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Barças irre 30 Minuten gegen Osasuna – Taktischer Blick auf das Spiel von Xavi

Twitter: @BorussiaExpl

Seitdem Xavi Trainer des FC Barcelona ist, läuft es in der La Liga prächtig. In 15 Ligaspielen holte der 42-Jährige 34 Punkte, belegt nun den dritten Platz und hat ein Spiel weniger als die Konkurrenten (FC Sevilla, Atletico Madrid und Betis Sevilla) absolviert.

Das gestrige Spiel gegen CA Osasuna, zeigte, wie die Mannschaft unter Xavi Fußball spielen möchte. Besonders die erste halbe Stunde war in der Demonstration große Klasse und lässt sich auch in Statistiken ablesen:

Mit 72% Ballbesitz und 878 Pässen (91,9% angekommene) hatten die Katalanen stets die Oberhand. Zu diesen Werten verhalf auch das gute Gegenpressing nach Ballverlusten, die sich im PPDA-Wert verdeutlichen: 6,39 gegnerische Pässe ließ man in den vorderen beiden Spielfeldzonen zu, ehe es zu einer defensiven Aktion kam (Tackle, Abfangen, Zweikampf, etc.).

Zum Vergleich:
Osasuna hatte einen PPDA-Wert von 33,53. (Quellen: understat.com)

Barças Aufstellung

Xavi ließ im 4-3-3 auflaufen.
Während Dani Alves und Jordi Alba im hohen Ballbesitz immer wieder in die Halbräume stießen, liefen die beiden 8ter Gavi und Pedri oft in die letzte Linie, gar durch in die Tiefe.

Torres und Dembele hielten permanent die Breite, besonders der Franzose diente zur Seitenverlagerung, als man hauptsächlich über die linke Angriffsseite aufbaute.

Aubameyang ließ sich dabei regelmäßig in die Zwischenlinien fallen, wenn Gavi in die Tiefe sprintete, um für zentrale Anspielstationen zu sorgen.
Oft rückte Busquets nach, der für den Gabuner als „Klatsch-Option“ bereit stand.

Barças Spielaufbau und wiederkehrende Muster im Angriffsspiel

Die Katalanen bauten zunächst aus einer 4er-Kette auf.
Dabei rückte Dani Alves in den rechten Halbraum, um den linken Flügelspieler Osasunas raus zu ziehen.

Barças Offensivspiel ist wieder flexibel.
Eines der Muster – in der die Dynamik aufgenommen wird – ist, wenn Gavi aus der 8ter Position in die Tiefe startet und dabei den gegnerischen 6er + Innenverteidiger mit zieht.
Für Aubameyang öffnet sich der Zwischenraum, sodass sich der Gabuner aus der letzten Linie löst, um für eine Anspielstation zu sorgen.

Dadurch, dass sich Aubameyang vom Innenverteidiger befreite, öffnete sich der tiefe Raum im Rücken dessen. Wenn der Stürmer den Ball nicht flach bekam, startete dieser stattdessen in die Tiefe.

Tiefenläufe der 8ter Gavi und Pedri, um für die wichtigen Seitenverlagerungen zu sorgen

Osasuna agierte gegen den Ball im 4-2-3-1 / 4-4-1-1 und stellte dabei mannorientiert im Zentrum gegen Busquets, Gavi und Pedri zu.
Das junge 8ter-Duo positionierte sich in den Halbräumen, um die Mannorientierung der gegnerischen Doppel-6 so breit wie möglich auseinanderzuziehen.
Aubameyang band das Innenverteidiger Duo im Zentrum, sodass Osasunas Außenverteidiger vor den beiden 8tern standen und diese deckten.

Im Angriffsspiel waren die beiden Flügelspieler Torres und Dembele die Zielspieler. Um diese frei zu bekommen, waren die Tiefenläufe der 8ter Gavi und Pedri wichtig, um die jeweiligen gegnerischen Außenverteidiger mit sich – in den Halbraum – zu ziehen.

Plötzlich mussten sie sich entscheiden:
Mit wem laufe ich mit?
Nehme ich den Weg des 8ters mit auf?
Lasse ich also die Außen frei oder ignoriere ich den Lauf des 8ters und übergebe diesen zum Innenverteidiger, damit ich die Außen zustellen kann?

Meist ließen sich die Außenverteidiger mitziehen, sodass der diagonale Ball vom Innenverteidiger zum ballfernen Flügelspieler ermöglicht wurde = Freiraum für Torres/Dembele.

Der ballnahe 8ter kommt kurz, der ballferne in die Tiefe – Freiraum für Flügelspieler

Barcas eben beschriebenes Ziel, hat den Vorteil, dass beide Flügelspieler enorme Tempo- und Dribblingsstärken im 1-gegen-1, gar 1-gegen-2/3, haben.
Um diese einzusetzen, sind die vorhin erklärten Tiefenläufe des ballnahen 8ters wichtig, ebenso auch die Positionierung des ballfernen 8ters in der letzter Linie.

Gavi befand sich erneut im Halbraum und Alba + Torres agierten als Breitengeber. Wichtig hierbei ist, dass Pedri sich in die letzte Linie befand und somit den Außenverteidiger mitzog.
Das brachte Dembele den Freiraum, den er für seine Tempoläufe benötigt.

Selbes Schema, wie vorhin: Gavi lief in die Tiefe, Aubameyang ließ sich in die Zwischenlinien fallen und Busquets + Garcia sorgten für die Seitenverlagerung zu Dembele.

Selbes Muster in der 6. Spielminute:

Die ersten zwei Tore in der Analyse – Doppelpack Torres

1:0 Torres:

Barça hatte die Kontrolle und das Selbstvertrauen, ihre Flexibilität im Aufbau ausspielen zu können. Immer wieder ergaben sich die Laufwege, die sie brauchten, um im Passspiel in die letzte Linie flexibel zu bleiben.

Die tiefen Laufwege von Gavi ermöglichten Aubameyang in den Zwischenlinien aktiv zu werden. Löste er sich aus dem Zentrum, weil der Innenverteidiger auf Gavis Laufweg reagierte, ergab sich sogar der direkte tiefe Ball durch den Gabuner.
Dessen technischen Fähigkeiten sind eher begrenzt, um im ersten Kontakt Gavi in der Tiefe einzusetzen.

Xavi weiß das, daher ist Sergio Busquets umso wichtiger für das Positionsspiel. Dieser war ständig in Ballnähe, sodass er zum Klatsch-Steil-Spiel da war war.
Der Routinier setzte damit Gavi ein, der im Strafraum zu Fall gebracht worden ist.
Torres verwandelte den Elfmeter in der 12. Spielminute souverän.

Twitter: @BorussiaExpl

2:0 Torres:

Osasunas Flügelspieler waren bedacht die Halbräume zu schließen und den 8tern keine Spielräume im Ballbesitz zu geben.
Pedri verstand es, die Tiefe immer wieder zu belaufen, um die Kette in Bewegung zu setzen und gleichzeitig Freiräume für Mitspieler zu kreieren.

Dadurch das Osasunas Außenverteidiger mannorientiert gegen Dembele agierte und dessen Flügelspieler zur Unterstützung eilte, öffnete sich durch Pedris Tiefenlauf der gegnerische 6er-Raum, weil Torro sich raus ziehen ließ.

Dass Dembele und Alves die technischen Fähigkeiten haben, diesen Raum zu bespielen, ist allen klar.
Der Franzose lief auf den übrig gebliebenen 6er zu und konnte seine Fähigkeiten im 1-gegen-1 ausspielen.

Das Einlaufverhalten von Torres, der sich zunächst breit positionierte (für eine mögliche Verlagerung), war sehr stark.
Der Spanier erkannte die Dynamik, lief ein und tauchte im Rücken des Rechtsverteidigers in der Tiefe auf, den Dembele technisch sauber einsetzte – 2:0, 20. Spielminute.

Die Rolle von Dani Alves im Halbraum – die Vorbereitung auf das Gegenpressing

Barcas Angriffs- und Ballbesitzspiel lebt davon, dass das Gegenpressing stets funktioniert.

Dazu passend eine Äußerung von Julian Nagelsmann (Cheftrainer – FC Bayern):

„Meine Idee vom Spiel mit dem Ball verstärkt die Idee bei gegnerischem Ballbesitz.
Warum ich den Ball haben will, hat drei Gründe:
Eine höhere Wahrscheinlichkeit für Torabschlüsse, das bessere Personal-Verhältnis fürs Gegenpressing und dem Gegner das Gefühl zu geben, er könne kontern, obwohl er nicht kontern kann”.

Das Gegenpressing bereitet Xavi so vor, dass er stets in Ballnähe Spieler einrücken lässt, a) um den Ballbesitz zunächst zu stärken (Überbrückungen für Seitenverlagerungen) und b) um im Falle des Ballverlustes sofort Balldruck erzeugen zu können.

Dadurch, dass Alves ins Zentrum einrückt, schafft er die Anbindung zu den Mitspielern, und hat kürzere Wege im Gegenpressing.

Verschiebt sich der Ballbesitz weiter auf die Außen, so rückt auch der restliche Teil der Absicherung nach.
Durch das Nachschieben gewinnt das Teams stets an Überzahl in Ballnähe.

2 + 3 Staffelung als Absicherung

Wenn die Katalanen ins letzte Drittel hinein spielten, so entstand eine 2+3 Staffelung, die als Absicherung der Offensivkräfte diente.

Dazu rückten beide Außenverteidiger – Alba und Alves – in die Halbräume, die durch Sergio Busquets in der zentralen Zone unterstützt wurde. Dahinter reihten sich die Innenverteidiger Garcia und Pique auf.

Xavi und der FC Barcelona – eine Love-Story

Xavi hat Barça wachgeküsst.
Der ehemalige Mittelfeldspieler weiß, wie dieser Klub tickt. Er kennt die DNA.
Diese ging in den letzten Jahren verloren und wurde durch Koemans Spielstil auf eine Zerreißprobe gestellt.

Die Eingliederung vieler Jugendspieler, zum Beispiel von Gavi, Nico González, Ilias Akhomach und Ez Abde, sind ein Teil dieser DNA.

Nicht nur, dass er „La Masia“ Spieler hervorbrachte, so gab er der Barça Mannschaft wieder eine Spielidee an die Hand, die sich ebenfalls auf alte Klubrichtlinien berufen lässt:

4-3-3, Ballbesitzfußball – gepaart mit einem starken Gegenpressing, Tempoflügel, technisch starke Spieler auf dem ganzen Feld. All das ließt sich gut und dennoch wissen alle:

Diese Entwicklung ist noch am Anfang. Sie wird zwischendurch auch mal eine Delle ertragen müssen, aber das Fundament wird aktuell bemerkenswert aufgebaut.

Xavi hat Barça wachgeküsst.

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