Borussias Passivität entsteht durch die fehlende Offensividee nach Führungen

Am 33. Spieltag verspielte die Borussia nun zum 12. Mal in der Saison 20/21 eine Führung. In den 12 Partien schaffte es die Fohlenelf, sage und schreibe 29 Punkte zu verspielen. Ligabestwert.

In der BorussiaExplained-Analyse geht es um die fehlende Idee bzw. die fehlende Umsetzung der Mannschaft, wie man sich nach Führungen verhält und vergleicht dabei Statistiken aus der Vorsaison 19/20, unter der ersten Saison von Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach.

Christoph Kramer ließ, in seinem Interview nach dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart, viel durchblicken. Aussagen, wie: „Nach Führungen spielen wir nicht mehr Fußball“, „Wir stehen zu tief“ oder auch „Wir haben zu große Abstände“ zeigen, dass es spieltaktisch hapert, um mit Führungen umzugehen.

Die Borussia wird häufig passiv, sobald der Gegner etwas forscher und aggressiver Druck ausübt. Das betont auch Noch-Trainer Marco Rose immer wieder. Das Erwähnen des Problems ist das Eine, doch die Behebung dessen, ist eine deutlich andere.
In der BorussiaExplained-Analyse geht es nun darum, dass die Borussia keine Möglichkeiten findet, um auf das nächste Tor zu gehen und die Führung somit auszubauen. Dadurch entsteht Passivität.

Es gibt zwei Möglichkeiten mit Führungen umzugehen. Die erste wäre es, tief zu stehen und dabei Konterspiel zu praktizieren. Wie das zum Beispiel aussehen kann, sieht man in der folgenden Grafik: (Die Borussia in Blau)

Mit der zweiten Option würde die Borussia besser fahren, da der Trainerwechsel von Dieter Hecking auf Marco Rose unter anderem ein Grund dazu war. Die Borussia steht weiterhin hoch und spielt ihren Stiefel weiter runter, so zum Beispiel:
(Die Borussia wieder in Blau)

Das Problem der Elf von Marco Rose ist, dass in Mannschaftsteilen immer wieder zu große Abstände zwischen den Linien entstehen, weil bspw. die erste Linie hoch anläuft, hingegen die Mittelfeld-Kette 20 Meter weiter hinten steht. Dadurch beraubt sich die Borussia um ihre eigene Stärke.
Oft muss dann einer der beiden 6er (Zakaria o. Neuhaus) hoch schieben und pressen, sodass Löcher in den Halbräumen entstehen. Dies war zum Beispiel ein Thema bei der 6:0 Klatsche in München. (Spielanalyse zur Auswärtsniederlage in München: https://borussiaexplained.de/nachanalyse-zur-60-klatsche-in-muenchen/)

Borussia geht zu wenig auf ein nächstes Tor

Das größte Manko in dieser Geschichte ist, dass sich die Borussia zu sehr an den Gegner anpasst und das eigene Spiel nicht durchzieht. Wie oben beschrieben, muss die Borussia entweder tief stehen und kontern (von diesem Spielstil wollte Borussia wegkommen) oder man stellt sich seinen Ansprüchen und versucht weiterhin dominant zu spielen. Dies gelang in der Vorsaison deutlich öfter, als es in dieser passierte.
Die Fohlen gewannen in der Saison 20/21 in ihren bisherigen 12 Saisonsiegen sechs davon, mit jeweils einem Tor Unterschied. Weitere sechs Male schaffte es die Mannschaft mit einem mind. zwei-Tore-Unterschied zu gewinnen. Das entspricht jeweils einer Quote von 50%.
In der Vorsaison 19/20 schaffte die Elf von Marco Rose bei 20 Saisonsiegen, 13-mal davon mit mind. zwei Toren Unterschied zu gewinnen und hat damit eine deutlich höhere Quote von 65%.

Die Borussia wäre nicht immer dazu gezwungen, ihr eigenes Tor bis in die 94. Spielminute hinein mit Mann und Maus zu verteidigen, wenn sie es schaffen würde, weiter Fußball zu spielen um Tore nachzulegen.

Ein Indiz dafür, dass die Borussia passiv wird, weil sie nicht weiter auf das nächste Tor geht, zeigt die Statistik, wie oft die Borussia in ihren 12 Spielen in dieser Saison mit mind. zwei Toren Unterschied vorne lag:

Die Fohlenelf war in den 12 Spielen, in denen sie jeweils die Führung verspielte, lediglich zwei Mal mit einem zwei-Tore-Unterschied in Führung (in Leipzig 0:2 -> 3:2 und bei TSG Hoffenheim 0:2 -> 3:2). Ansonsten lag Borussia Mönchengladbach immer nur mit einem Tor vorne.

Durch die fehlende Grundidee, bzw. die fehlende Umsetzung der Mannschaft, steht das Team immer wieder viel zu tief und wird passiv. Oft steht die Borussia so tief, dass es gar nicht mehr gelingen kann, gefährliche Konter zu setzen, weil der Weg zum Tor viel zu weit geworden ist.

Fazit

Unter dem neuen Trainer Adi Hütter muss die Borussia wieder dahin kommen, wo sie zu Beginn der Entwicklung unter Marco Rose stand:
Aktives und selbst interagierendes Verteidigen, um selbst zu bestimmen, in welche Räume der Gegner kommen darf. Das diese Entwicklung natürlich nicht immer nur nach oben zeigen kann, ist logisch und selbsterklärend. Und wenn es Adi Hütter wieder schafft, die Borussia aktiver zu gestalten, dann ist vieles wieder gut.
Dennoch steht über dieser Saison: Zu viel vorhandenes Potenzial liegen lassen.

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