4:0 Klatsche am 2. ST: Die Nachanalyse

Der 2. Spieltag ist um und die Borussia verlor ihr erstes Auswärtsspiel in Leverkusen. Das Ergebnis ist zwar etwas zu hoch ausgefallen, doch die Niederlage ist definitiv verdient.

Die Mannschaft ließ vor allem im Spiel gegen den Ball einiges vermissen. Das schlechte Pressingverhalten war eines. Das Doppeln der gegnerischen Flügelspieler das Andere. Aber auch im Ballbesitz wurden einige Fehler gemacht, sodass regelmäßige Ballverluste zu Konterchancen des Gegners führten. Ein Abend zum vergessen.

Statistiken:

 B04BMG
Tore40
Schüsse (auf d. Tor)12 (6)11 (6)
Ballbesitz47%53%
Passquote (gespielte Pässe)83% (429)85% (479)
Zweikampfquote53%47%
Laufleistung113 km112 km
Sprints237211
Meistgelaufener SpielerBakker (11 km)Hofmann (12 km)
Meist-gepresster Spieler (Anzahl)Demirbay (33x)Neuhaus (39x)
xGoal2.251.89

Grundordnungen beider Teams:

Abbildung 1

Das Spiel begann damit, dass sowohl der erste, sowie der zweite Schuss im Spiel der Leverkusener, den Weg ins Tor der Fohlenelf fand. Ein äußerst unglücklicher Start in ein Auswärtsspiel, welches kompliziert genug ist und dann noch komplizierter wurde.

Das frühe Tor zum 1:0

Die Szene in der 3. Spielminute begann mit einem Einwurf der Leverkusener, tief in der Hälfte der Elf von Adi Hütter. Beide Teams verschoben üblicherweise auf die Seite des Einwurfs. Dabei ließ sich Neuhaus von Diaby sehr weit raus locken, sodass im Zentrum ein Loch entstand.

Dazu kommt, dass Hofmann den freien Raum aggressiver anlaufen hätte müssen. Er stand arg tief und befand sich in dieser Position zu rechtslastig, obwohl sich der Ball auf der linken Seite befand.

Abbildung 2

Diaby spielte zugegebenermaßen, einen starken eröffnenden Ball ins Zentrum, den Innenverteidiger Tah erhielt.

Durch das späte Rausrücken des Flügelspielers Hofmann, konnten Tah und Bakker die rechte Seite der Borussia überladen.

Abbildung 3

Bei der Schussposition des Niederländers konnte kein Innenverteidiger herausrücken, da Schick die Tiefe besetzte. Dadurch musste Hofmann hinterher sprinten, um Druck auf den Ballführenden auszuüben. Gelang nicht, weil dieser einen weiten Weg zurück hatte, nachdem er vergeblich Tah angriff.

Abbildung 4

Zu große Abstände zwischen den Ketten sorgen immer wieder für Gefahr

Das Tor zum 2:0 ist ein Paradebeispiel dafür, wie oft die Borussia Lücken in den Zwischenlinien offenließen. Die Kompaktheit, sprich die kurzen Abstände zwischen den Ketten, war nicht gegeben.

Das Pressingmuster dieser Szene war Folgendes:

Die Borussia lenkte den Gegner durch das bogenförmige Anlaufen, auf die eigene linke Seite. Dort versuchte man beide 6er des Gegners, in Person von Neuhaus und Kramer, zu zustellen. Die Orientierungsschwierigkeit bei Kramer begann, als einer der beiden 6er, in dem Fall Palacios, sich tiefer fallen ließ und sich zwischen den Innenverteidigern befand. Neuhaus stellte weiter Aranguiz zu, doch Kramer deckte gegnerfreien Raum.

Abbildung 5

Kramer hätte sich weiter nach Außen positionieren müssen, um den Passweg mit seinem Deckungsschatten zu schließen, den Demirbay erhalten sollte.
Pässe in die Zwischenlinien verhindert man, indem die eigenen Ketten versetzt zueinanderstehen. So werden Schnittstellen der jeweiligen Ketten verdichtet. In dieser Situation stand Kramer auf gleicher Höhe hinter Stindl.


Aber auch, hätte sich der 6er tiefer fallen lassen können, um mannorientiert zu agieren. So wäre Demirbay in direkter Manndeckung gewesen.

Der Pass von IV Kossounou fand Demirbay, der dann frei auf die Gladbacher Abwehrkette zulaufen konnte. Dadurch wurden sechs Spieler der Fohlenelf überspielt.

Diaby löste das 1-gegen-1 Duell vs Scally sehr stark und nutzte den dynamischen Vorteil im Angriff, den Schick per Linksschuss verwerten konnte.
2:0 nach acht Minuten.

In der 29. Spielminute sorgten die großen Abstände dafür, dass Leverkusen mit zwei (!) Pässen das komplette Pressing der Fohlen überspielten und gleichzeitig bis in den Strafraum hinein gehen konnte.

Leverkusen baute in einer 3-1 Staffelung auf. Wie eben beschrieben ließ sich einer der 6er in die Abwehrkette fallen. Das hohe Zustellen, in erster Linie von Plea und Stindl, sorgte dafür das Aranguiz im Rücken dessen wieder viel Freiraum bekam.

Stindl achtete nicht auf seinen Deckungsschatten im Anlaufen und blockierte nicht den Passweg zum 6er Aranguiz.

Sodass Kramer in Entscheidungsnot gelang: Presse ich den angespielten 6er oder lass ich mich fallen?

Abbildung 6

Kramer attackierte, sah im Rücken den wieder freien Demirbay nicht. So konnten Hradecky und Aranguiz mit jeweils einem Kontakt das komplette Pressing überspielen.

Abbildung 7

Unnötige Ballverluste sorgten für viele Konter der Leverkusener

Die Borussia musste in der 2. Halbzeit natürlich mehr Risiko eingehen. Die 2. Hälfte begann auch gut und mit zwei Abschlüssen Richtung Hradecky.

Doch nach guten fünf Minuten, begannen die Fehler im Ballbesitz, die bei personeller hoher Anzahl an hochstehenden Mitspielern eklig wurden. Leverkusen verdichtete das Zentrum sehr stark. Beide Flügelspieler gingen dafür ins Zentrum, die durch die beiden 6er unterstützt wurden. Daher reagierte Hütter mit zwei breiten und hochstehenden Außenverteidigern, um die Werkself auseinander zu ziehen.

Dies birgt natürlich ein Risiko, da Elvedi, Ginter und in Abstrichen Kramer, die einzige Absicherung waren. Doch die unnötigen und wirklich vielen Ballverluste sorgten dafür, dass a) die Borussia kaum in den Spielfluss fand und b) die Leverkusener einen Konter nach dem anderen fahren konnten. So auch in Minute 55´, als Diaby nach einem Konter, das 3:0 erzielte.

Ginter spielte einen völlig unnötigen und kaum zu kontrollierenden hohen Ball auf Stindl, mitten ins Zentrum:

Abbildung 8

Dieser verlor den Ball und sorgte für den gegnerischen Konter. Beim Ballverlust Stindls standen acht Feldspieler tief in der gegnerischen Hälfte und Elvedi + Ginter an der Mittellinie. Die Außenverteidiger sind gelb markiert.

Durch die, wie eben beschriebenen hohen Außenverteidiger, konnten die Leverkusener im Rücken dessen, durch Paulinho und Diaby kontern. Es kam zu einer 4 gg 4 Situation.

Abbildung 9

Zwar waren viele Borussen hinterher gesprintet, doch sicherlich konnten nicht alle rechtzeitig hinterherkommen. Die Flügelspieler fehlten, um auf den Außen zu doppeln (schwarz markierte Bereiche). Bakker und Paulinho konnten überladen und sorgten für Überzahlspiel auf der Seite.

Abbildung 10

Ginter rückte raus, nachdem Scally überspielt worden war, sodass sich Elvedi und Bensebaini zu einem anderen Gegenspieler orientieren mussten. Am 2. Pfosten stand Diaby frei und schoss das Tor zum 3:0.

Abbildung 11

Auch in Minute 65´ wieder ein absolut unnötiger Ballverlust, der für einen Konter sorgte.

Neuhaus tappte in die Pressingfalle, wollte in einer Situation aufdrehen, in der ihn drei Leverkusener pressten – mitten im Zentrum.

Abbildung 12

Leverkusen konterte, kam zu einer 3-gegen-3 Situation, die sie wieder über die Außen mit Diaby und dem überlaufenden Rechtsverteidiger Frimpong ausspielten.

Abbildung 13

Dessen Hereingabe am 2. Pfosten verwertete beinahe der Stürmer Schick.

Abbildung 14

Fehlende Rückraumbesetzung führte zum 4. Tor

Ähnlich wie in den Schlussminuten im Saisonauftaktspiel gegen die Bayern, als Kimmich im Strafraum, völlig vergessen, im Rückraum zum Abschluss kam, folgte gestern eine weitere Szene dieses Mal zu einem Tor.

Nach der Seitenverlagerung von Bakker auf Wirtz, der per Direktabnahme den im Rückraum freistehenden Amiri fand, konnte dieser Volley abziehen. Zugegeben: den MUSS Sommer halten. Neuhaus und/oder Kramer pennten bei der Besetzung der Box, ähnlich wie in der Szene gegen Bayern, die ich oben bereits erwähnte.

Abbildung 15

Fazit

Sicherlich war das Spiel nicht so schlecht, dass man 4:0 verlieren muss. Der Start mit zwei Schüssen und zwei Toren, war nicht einfach zu verdauen. Es spielte den konterstarken Leverkusener in die Karten, die sich dann immer wieder auf ihre starken Flügelüberladungen verlassen konnten. Bakker + Paulinho und Frimpong + Diaby sorgten für eine unglaubliche Pace und Dynamik. Die Borussia hatte quasi nie eine Doppel-Besetzung der Flügel, sodass unsere Außenverteidiger immer in einem 2-gegen-1 Unterzahlspiel waren, oder einer der beiden 6er rausrückte um zu doppeln. Doch dann bot sich wieder ein freier Raum im zentralen Bereich an, den Leverkusen in Person von Demirbay immer wieder fand.

Abbildung 16

Die Borussia wurde zurecht gelobt, nachdem sie gegen den Rekordmeister vor allem die Grundtugenden, wie Galligkeit gezeigt haben und giftig in den Zweikämpfen waren. Die zu großen Abstände zwischen den Ketten im Pressing habe ich bereits gegen die Bayern thematisiert, auch gestern wurde sie zu einem Problem. Die fehlende Kompaktheit ist derzeit ein großes Thema, welches sich schnell in den Griff kriegen sollte, um in Berlin am besten 3-fach zu punkten. Trotz riesiger Verletzungssorgen.

*Alle Abbildungen sind von der Scoutingplattform Wyscout

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