flüssig im Clip

Zusammenfassung der Prinzipien von Daniel Farke

Wir halten folgende Prinzipien fest im Ballbesitz- und Offensivspiel:
– Nummerische Überzahlsituationen in erster Linie herstellen.
– Überladen von Zonen, um Gegner zu locken und in der Verlagerung zu schlagen.
– Räume schaffen, durch Läufe in die Tiefe. Diese werden von fallenden Offensivspielern genutzt.
– Im letzten Drittel: -> Eins-gegen-Eins Duelle auf dem Flügel -> Positionsspiel in Halbräumen und in zentralen Zonen, um Gegenspieler zu binden -> Laufwege in die Tiefe, um Zwischenlinien und/ oder Passwege zu öffnen.

Wir halten folgende Prinzipien fest im Defensiv-, Pressing-, und Konterverhalten:
– Im Defensivblock das Zentrum verdichten, Halbräume verengen und nach Außen verschieben.
– Pressing vorbereiten, durch Mannorientierungen im Zentrum und Positionierung in erster Pressinglinie, die das gegnerische Spiel lenken sollen.
– Im Angriffspressing: -> intensives Anlaufen -> Mannorientierungen im Zentrum, um nach Zuspiel sich zusammenzuziehen und rückwärts, seitlich und vorwärts zu pressen, dabei ist das Ziel: Überzahl in Ballnähe schaffen, um den Gegner zu Fehlern zu zwingen.
– Konterspiel: -> Erster Blick nach Ballgewinn nach vorne, um Wahrscheinlichkeit für Torgefahr zu ermitteln -> Wenn Tiefe möglich, dann bespielen, sonst Ballbesitz sichern.

Eine Analyse von Deniz.

Weitere Daniel Farke Analysen:

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Daniel Farke: Taktikanalyse Defensive – Norwich City vs. ManCity 3:2 – 19/20

*Alle Clips auf der Scoutingplattform Wyscout.com erstellt.

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