Kategorien
Verschiedenes

Anschwitzen vor dem 12. Spieltag bei Union Berlin

Am Sonntag um 15:30 Uhr spielt Borussia an der Alten Försterei in Köpenick. Was auf uns zukommen wird und was der Trainer über den Gegner sagt erfahrt ihr wie jede Woche kurz und knapp beim BorussiaExplained Anschwitzen.

Pressekonferenz

Nur Daniel Farke war auf der PK

  • Borussia ist zum dritten mal beim Tabellenführer, wir haben Respekt, aber können auch gewinnen
  • Langzeitverletzten (Neuhaus, Wolf, Itakura) und Sommer weiterhin verletzt, Lainer hat Corona, Hofmann unwahrscheinlich, Elvedi eventuell, Koné gelbgesperrt, Müsel fraglich
  • Aufstellung wird spät entschieden, wegen der Verletztenlage, keine Verletzten im Training riskieren
  • Farke lobt die Leistung von Schippers und Virkus für Verlängerungen, in der WM-Pause werden die Karten neu gemischt, man hat keinen Druck Bensebaini und Thuram abzugeben, lieber verlängern
  • Wichtig, dass die Spieler ambitioniert sind, Farkes Ansprüche sind hoch, es ist aber schwierig mit finanziell höhergestellten Mannschaften mitzuhalten, es braucht Zeit und Transferperioden
  • Ngoumou und Netz sind qualitative Spieler mit viel Potenzial, die weiter sind als die internen Nachwuchsspieler, man möchte diesen nicht zu viel Verantwortung aufbürden und zu verbrennen
  • Unions Arbeit und Mannschaft hat Qualität (gute Leistung mit Konstanz)
  • Wir wollen das Spiel auf unsere Art und Weise gewinnen und gegen Unions Qualitäten ankommen
  • Farke möchte Thuram mit keinem Stürmer in der Liga vergleichen, auch nicht mit Sheraldo Becker (auf Nachfrage von Journalisten)

BE Kurz-Analyse: Darauf kommt es an!

Das Geheimnis der Wuhlheide 

Mit Union Berlin wartet eine Mannschaft auf Borussia, die in vielerlei Hinsicht ein Phänomen ist. Beim Blick auf die Daten ist nur schwer zu fassen, wieso die Mannschaft von Urs Fischer auf Platz 1 der Bundesligatabelle steht. So hat der FCU in seinen Heimspielen mit 33,2 Prozent den deutlich niedrigsten Ballbesitzanteil (hinter Augsburg mit 41,8 Prozent). Mit einem PPDA-Wert von 14,9 haben die Köpenicker gleichzeitig den zweitniedrigsten Wert (hinter Borussia mit 17,54), wenn es darum geht, wie viele Pässe der Gegner durchschnittlich ohne Intervention spielen kann. Union setzt also weder auf den Ball noch auf Pressing und zeigt sich demnach nicht nur auf der Tribüne etwas aus der Zeit gefallen. 

Überdurchschnittlich gut ist Union wiederum nicht nur bei den gelaufenen Kilometern pro Spiel. In Sachen Konter-, Standard- und Kopfballtoren sind sie die besten der Liga. Durchschnittlich 2,9 Flanken führen bei ihnen pro Spiel zu direkten Abschlüssen (Platz 3 der Liga). Mit 17,6 Tacklings (Platz 5), 63,91 Defensivzweikämpfen (Platz 2) und 14,3 Fouls pro Spiel (Platz 1) sind sie defensiv äußerst fleißig, ohne besonders intensiv auf Ballgewinne auszusein (Platz 14 bei der Challenge Intensity). 

Union schafft es gegen alle statistische Wahrscheinlichkeit äußerst effizient und immer gefährlich zu sein. Gegen den Ball lenken sie den Gegner gezielt in Zonen, in denen ihr eigenes Tor nicht zu sehr in Gefahr zu geraten droht und in denen sie deshalb sogar relativ viele Schüsse und Dribblings zulassen. Nach tiefen Ballgewinnen suchen sie bei langen Bällen die direkten Zweikämpfe und gehen auf zweite Bälle. Individuell starke Spieler wie Sheraldo Becker weichen immer wieder auf die Flügel aus und tragen die Bälle von da aus nach vorne. 

Wie die hohen Anzahl an Fouls zeigt, hat Union kein Problem damit das Spiel auch mal komplett zum erliegen zu bringen. Die Mannschaft von Urs Fischer repräsentiert damit jenseits der Mannschaften, die auf Umschaltspiel setzen, und der Mannschaften, die auf Ballbesitz setzen, einen dritten Weg und setzt darauf, das Spiel so sehr stillzustellen, dass nicht viel mehr als Standardsituationen (nicht nur Ecken oder Freistöße, sondern auch Einwürfe, Abstöße oder lange Bälle aus der Abwehr) übrigbleiben. An einem dynamischen Spiel, sei es durch ständiges Umschalten oder durch Kombinationsspiel, hat Union jedenfalls kein Interesse. 

Borussia in Köpenick gegen Zwei

Borussia braucht gegen dieses stoische Spiel in jedem Fall eine gute Struktur. Die Mannschaft muss sich dabei nicht nur einem formstarken Gegner, sondern auch den eigenen fußballerischen Problemen stellen. 

So müssen eigene Ballverluste besser als zuletzt vorbereitet werden. Gegen Frankfurt hat man gesehen, dass in dieser Hinsicht noch viel Luft nach oben ist. Auffällig war die mangelnde Balance: Während Borussia mit einer einzigen Spitze Marcus Thuram und ohne Spieler wie Hofmann in vorderster Linie Tiefe fehlte und dies unter anderem durch einen extrem hoch aufrückenden Scally kompensiert werden sollte, fehlte in der Restverteidigung immer wieder mindestens ein Spieler. Verfrühte Ballverluste durch voreilig gespielte tiefe Bälle fallen gegen disziplinierte Mannschaften wie Frankfurt und Union da besonders schwer ins Gewicht. 

Möglicherweise bieten personelle Anpassungen Chancen: Steht mit Ngoumou doch ein Spieler bereit, der anders als Stindl immer wieder die Tiefe attackiert und so als Unterstützung für Thuram fungieren kann. Gerade aufgrund des Ausfalls von Koné und eines sich anbietenden Wechsels von Kramer auf die 6 bzw. 8 könnte man so mit Ball ein 4222 erzeugen, in dem Pleá und Stindl als Spielmacher hinter Thuram und Ngoumou agieren. Eine ähnliche Struktur hat Borussia bereits zu Beginn der Saison auf den Platz gebracht, bevor Stindl sich in Freiburg gegen Oberarchern verletzte. 

Wichtig ist jedenfalls, dass Borussia in der Alten Försterei nicht die Geduld verliert und immer wieder Überzahl in Ballnähe herstellt. Borussia muss das Spieltempo bestimmen und Union die eigene Dynamik aufzwingen. 

Lange Bälle sollten nur begrenzt zugelassen werden und durch frühes Gegenpressing möglichst verhindert werden. Dass Borussia das kann, hat sie unter anderem in Freiburg gezeigt, als sie die Innenverteidigung mit Kramer und Friedrich so davor bewahrt hat in zu viele direkte Duelle gehen zu müssen. Dieses solidarische Agieren ist zuletzt etwas abhandengekommen: Gegen Frankfurt waren Elvedi und Friedrich viel zu häufig auf individuelle Aktionen angewiesen. Eine solche Reduktion des Spiels auf Zweikämpfe ist Teil von Unions Strategie und muss unbedingt vermieden werden. 

Soviel steht fest: In Köpenick wird Borussia nicht gewinnen, wenn sie sich auf irgendwelche Ringkämpfe einlässt. Sie muss Union zeigen, dass sie ihr eigenes Spiel spielt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert